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Reportage  Reportage: Traumberuf Icemaker

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Mattias Jonsson legt die Hand aufs Eis. Nacht für Nacht zieht es ihn auf die gigantischen Eisflächen rund um das nordschwedische Arjeplog. Ohne ihn geht am Polarkreis nichts. Mattias Jonsson ist Icemaker.

 
 Icemaker
  
 Icemaker  - Foto: Hersteller  Icemaker - Foto: Grundhoff  Icemaker - Foto: Grundhoff  Icemaker - Foto: Grundhoff  Icemaker - Foto: Hersteller  Icemaker - Foto: Hersteller

"Ich habe schon vieles gemacht. Früher war ich unter anderem einmal Testfahrer für Volkswagen und dann eine ganze Zeit Computerexperte in Stockholm", erzählt Mattias Jonsson. "Doch seit drei Jahren mache ich Eis. Das macht mehr Spaß."

Sein Job hat nichts mit Gino Ginelli, der Eisdiele um die Ecke oder einem Flutschfinger zu tun. Seine Kunden sind die Autoindustrie und das bereits seit fast 35 Jahren. Seit 1973 präpariert die Firma "Icemaker" im Winter die zugefrorenen Seen der Region Arjeplog. Nahezu alle Autohersteller testen hier zwischen Dezember und März ihre geheimen Prototypen. Doch ohne Mattias oder seinen Kollegen Lars Sundström würde die Autoentwicklung in den nördlichsten Regionen Europas stocken.

"Wir gehen jeden Abend spätestens um 9 Uhr ins Bett", sagt Jonsson. "Schließlich beginnt unsere Arbeit nachts um vier. Wir haben dann bis acht Uhr Zeit, die Eisflächen im Testdreieck zwischen Arjeplog, Arvidsjaur und Slagnäs in Form zu bringen."

Die Stimmung auf dem Eissee östlich von Arjeplog ist gespenstisch. Die Nacht ist schwarz. Unter den Füßen knirscht der Schnee und in der Ferne scheint ein gewaltiger Staubsauger zu heulen. Aus der Entfernung gräbt sich ein undefinierbarer Lichtkegel heran. Das Grollen und Heulen wird immer lauter, das schneeummantelte Ungetüm ist ein betagter blauer Deutz-Laster.

Seine gigantische Schneefräse gleicht einem gefährlichen Schlund. Mit gewaltigem Druck jagt das Ungetüm den Schnee durch die Schlote. Angetrieben wird der Deutz von einem 200 PS starken Sechszylinder-Diesel. Der Fräse langt das nicht. Sie schöpft ihre Leistung aus einem zusätzlichen 470 PS starken V12-Triebwerk im Rücken des Lasters.

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Schneebesen
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Angefangen hatte alles im Jahre 1973. "Es gab Firmen, die im 500 Kilometer nördlich gelegenen Kiruna getestet haben und denen bei einem Tankstopp die Landebahn auf einer Eisfläche auffiel", erinnert sich Bürgermeister Bengt-Urban Fransson.

David Sundström, 85jähriges Urgestein, ist der Vater der "Icemakers". "Bosch und Opel waren damals die ersten, die zum Testen hierhin kamen", erzählt er. "Als Schnee fiel, wollten sie eine glatte Eisfläche für ihre Fahrtests haben. Dafür haben wir dann gesorgt. Mündlich abgesprochen – das war's.“ Hatten die Opelaner zunächst noch eigenhändig zum Besen gegriffen, lieh sich Sundström von dem schwedischen Autohersteller Saab, der ein paar Seen weiter testete, einen Großbesen aus, der von einem Traktor gezogen werden konnte.

Der Rest ist Legende. "Nach ein paar Jahren wurden die Ansprüche größer und wie fingen an, das Eis mit Maschinen professionell zu polieren", erzählt Sundström. "Anfangs hatten wir pro Jahr 16.000 Kronen – heute ist das ganze ein Millionengeschäft."

18 Jahre hatten die Icemaker in Arjeplog keine Konkurrenz. Mittlerweile kämpfen drei Firmen um Gunst und Aufträge der 18 Firmen, die in Arjeplog testen.

Davon merkt man zunächst einmal wenig, wenn man bei minus 20 Grad Celsius auf der düsteren Eisfläche steht und betagte Großmaschinen an einem vorbeidröhnen. "Da die echte Saison nur drei Monate dauert, lohnt es nicht, dass wir uns neue Maschinen anschaffen", arbumentiert Mattias Jonsson. "Eine neue Schneefräse kostet mindestens 150.000 Euro und wir brauchen schließlich eine ganze Reihe von Geräten."

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Vier Stunden pro Nacht
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Wenn es nachts nicht geschneit hat, sind die mächtigen Eisflächen mit Kreisbahn, Slalomparcours und Dynamikstrecke in den vorgesehenen vier Stunden von zwei bis drei Personen zu schaffen. Neben der 20 Tonnen schweren Schneefräse werden auch Gebläse, Poliermaschinen, Schneeräumer und Bodenfräsen eingesetzt.

"Die Leute von BMW haben meist die höchsten Ansprüche an das Eis", erzählt Lars Sundström, Enkel des Firmengründers. "Ihnen sind die perfekten Bedingungen der einzelnen Eisflächen besonders wichtig. Die Asiaten zum Beispiel haben bei weitem nicht derart feste Vorstellungen. Man kann sagen, dass ein Kilometer präparierte Piste auf einem Eissee ungefähr 15.000 Euro pro Saison kostet."

Die Eissaison am Polarkreis beginnt Mitte November. Dann schließen sich die ersten Seen. Täglich wird mit Bohrer oder Spezialradar die Dicke der Eisschicht gemessen. Für die Icemaker kein ungefährlicher Job. Bis die entsprechende Sicherheit gegeben ist, wagt man sich daher nur mit Rettungsleiter, Sauerstoffkapsel und Schwimmweste auf das glatte Eis.

Kommen Anfang Januar die Autotester, so haben die meisten Seen rund um Arjeplog eine Eisdicke von knapp 60 Zentimetern. Täglich wird die Fläche aus einer Mischung von Eis, Wasser und Schnee verdichtet. "In den 35 Jahren, in denen wir das Eis präparieren, sind fünf oder sechs unserer Fahrzeuge eingebrochen", erinnert sich David Sundström. "Aber wir haben alle wieder geborgen und passiert ist auch keinem etwas."

Wenn die Saison beendet ist, gehen die Icemaker ebenso wie die ganze Region in den Sommerschlaf. Einige arbeiten in größeren Städten, andere bleiben bei Straßenbauunternehmen zumindest in der Branche. Bis der nächste Winter kommt. Dann bekommen BMW, Mercedes, Toyota und Co wieder frisches Eis – in einer gigantischen Tiefkühltruhe.

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Fotos: Hersteller

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