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Ratgeber  Ratgeber: Marderschäden

Kleine Zähne, großer Ärger



Während Sie friedlich schlafen, gibt es unter der Motorhaube Ihres Autos vielleicht Randale: Versicherungen verzeichnen immer mehr Marderschäden. Es gibt aber wirksamen Schutz.

 
 Marderschäden
  
 Marderschäden  - Foto: Viehmann  Marderschäden - Foto: Viehmann  Marderschäden - Foto: Viehmann  Marderschäden - Foto: Wikipedia  Marderschäden - Foto: Hersteller  

Wer sein Auto zur Inspektion oder zum TÜV bringt, erlebt manchmal eine ungeahnte Überraschung. "Bei Ihnen war der Marder drin", teilt der Meister dann mit und wedelt mit zerfetztem Isoliermaterial oder angeknabberten Kabeln. Versicherungen zahlen bei Marderschäden nur zum Teil, vor allem auf Folgeschäden bleiben Autofahrer oft sitzen.

Die bevorzugten Anschlagsziele des Marders sind Zündkabel, Kunststoffschläuche sowie Faltenbälge an Antriebswellen und an der Lenkung. Auch Isoliermatten für die Geräusch- und Wärmedämmung fallen den spitzen Beißerchen zum Opfer. Weil viele Fahrer höchsten noch zum Auffüllen der Scheibenwaschanlage unter die Haube schauen, wird das Resultat der Beißattacke häufig erst spät entdeckt.

Dabei kann der Marderbiss hohe Folgeschäden verursachen. "Verletzungen an Gummimanschetten machen sich zwar nicht sofort bemerkbar, aber durch das Eindringen von Schmutz und den Verlust der Fettfüllung kommt es zur Schädigung der Antriebs- und Achsgelenke oder der Lenkungsteile", heißt es beim ADAC. Bei perforierten Kühlwasserschläuchen geht Kühlflüssigkeit verloren, der Motor kann überhitzen.

Der Automobilclub rückt rund 15.000 mal im Jahr zu Pannen aus, die auf das Konto von Mardern gehen. "Das ist aber nur die Spitze des Eisbergs. Die meisten Schäden werden erst bei der Inspektion oder beim TÜV entdeckt", sagt Manfred Groß vom ADAC Technik-Zentrum in Landsberg.

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Auf Kriegsfuß
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Doch warum stehen die Tiere überhaupt auf Kriegsfuß mit Automobilen? In Internetforen geht das Gerücht um, das zur Herstellung von Kabelummantelung oder Isoliermatten Tiermehl verwendet wird. Wenn sich der Motor erwärmt, schnuppert der Marder angenehme Futterdüfte und bindet sich schon mal die Serviette um – so die Theorie. Auf Anfrage teilten allerdings zahlreiche Hersteller, darunter Hyundai, Renault, BMW und Daimler mit, dass in ihren Fahrzeugen solches Material keineswegs verbaut sei. Bei der Tiermehl-Theorie dürfte es sich also um ein modernes Wandermärchen handeln.

Warum es sich die Tiere wirklich im Motorraum gemütlich machen, hat Wildbiologin Beate Ludwig in umfangreichen Versuchsreihen herausgefunden. "Für den Marder ist das einfach ein gutes Versteck. Die Motorwärme hat damit nichts zu tun", so die Biologin.

Dass der Marder im Versteck auch noch Randale macht, habe drei Gründe: "Die Tiere ertasten durch Beißen einfach ihre Umwelt, so wie es auch ein junger Hund tun würde. Dazu kommen ein natürlicher Spieltrieb und vor allem während der Paarungszeit die Aggression der Männchen", erklärt Ludwig. Wenn die nämlich Duftspuren anderer Männchen wittern, fliegen buchstäblich die Fetzen. Deshalb werden Autos, die oft den Standort wechseln, überdurchschnittlich häufig von Mardern heimgesucht – ein Phänomen, das die Pannenhelfer vom ADAC bestätigen können.

