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Porsche 911 Targa 4S  Fahrbericht: Porsche 911 Targa 4S

Spektakulär offen



Mit dem neuen 911 Targa spielt Porsche die Retrokarte: Viel Glas und ein auffälliger Überrollbügel sollen an die grandiosen Urahnen aus den 1960er und 1970ern erinnern - durchaus mit Erfolg.

 
Porsche 911 Targa 4S
  
Porsche 911 Targa 4S - Foto: Hersteller Porsche 911 Targa 4S- Foto: Hersteller Porsche 911 Targa 4S- Foto: Hersteller Porsche 911 Targa 4S- Foto: Hersteller Porsche 911 Targa 4S- Foto: Hersteller Porsche 911 Targa 4S- Foto: Hersteller
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[+] Schönes Retro-Design, ordentliches Platzangebot, optimale Sitze, gute Übersichtlichkeit, präzise Lenkung, sehr schnelles Ansprechverhalten, hervorragendes Getriebe, herausragende Traktion, hoher Grenzbereich
[-] Hoher Preis, steife Brise in Innenraum bei offenem Dach, kaum Assistenzsysteme

Im Stand hat der Porsche Targa einen spektakulären Moment. Auf Knopfdruck hebt sich erst die Heckscheibe und schiebt sich wie ein riesiger Insektenpanzer über das Heck. Begleitet vom Surren der beiden Elektromotoren, klappen dann die Verkleidungen des Überrollbügels (ja der neue Targa hat wieder einen) auf und das Magnesiumdach verschwindet in einem Zug in der Heckmulde, ehe sich die Heckscheibe wieder in die Ausgangslage zurückbewegt. In nur etwa 19 Sekunden ist diese aufwendige Metamorphose vom Coupé zum Oben-Ohne-Sportler vollzogen.

Zurück zu den Wurzeln heißt die Devise bei dem neuen Coupé-Cabrio-Zwitter. Schließlich gab 1963 kein Geringerer als Ferry Porsche selbst sein Placet zu dem damals neuen Modell, das zwei Jahre später auf der IAA seine Weltpremiere feierte und noch einmal zwei Jahre später auf den Markt kam. Von den rund 853.000 weltweit verkauften Porsche 911 sind etwa 13 Prozent Targas. Anfang der 70er Jahre erlebten die Autos mit dem Überrollbügel eine Blütezeit. Da betrug der Anteil am 911er-Gesamtvolumen satte 40 Prozent.

Bei aller optischen Retrospektive nahmen die Ingenieure bei der Entwicklung des Targas technische Anleihen beim Cabrio. Der Unterbau ist gleich. Der deutlich sichtbare Unterschied liegt in dem Überrollbügel und dem Gewicht. Der Targa ist 40 Kilogramm schwerer als das Cabrio. Im Vergleich zum Coupé sind es dann schon 110 Kilogramm.

Das schlägt sich in messbaren Werten nieder. Den Sprint von null auf 100 km/h absolviert der 400-PS-Targa mit PDK und Sport-Plus-Paket in 4,4 Sekunden. Das sind 0,3 Sekunden länger als das Coupé. Der Verbrauch ist mit 9,2 Litern fast identisch zu der geschlossenen Version.

Bei der Agilität macht das jüngste 911er Familienmitglied grundsätzlich eine gute Figur und lässt sich dank der präzisen, mitteilungsfreudigen Lenkung souverän ums Eck zirkeln. Aber das Bessere ist der Feind des Guten. Den Extra-Speck merkt man dem neuesten 911er, den es nur als Allradversion, also mit dem breiteren Pracht-Heck gibt, im Grenzbereich an. Beim Einlenken ist der Targa träger und drängt in sehr schnell gefahrenen Kurven etwas mehr nach außen, als die geschlossene Variante. Diese Selbstbestimmungsversuche werden aber durch den Allradantrieb in Verbindung mit den Regelsystemen zuverlässig unterbunden.

Porsche 911 Targa 4S, Fahrbericht
Bei offenem Dach weht eine steife Brise im Innenraum, die die sorgsam hergerichteten Haare heftig durcheinanderwirbelt
Porsche 911 Targa 4S, Fahrbericht

Die Geräuschkulisse ist Porsche-typisch: Stellt man den Targa mit dem optionalen Sport-Plus-Paket scharf, sind nicht nur die Gasannahme unmittelbarer, die Lenkung direkter und die Gangwechsel schneller, sondern die vierflutige Auspuffanlage bollert auch herrlich beim Gaswegnehmen.

"Der Targa ist für Autofahrer, die nicht auf die Rennstrecke gehen. Die würden sich ansonsten das Coupé kaufen", sagt Baureihen-Leiter August Achleitner. Er läßt es sich nicht nehmen, auch Autos, die die Testdistanz von 160.000 Kilometern zurückgelegt haben, nochmal auf Herz und Nieren zu prüfen. Schließlich ist die Dachmechanik aufwendig und die Heckscheibe wiegt inklusive Rahmen rund 33 Kilogramm. Funktioniert auch nur im Stand. Ein Hauptgrund ist, dass beim Bewegen des Dachs die Bremsleuchten teilweise verdeckt werden - ein sicherheitsrelevanter Aspekt. Seit 2006 haben die Ingenieure in Weißach und Zuffenhausen an dem neuen Verdeck getüftelt.

Doch wer nun glaubt, dass sich im Targa aufgrund des hohen Glas-Anteils das Aquarium-Feeling des Vorgängers wiederholt, der täuscht sich grundlegend. Bei offenem Dach weht eine steife Brise im Innenraum, die die sorgsam hergerichteten Haare der weiblichen Begleitung heftigst durcheinanderwirbelt. Das raue Lüftchen nimmt zu, je weiter man mit dem Sitz nach hinten rückt. Um die Verwirbelungen und die daraus resultierende Geräuschkulisse wenigstens einigermaßen zu reduzieren, installierten die Techniker nach Mercedes-E-Klasse-Muster einen manuell ausfahrbaren Spoiler auf der Windschutzscheibe. Design-Puristen pfeifen auf den Plastikbalken und genießen lieber den Extra-Föhn.

Wenn die Haare vor das Gesicht wirbeln, dann ist es gut, dass sich der Liebhaber moderner Porsches blind im Interieur zurechtfindet. Alles ist am gewohnten Platz. Nur beim Infotainment-System könnten die Sportwagenbauer aus Zuffenhausen so langsam eine Schippe drauflegen. Da gibt es modernere Lösungen. Zumal der Porsche Targa 911 4S kein Schnäppchen ist: Mit einem Grundpreis von 124.094 Euro ist die halboffene Variante 11.781 Euro teurer als das Coupé und gerade mal 952 Euro billiger als das Cabrio.

Porsche 911 Targa 4S
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Fotos: Hersteller Porsche 911 Targa 4S http://goo.gl/VJCE8d
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