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Hintergrund  Hintergrund: Die Zukunft von Saab

Wo ist der Sex-Appeal?



In den 80ern wollten viele anders Auto fahren. Wem BMW zu sportlich, Mercedes zu protzig, Audi zu piefig und der Rest zu öde war, fühlte sich bei Saab gut aufgehoben. Doch wo ist der schwedische Sex-Appeal geblieben?

 
 Die Zukunft Saabs
  
 Die Zukunft Saabs  - Foto: Viehmann  Die Zukunft Saabs - Foto: Viehmann  Die Zukunft Saabs - Foto: Viehmann  Die Zukunft Saabs - Foto: Viehmann  Die Zukunft Saabs - Foto: Viehmann  Die Zukunft Saabs - Foto: Grundhoff

Saab, Kurzform für Svenska Aeroplan Aktie Bolaget, spielt seit Jahren nur noch mit viel Wohlwollen die Rolle des charismatischen Exoten. Erinnert man sich heute noch gern an ebenso ungelenk wie einzigartige Cabriolets wie den tollen 900er, den legendären 96er oder den frühzeitlichen Sports-Tourer Saab 99, so ist die Marke heute kaum wieder zu erkennen. Über die Jahre wurde sie vom fernen Mutterkonzern General Motors weitgehend sinnfrei gelutscht und von jeglichen eigenen Genen befreit.

In einem der härtesten automobilen Segmente, der oberen Mittelklasse, gehört der Saab 9-5 zu den ältesten Modellen auf dem europäischen Markt. Keine Chance mehr gegen Hightech-Maschinen wie 5er BMW, Mercedes E-Klasse oder Audi A6. Auch Modellpflegen und Facelifts konnten nicht verhindern, dass der ohnehin nur schwach versprühte Charme des 9-5 längst verpufft ist. Allein sein hoher Preis ist – wie bei den anderen Saab-Modelle – mehr als konkurrenzfähig.

Da merkt irgendwann auch der geneigteste Markenkunde, dass es Zeit ist zu gehen. Viele treue Kunden haben denn auch dem 1937 gegründeten Hersteller mittlerweile den Rücken gekehrt. Die einen konnten sich mit dem nur noch rudimentär vorhandenen Markencharme nicht anfreunden; anderen waren Technik und Design schlicht zu einfallslos.

Bereits in der zweiten Hälfte der 90er Jahre waren die Saab-Modelle 900 II und 9000 nicht mehr das, was der typische Saab-Kunde von ihnen erwartete: Von sehenswerter Eigenständigkeit, mit der sich der gut betuchte Kunden besser als mit jeder anderen Marke vom automobilen Mittelfeld abheben konnte.

War der ehemalige Flugzeugzeughersteller früher für seine technischen Innovationen bekannt, so gab es zuletzt jahrelang wenig Neues aus Trollhättan zu berichten. Bei beheizten Sitzen und Scheinwerfer-Wisch-Waschanlagen war man einst vorne an. Doch zeitgemäße Innovationen wie Xenonlicht oder Navigationssysteme schlummerten beim schwedischen GM-Ableger lange vor sich hin.

Dabei ist es längst nicht so, dass die aktuelle Modellpalette komplett neben der Spur wäre. Die jüngsten Modellpflegen haben dem Volumenmodell Saab 9-3 gut getan. Zumindest von außen präsentiert sich der als Limousine, Kombi und Cabriolet erhältliche 9-3er durchaus sehenswert.

Saab-Kunden galten lange Jahre als gut betucht und liebten die PS-starken Topmotorisierungen mit dem Namenszusatz Turbo oder Aero. Doch leistungsstarke Modelle bauen längst alle Hersteller. Und die kräftigen Turbo-Benziner zerren bei Saab wenig zeitgemäß an der Vorderachse wie eh und je. Die Konkurrenz ist mittlerweile nicht nur deutlich PS-stärker, sondern mit Heck- und intelligenten Allradantrieben auch deutlich effektiver.

Ähnlich wie die behäbige US-Mutter General Motors und der große europäische Bruder Opel scheint Saab nur sehr langsam auf den Pfad der Tugend zurückzufinden. Die Einführung der aktuellen Dieselgeneration brachte einen spürbaren Schub.

Spät, aber vielleicht nicht zu spät, besann man sich darauf, dass man nicht auf Gedeih und Verderb am Vorderradantrieb festhalten sollte. Der aktuelle Saab 9-3 bekommt im Frühjahr endlich einen 4x4-Antrieb.

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Turbo als Chance
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Das Cabriolet des 9-3, das bei Magna-Steyr in Graz produziert wird, ist nach wie vor das Aushängeschild der Marke. Mit seinem vollelektrischen Stoffdach zeigt es, dass Premiumcabriolets auch ohne ein festes Klappdach bestehen - und zudem noch eine sehr schneidige Figur machen können. Bewahrt hat sich Saab immerhin das zwischen den Sitzen positionierte Zündschloss.

In die Hände spielen könnte den Saab-Ingenieuren, dass man auf eine enorme Turbo-Erfahrung zurückblickt. Kein anderer Hersteller in Europa setzte derart konsequent auf die Aufladung von verhältnismäßig kleinvolumigen Triebwerken. Doch die ersten - und finanzstarken - Konkurrenten wie Volkswagen, BMW und Audi haben die Schweden bei der Turbotechnik bereits mit 1,5 bar Ladedruck überholt.

Dabei müsste das Kundenpotenzial von Saab größer sein denn je. Die Leute wollen sich mehr denn je durch ihr Auto aus der Masse abheben. Doch im Vergleich zu den anderen Premiummarken gab Saab unter GM-Regie in den vergangenen 15 Jahren kaum Geld aus für nennenswerte Neuentwicklungen.

Abgesehen von dem wenig überzeugenden US-Modell des Saab 9-7x hat man den SUV-Trend ebenso verschlafen wie die Lust der Kundschaft auf coole Kompaktwagen oder Crossover.

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Mehr als BioPower?
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Bleibt abzuwarten, wie die auf der Detroit Motorshow vorgestellte Vision eines Saab 9-4x in die Realität umgesetzt werden kann. "Dieses Konzeptfahrzeug verkörpert das, was unsere Marke ausmacht", betont Jan-Ake Jonsson, Managing Director Saab Automobile: "Außerdem ist es der nächste wichtige Schritt in unserer Strategie, mit unverwechselbaren Produktangeboten neue Marktsegmente für uns zu erschließen."

Das Design der Studie 9-4x BioPower Concept ist geprägt von klaren Linien und Flächen. Gesicht und Innenraum zeigen Parallelen zum Konzeptfahrzeug Saab Aero X. Getrieben von dem großen Erfolg des E85-Krafststoffs in Skandinavien setzen die Schweden seit Jahren auf Bio-Ethanol. So auch bei der Studie des 9-4x.

Aber nur E85 ist im Konzert der großen doch etwas wenig als Argument. Der Genfer Salon im März 2008 soll einen Dreh in die richtige Richtung bringen. Hier gibt Saab mit einer Studie einen Ausblick auf eine kompakte Ergänzung der Modellpalette in Richtung 9-1.

Eindrucksvolle Studien hat man von Saab in den vergangenen Jahren allerdings viele gesehen - die Kunden warten aber auf reale Modelle für heute und morgen.

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Text:  Eine eMail an Stefan Grundhoff schicken Auf Artikel linken
Fotos: Grundhoff

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