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Der Motorraum als Vorratslager
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Auch wenn viele Schäden während der Paarungszeit im Frühjahr auftreten, ist man in der kalten Jahreszeit keineswegs vor den Beißern gefeit – Marder halten keinen Winterschlaf. Sind in der Nachbarschaft bereits Marderschäden aufgetreten, gilt Alarmstufe Rot. Wer Spuren wie zerfasertes Isoliermaterial findet, sollte jeden Winkel des Maschinenraums gründlich unter die Lupe nehmen. Verräterisch sind auch Pfoten-Tapser auf dem Autodach oder der Haube. Manchmal findet man sogar Brotreste im Motorraum. Dann hat sich der Marder den Wagen zum persönlichen Vorratslager auserkoren.

Der Schutz vor Mardern ist für die Zubehörindustrie ein großes Geschäft, doch nicht alle Maßnahmen versprechen Erfolg. "Geruchsmittel oder Sprays mit Geschmacksstoffen helfen nicht", sagt Marder-Expertin Ludwig. Die Tiere gewöhnen sich schnell daran oder bleiben völlig unbeeindruckt. Hausmittel wie Mottenkugeln oder WC-Steine können sogar nach hinten losgehen: "Ein zerfließender WC-Stein kann Aluminiumteile im Motor angreifen", berichtet der Leiter einer Autowerkstatt.

Erfolgversprechend ist ein Stück Maschendrahtzaun, das man flach unter den Wagen legt. Offenbar laufen Marder nur ungern auf dem Zaun herum. Unterschiedliche Erfahrungsberichte findet man zum Thema Ultraschall. Dazu wird ein Gerät im Motorraum angebracht. Mit Tönen, deren Frequenzen Menschen nicht wahrnehmen können, wird der Marder in die Flucht geschlagen – oder eben auch nicht. Denn alle genannten Mittel haben ein Problem: "Es funktioniert vielleicht für eine gewisse Zeit, aber irgendwann gewöhnen sich die Tiere daran", sagt Biologin Ludwig.

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Elektroschock für die Beißer
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Man kann die Kabel im Motorraum auch direkt mit speziellen Ummantelungen schützen, die es im Zubehörhandel gibt. Bei Schläuchen oder Achsmanschetten hilft das freilich nicht. Besser ist es, einfach die Schotten dichtzumachen. Volkswagen zum Beispiel vertreibt für verschiedene Modelle eine Schutzvorrichtung, die den Marder rein mechanisch abwehrt. "In den vorderen Radhauskästen werden dafür je zwei Bürstenvorhänge horizontal und vertikal im Bereich des Lenkgestänges und der Gelenkwellen angebracht. Ein Lochblech verhindert zusätzlich das Eindringen des Marders im Bereich der aus dem Tunnel austretenden Abgasanlage", heißt es bei VW. Das Nachrüst-Kit kostet beim Golf 190 Euro, es ist aber nicht in Verbindung mit allen Motoren und nicht bei Autos mit Allradantrieb, Xenon-Scheinwerfern oder Standheizung verfügbar.

Das wirksamste Universal-Mittel scheint immer noch der Elektroschocker zu sein. An den "Marder-Einstiegsstellen" unten im Motorraum werden Metallplättchen montiert und vom Bordnetz unter Spannung gesetzt. Berührt ein Marder eines der Plättchen, erhält er einen unangenehmen, aber laut Herstellerangaben ungefährlichen Stromschlag. Der Einbau des Marderschrecks, den verschiedene Zubehör-Hersteller anbieten, dauert ein bis zwei Stunden und sollte in einer Fachwerkstatt erfolgen.

Auch Wildbiologin Beate Ludwig hält den Elektro-Schocker für eine effektive Lösung. "Es ist aber wichtig, dass die Plättchen an den richtigen Stellen platziert sind. In unseren Versuchen haben manche Marder nicht gleich nach dem ersten Stromschlag aufgegeben, sondern nach anderen Einstiegsmöglichkeiten gesucht“, berichtet sie.

Übrigens: Auch wenn die Beißattacken Millionenschäden anrichten, haben wahrscheinlich mehr Autos Marder auf dem Gewissen als umgekehrt. "Die Todesursache Nummer Eins bei den Tieren ist immer noch, vom Auto überfahren zu werden", sagt Beate Ludwig.

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Text:  Eine eMail an Sebastian Viehmann schicken Auf Artikel linken
Fotos: Hersteller

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