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Reportage: Paris-Peking, Schluss
Letzte Ausfahrt Peking
 Paris-Peking Schluss

Der längste Diesel-Treck aller Zeiten hat sein Ziel erreicht. Über Moscheen in China, die wohl teuerste Taxifahrt aller Zeiten und Schafsköpfe im Hinterhof: Die letzte Etappe der Tour Paris-Peking ist vorüber.

16.000 Euro für eine Taxifahrt – das klingt happig. Aber als die E-Class-Experience im chinesischen Lanzhou zur letzten Etappe der großen Reise aufbrach, hatte die deutsche Droschke 12.000 Kilometer auf der Uhr. Wartezeiten und Pausen wurden natürlich mitgerechnet. Zum Glück musste niemand die Zeche zahlen.

 Paris-Peking Schluss  - Foto: Hersteller

Die quirlige Metropole Lanzhou am Gelben Fluss ist mit drei Millionen Menschen voll gestopft und ein Paradebeispiel für den wirtschaftlichen Aufschwung Chinas. Wie in Schwärmen fallen Baukräne über die Stadt her und stampfen im Akkord Appartementkomplexe aus dem Boden. Tief in den Baugruben krabbeln die Arbeiter manchmal noch mit geflochtenen Bastkörbchen als Schutzhelm, Frauen bieten für umgerechnet 30 Cent Schuhputz-Dienste an und in den Gassen werden schon mal gebackene Schafsköpfe als Delikatesse verspeist. Für westliche Augen mag das als krude Mischung zwischen hochmoderner Mega-City und Entwicklungsland erscheinen – in China stört man sich an solchen Gegensätzen nicht.

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Auf dem nächsten Zwischenziel Wuhai bot sich den Paris-Pekingern ein ungewohntes Bild: Moscheen mitten in China. Ningxia nämlich ist das Autonome Gebiet der moslemischen Hui-Chinesen. Mitten im chinesischen Nirgendwo, wo westliche "Langnasen" kaum weniger exotisch sind als waschechte Aliens, gab es zudem eine der vielen skurrilen Begegnungen der Tour. Außer Atem und in einen schwarzen Anzug gekleidet, eilte ein Englischlehrer per Rad aus der drei Kilometer entfernten Schule herbei. Er wollte die Gelegenheit spontan für eine praktische Unterrichtseinheit vor Ort nutzen. Doch der Terminplan ließ den Paris-Pekingern keine Zeit.

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40.000 Liter Diesel und 5000 Bananen
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Auf dem Weg nach Wuhai hatte das Team im goldenen "Bambi"-Mercedes einen unerfreulichere Begegnung: Bei 130 Sachen lösten plötzlich alle Airbags auf der Beifahrerseite aus. Der Benz war über ein Schrott-Stück auf der Fahrbahn gerumpelt, das nach oben geschleudert wurde. Das Teil schlug ein faustgroßes Loch in den rechten Längsträger, durchdrang das Bodenblech und hob den Beifahrersitz aus seiner Verankerung. Die Passagiere, darunter der Goldmedaillengewinner im Zweier-Kajak und mehrfacher Weltmeister, Tim Wieskötter, kamen mit dem Schrecken davon. In einer Nachtschicht reparierte das Serviceteam den Schaden bei minus zwei Grad Celsius. Als Ersatz-Airbags wurden kurzerhand die Luftkissen aus einem Begleitfahrzeug eingebaut.

Weiter ging es für die 36 E-Klassen durch die mongolische Steppe. Trotz der kargen Landschaft zeigen einsame Mobilfunkmasten, dass selbst in der Inneren Mongolei das Handy schon zur Standardausrüstung gehört. Highlight auf dem Weg nach Hohhot waren die so genannten "Singing Dunes". Sie sind mit bis zu 110 Metern Höhe die höchsten Sanddünen Chinas. Besonderen Winden und Wanderdünen, die diese Geräusche auslösen, verdankt die Landschaft ihren Namen. Der Legende nach sollen sie Reisende mit ihrem Gesang weit hinaus in die Wüste und damit ins Verderben und den Hungertod treiben. Zum Glück hatten alle E-Klassen unbestechliche GPS-Empfänger an Bord, die sich nicht von betörendem Gesang einlullen lassen.

Auch reale Hindernisse konnten die E-Klassen auf ihrer letzten Etappe nicht stoppen - der 18 Kilometer lange Stau etwa, den havarierte LKWs auf der Hauptstraße kurz vor Badaling verursachten. So kam der größte Diesel-Marathon aller Zeiten wohlbehalten in Peking an. Zusammen gerechnet hatten die Autos eine halbe Millionen Kilometer auf dem Buckel, jedes für sich mindestens 14.000 Kilometer. Rechnet man die Strecke der Begleitfahrzeuge mit ein, käme die Benz-Karawane auf eine 21-fache Erdumrundung auf dem Äquator.

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40.530 Liter Diesel
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Trotz der fünf Blechschäden gab es keine Totalausfälle – die Mercedes-Mechaniker flickten alles wieder zusammen. Als Ersatzteile wurden nur drei Stoßfänger, zwei Kotflügel, eine Felge, vier Windschutzscheiben sowie eine Heckleuchte benötigt. Dazu kamen noch 20 Reifen und eine Lichtmaschine – ein Team war auf die wenig glorreiche Idee gekommen, ein tiefes Wasserloch zu durchfahren.

Den Tour-Sieg – nicht die beste Zeit, sondern der geringste Spritverbrauch - holte sich das Ebay-Team. Nur 7,19 Liter Diesel brauchten die Fahrer im Durchschnitt. Der Sparsamkeitsrekord bei einer Tagesetappe lag gar bei 5,5 Litern. Die gesamte Flotte verschlang 40.530 Liter Dieselkraftstoff. Das waren 10.000 Liter weniger, als Mercedes ursprünglich eingeplant hatte.

Die 360 Teilnehmer und die 40-köpfige Begleitmannschaft hatten einen vergleichsweise höheren Verbrauch: Sie konsumierten zwischen Paris und Peking neben Frühstück und Abendessen 8.200 Lunch-Sandwiches, 5.300 Bananen, 4.000 Schokoriegel und 9.600 Flaschen Mineralwasser. Alle Beteiligten überstanden die Strapazen des Marathons – von gelegentlichen Magen-Darmverstimmungen und Erkältungen abgesehen – bei guter Gesundheit.

Den Teilnehmern bleibt neben vielen unvergesslichen Erinnerungen die Erkenntnis, an einer einmaligen Tour mitgewirkt zu haben. Ein solches Mega-Event - das hatte Mercedes Pressechef Johannes Reifenrath schon am Ende der ersten Etappe betont – werden die Schwaben in den nächsten 100 Jahren wohl nicht mehr auf die Räder stellen.

 
 Paris-Peking Schluss - Foto: Hersteller
 Paris-Peking Schluss - Foto: Hersteller
 Paris-Peking Schluss - Foto: Hersteller
 Paris-Peking Schluss - Foto: Hersteller

Text: | Fotos: Hersteller


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