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Hintergrund  Hintergrund: Mercedes in Detroit

Dr. Jekyll und Mr. Moss



Daimler zeigt in Detroit zwei Extreme: Der SLR Stirling Moss hat mit 650 PS und 350 km/h seinen Platz im Olymp der Silberpfeile sicher. Der Concept BlueZero zeigt, wie die neue B-Klasse aussehen könnte: elektrisch.

 
 Mercedes-Show
  
 Mercedes-Show  - Foto: Viehmann  Mercedes-Show - Foto: Viehmann  Mercedes-Show - Foto: Viehmann  Mercedes-Show - Foto: Viehmann  Mercedes-Show - Foto: Viehmann  Mercedes-Show - Foto: Viehmann

Wo ist die E-Klasse? Die Besucher der Detroit Auto Show werden bei Mercedes die Stirn runzeln: Obwohl das neue Modell bereits bestellbar ist, steht es nicht am Stand. Den Neuling haben die Schwaben nur vor ausgesuchtem Publikum und einen Tag vor der Messe gezeigt. Auf der Show selbst können die Besucher nur eine alte E-Klasse betrachten – was Mercedes damit bezweckt, bleibt rätselhaft.

Immerhin ziehen zwei andere Autos die Blicke auf sich. Der SLR Stirling Moss, mit der eingravierten Signatur der britischen Rennfahrer-Legende auf der Mittelkonsole, soll das schnellste Serienauto aller Zeiten werden. Bis auf 350 Sachen bringt ein Kompressor-V8 mit 478 kW (650 PS) die silberne Zigarre. Der Motor entwickelt ein Drehmoment von 820 Newtonmeter.

Der 4,8 Meter lange und nur 1,2 Meter hohe Speedster bringt 1,5 Tonnen auf die Waage und verzichtet - abgesehen vom Platz für einen Beifahrer - auf eine ganze Menge: zum Beispiel auf Seitenfenster oder Windschutzscheibe. Lediglich an zwei winzigen Windabweisern können Fliegen ihr Leben lassen. Schutzbrille und Helm sind deshalb wohl die empfehlenswerten Extras für SLR-Piloten.

Die Karosserie des SLR Stirling Moss ist abgesehen von zwei Aluminium-Motorrahmen vollständig aus Carbonfaser-Werkstoffen gefertigt. Den Sprint von 0 auf 100 km/h schafft der Speedster laut Daimler in 3,5 Sekunden. Eine Fünfgang-Speedshift-Automatik von AMG übernimmt die Kraftübertragung. Regnen sollte es auf dem Ausflug zu zweit zwar nicht, aber mit 290 Litern Gepäckraum kann man immerhin das Nötigste an Bord nehmen.

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Alle weg
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Wenn der Pilot die Höchstgeschwindigkeit erreichen will, gibt es für den oder die Copilot(in) ein wenig Arbeit: Erst müssen Tonneau Cover auf der Beifahrerseite eingesetzt und der Windabweiser mit dem Bordwerkzeug entfernt werden - dann sollte man vielleicht noch nach einer geeigneten Strecke suchen.

Wer jetzt schaut, ob er den Silberpfeil noch im persönlichen Finanzplan für 2009 unterbringen kann, muss sich beeilen – laut Daimler sind schon fast alle der 75 Exemplare vorbestellt. Außerdem geht mit dem 750.000 Euro teuren Supersportler die SLR-Epoche zu Ende: Es wird der letzte Wagen der Reihe.

Einen Neuanfang wagt Mercedes dafür mit der B-Klasse. Die seriennahe Studie BlueZero ist ein Ausblick auf den Nachfolger der aktuellen B-Klasse und auf alternative Antriebe. Der BlueZero E-Cell soll 2010 in einer Kleinserie auf die Straße rollen und hat einen batterie-elektrischen Antrieb. Mit Batteriekraft kündigt Mercedes eine Reichweite von 200 Kilometern an.

Der BlueZero E-Cell Plus hat wie der Chevrolet Volt oder das Schweizer Elektroauto Mindset zusätzlich einen Benzinmotor als Stromerzeuger an Bord. Damit soll die Reichweite auf bis zu 600 Kilometer steigen. Drittes Modell im elektrischen Reigen ist der F-Cell mit Brennstoffzellenbetrieb. Auch er soll als Kleinserie auf den Markt kommen und zwar schon 2009.

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Zwei Stunden für 100 Kilometer
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Erleichtert wird der Einbau der neuen Antriebe durch die Sandwich-Bauweise der B-Klasse. Alle elektrischen B-Klassen sind mit Frontantrieb unterwegs und haben einen maximal 100 kW starken Elektromotor mit einer Dauerleistung von 70 kW. Die flüssigkeitsgekühlten Lithium-Ionen-Akkus sollen über eine Speicherkapazität von bis zu 35 Kilowattstunden verfügen. Die Beschleunigung von 0 auf 100 km/h soll bei etwas unter 11 Sekunden liegen, die Höchstgeschwindigkeit ist zugunsten der Energieausbeute und Reichweite auf 150 km/h begrenzt.

Abhängig von der Ladeleistung der Strom-Zapfstation soll der E-Cell für eine rein elektrische Reichweite von 100 Kilometern ein bis zwei Stunden an der Ladung hängen. Letzteres gelte für eine haushaltsübliche Ladeleistung von 7 kW, so Mercedes.

Im E-Cell und E-Cell Plus sei eine Elektronik vorgesehen, die intelligente Ladestationen und Abrechnungssysteme unterstütze. Den Range Extender im Heck des E-Cell Plus holt sich Mercedes von Smart: Der Einliter-Turbobenziner mit drei Zylindern und einer Leistung von 50 kW bei konstant 3500 Umdrehungen pro Minute lädt über einen Generator die Akkus während der Fahrt nach. Mit einer Tankfüllung kommt die elektrische E-Klasse laut Mercedes 600 Kilometer weit. Durch die Kooperation mit dem Konzern Evonik Industries will Daimler die Produktion und Entwicklung von Akkuzellen vorantreiben.

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Text:  Eine eMail an Sebastian Viehmann schicken Auf Artikel linken
Fotos: Viehmann
Ort: Detroit

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