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Faszination  Faszination: Lamborghini Gallardo

Miami Spyce



Man sollte doch meinen, dass ein Lamborghini hier in Miami Beach nicht weiter auffällt. Doch bereits der Weg zum Ocean Drive gerät zur Spießrutenfahrt. Im offenen Gallardo Spyder werden Erwachsene zu Kindern - und die Straße zur Bühne.

 
 Lamborghini Gallardo
  
 Lamborghini Gallardo  - Foto: Hersteller  Lamborghini Gallardo - Foto: Hersteller  Lamborghini Gallardo - Foto: Hersteller  Lamborghini Gallardo - Foto: Hersteller  Lamborghini Gallardo - Foto: Hersteller  Lamborghini Gallardo - Foto: Hersteller

Aus der flachen Italo-Flunder blickt man unerschrocken und lässig hinauf zu solchen Giganten wie dem Hummer H2, dem Cadillac Escalade oder der in diesem Moment des automobilen Hochgefühls ziemlich bemitleidenswerten Mercedes M-Klasse. Deren Fahrer wiederum schauen mit Hochachtung und glänzenden Augen hinab zu dem Avangarde-Renner aus Santa Agatha.

Lamborghini hat weltweit einen Namen wie Donnerhall. Nicht nur in den USA werden selbst betagte und abgeklärte Autonarren zu juvenilen Betrachtern und verrenken sich schier die Köpfe nach dem neuen Gallardo Spyder. Bereits die geschlossene Version ist ein Supersportler. Wer mit Allradantrieb, 520 PS und 314 km/h Spitze auch auf Luft, Sonne und grenzenlose Weite nach oben nicht verzichten will, kann ab Frühjahr die offene Version genießen. Gestatten: Spyder.

Schnell, schneller am schnellsten. Die erlaubten 55 Meilen pro Stunde können auf der legendären US-I südlich von Miami bei diesem Auto nicht schrecken: Auf dem Highway ist die Hölle los. Gerade erst ist man nahe der Universität an einem vor sich hin dösenden Sheriff vorbeigefahren. Und trotz des ohrenbetäubenden Motorenlärms dreht er sich nicht einmal nach dem Boliden um. Ignorant! Oder klug - denn eine Verfolgungsjagd hätte null Chancen.

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Wimpernschlag
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Also kriegt er Feuer – der Lambo natürlich. Tempolimit hin oder her: Der Zehnzylinder drückt den Fahrer mit 510 Nm maximalem Drehmoment bei jeder Injektion per Gaspedal kraftvoll ins enge Gestühl - ohne jede Verzögerung. Die Tachonadel braucht nur die Zeit eines Wimpernschlags, um über die 130er-Marke zu gleiten.

Das Kennzeichen verrät: Wir kommen direkt aus Norditalien. Der Tacho zeigt Kilometer und keine Meilen. Umrechnen? Ach was, kurz rauf auf Tempo 160. Was soll schon schief gehen? Dann aber vorsichtshalber in die Eisen! Vielleicht hat der Sheriff von eben ja doch im Halbschlaf noch eine massive Straßensperre organisiert. Kennt man ja aus dem Kino. Und eine unfreiwillige Nacht im örtlichen Police-Department steht nicht auf unserem Zeitplan.

Wieso aber sollte der Lamborghini Gallardo Spyder überhaupt so etwas Besonderes sein? PS-starke Roadster gibt es schließlich einige. Doch dieser hier raubt einem nicht nur durch das martialische Design den Atem. Kaum 1,20 Meter hoch und scheins breiter als jede Fahrbahn – so satt kauert der Lambo auf dem Asphalt.

Der Zehnzylinder bollert beim Start los, als würde nebenan ein Abraumbagger angeworfen. Keine moderne FSI-Technik aus dem Ingolstädter Konzernregal, sondern ein grollender Kerl, der einem die Gehörgänge durchputzt. 520 PS bei 8000 U/min., 314 km/h Spitze geschlossen und immerhin noch 307 km/h offen. 0 auf 100 km/h in 4,3 Sekunden. Yeah. Der Verbrauch irgendwo zwischen 17 und 25 Litern auf 100 Kilometer. Who cares?

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Alles schon weg
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Doch können solch nüchterne Zahlen überhaupt vermitteln, was der luftige Gallardo mit seinen Insassen macht?

Die erste Überraschung: Der Spyder ist sogar bedingt alltagstauglich. Gut, der gemeine Lambo-Fahrer hat zwischen fünf und zehn andere Autos in seiner Großraumgarage, mehr als eine Residenz rund um den Globus und ein Quartettspiel platinfarbener Kreditkarten. Da fällt der winzige Kofferraum ebenso wenig ins Gewicht wie die rund 165.000 Euro, die man für so wenig Stauraum mit Auto bezahlen muss. Und wen interessiert schon, dass sich das stramme Stoffverdeck nur im Stand öffnet (dann aber in rund 20 Sekunden) und ein Navigationssystem nur in der Aufpreisliste steht? Niemanden offensichtlich. Die Jahresproduktion 2006 - immerhin 800 Autos - ist bereits vergriffen. Mehr als die Hälfte aller Gallardo Spyder geht nach Deutschland und in die USA.

Lästern wir doch zwischendurch ein bißchen ab: Der Italiener macht nur für Passagiere bis kaum über 1,80 Meter eine gute Figur. Darüber wird es eng zwischen der Stirn und dem Rahmen der Windschutzscheibe. Nicht nur auf der Suche nach dem Ampelsignal verbiegt man sich den Hals wie eine WC-Ente. Die Sicht nach vorn ist allenfalls mittelprächtig. Für den Durchblick nach hinten sorgt eine Heckkamera - ebenso optional wie das 8.000 Euro teure E-Gear-Getriebe.

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It´s Showtime
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Genug der bösen Worte. Im Stadtverkehr, auf der Landstraße oder der Autobahn fährt sich der Gallardo lammfromm und macht es seinem Piloten nie schwer. Wer will, der drückt aufs Gaspedal und lässt die schnöde Welt einfach hinter sich zurück. Lenkung und manuelle Schaltung sind sportwagentypisch nicht gerade leichtgängig. Was soll´s: Die anerkennenden Blicke des Volkes machen auch den überdimensionalen Wendekreis erträglich. Der Vorteil: Man ist länger auf dem Präsentierteller und das freut Zuschauer und Fahrer gleichermaßen. Der Zehnzylinder quittiert beim Rangieren jeden Gasstoß mit einem wilden Fauchen.

Der Klang – ein Traum. Der Genuss auf der Straße – ebenso grenzenlos wie das daraus resultierende Suchtpotenzial. Wenn nur das hohe Gewicht den Fahrgenuss nicht stören würde. Zehnzylinder, Allradantrieb und die lederne Aktentasche im rund 100 Liter kleinen Frontabteil fordern ihr Tribut – mit über 1,7 Tonnen fährt der Gallardo nicht gerade leichtfüßig durch den Wedelparcours. Eine variable Kraftverteilung des Allradantriebs und das ausgewogene Gewichtsverhältnis (47:53) sorgen letztlich dennoch für strahlende Gesichter.

Angesprochen wurde man im Süden Floridas übrigens öfter – fast ausschließlich von Frauen. Da soll einer noch sagen, die Damenwelt lege keinen Wert auf Äußerlichkeiten.

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