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Reportage  Reportage: Genfer Salon 2007

Genfer Spielwiese



Nicht jedes Auto, das in den Genfer Messehallen in seinem Glanz erstrahlt, wird es so auch zu kaufen geben. Studien und Concept Cars sollen vor allem Blickfang sein, neue Konzepte vorstellen - und Reaktionen testen.

 
 Genfer Salon 2007
  
 Genfer Salon 2007  - Foto: Wolff  Genfer Salon 2007 - Foto: Wolff  Genfer Salon 2007 - Foto: Wolff  Genfer Salon 2007 - Foto: Wolff  Genfer Salon 2007 - Foto: Wolff  Genfer Salon 2007 - Foto: Wolff

Wer glaubt, ein Maybach, Ferrari oder Rolls Royce seien die teuersten Autos auf den Messeständen, der irrt gewaltig. Richtig teuer können die Exponate werden, die sich meist gut abgeschirmt auf einer Scheibe drehen und im normalen Straßenverkehr oft nicht mal mit einem mittelprächtig trainierten Fahrradfahrer mithalten könnten. Studien sind Einzelstücke, handgearbeitet aus seltenen Materialien, meist nur in Maßen fahrbereit - und mitunter Millionen wert. Kaum eine von ihnen wird je in Serie gehen und schafft es vielleicht nicht einmal ins firmeneigene Museum. Aber ein paar von ihnen sind fast schon fertig für die Straße und sollen - so sich genügend Interessenten finden, so auch in Kleinserie gehen.

Der Stola gehört dazu. Den Zweisitzer hat der italienische Prototypen-Bauer aus übrig gebliebenen Baumustern des Maybach Exelero gebaut und mit einer eigenen Note veredelt. Geplant ist zumindest eine Kleinstserie. Stückpreis: knapp zwei Millionen Euro. Ähnlich die Hoffnungen bei Russo Baltique, einer vor 100 Jahren gegründeten und in den Wirren der Oktoberrevolution dann untergegangenen russischen Automarke, die jetzt wiedererweckt wurde. Das lang gestreckte barocke Luxuscoupé mit dem russischen Doppeladler als Logo auf der Haube und überwiegend deutscher Technik darunter, wird wohl auf einen Stückpreis von 1,5 Millionen Euro kommen, wenn er in einem Jahr gebaut wird. Dafür bekommt er immerhin einen Maybach-Motor mit knapp zwei Tonnen edelstem Auto drum herum, das laut Prospekt in vier Sekunden von 0 auf 100 km/h beschleunigt und bis zu 314 km/h schnell sein soll.

Weniger für den Verkauf über die Ladentheke gedacht sind dagegen Studien wie der HED-4 Qarmaq von Hyundai. Das SUV-Coupé soll vor allem die technische Kompetenz der Koreaner unterstreichen. Denn mehr noch als die Form ist bei ihm die Materialtechnik bemerkenswert. Die Studie entstand in Zusammenarbeit mit GE-Plastics und setzt auf konsequenten Leichtbau. Die wie bei einer Pilotenkanzel weit herunter gezogene Windschutzscheibe besteht ebenso wie die durchsichtigen Teile der Seitentüren aus Lexan. Das ist im Vergleich zu herkömmlichem Glas nur halb so schwer, aber besonders kratz- und korrosionsfest.

In die Kategorie "Gewöhnen wir schon mal an eine neue Formensprache" gehört die sportliche Studie GTC Concept auf dem Opel-Stand. Wer genau hinschaut, der kann sogar den Entwurf für ein neues Markenlogo an der Front entdecken: der Blitz in einer breiteren Umrandung, die nun den Opel-Schriftzug trägt. Fast fünf Meter lang ist die Studie mit ihrer aggressiven Frontpartie, die von einem großen, trapezförmigen Grill und eigenwillig geformten LED-Leuchteinheiten dominiert wird. Angetrieben wird der Studien-Opel von einem 300 PS-starken 2,8-Liter-V6-Turbo-Benziner. Wie es bei Opel mit dem Innenraum-Design weitergehen könnte, lässt sich am GTC auch schon erahnen: hochflexibel und emotional. Der obere Teil des Cockpits reicht in einer geschwungenen Linie nun von Tür zu Tür. Die Mittelkonsole scheint zu schweben und soll an teure Audio-Geräte erinnern. Ziel des Ganzen: Geborgenheit vermitteln.

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Keine Garantie auf Realisierung
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Seriennäher sind da Concept Cars wie die SUV-Studie von Seat: der Freetrack. Der matt-schneeweiße Eyecatcher basiert technisch auf dem Minivan Altea XL, hat aber 31 Zentimeter mehr Bodenfreiheit und Unterbodenschutz vorne. Dazu kommt Kunststoffbeplankung an den Seiten und ein Ersatzrad am Heck. Heia Safari. Für den Vortrieb könnte ein 2,0-Liter TFSI-Motor aus dem Leon Cupra sorgen, dessen Kraft an alle vier Räder übertragen wird. Auch hier gilt: Kein Preis, keine Garantie auf Realisierung.

Das Thema Klimaschutz schlägt natürlich auch in die Design-Abteilungen durch - vor allem bei den Hybridpionieren Toyota und Honda. Leuchtend blau sticht am rot-weißen Toyotastand der Hybrid X ins Auge. Er dient den Japanern vor allem als Technologieträger für künftige Hybridmodelle und wurde in Toyotas südfranzösischem Designzentrum entwickelt. Die gegenläufig öffnende Türen dürften kaum serientauglich sein. Und ob der Innenraum mit den diversen Displays und den Formschaumstoffsitzen so jemals kommen wird, ist auch höchst fraglich.

Gleiches gilt für Hondas "Small Hybrid Sports"-Studie. Das zweitürige Coupé aus Hondas Design-Zentrum in Offenbach fällt von außen vor allem durch die fast ausschließlich geschwungenen Formen aus - selbst das Glasdach ist gewölbt. Angetrieben wird die Studie vom hauseigenen IMA-4-Zylinder-Benzin-Elektrik-System und einem stufenlosen Getriebe. Gleich daneben steht der FCX Concept als Familienlimousine mit Brennstoffzellenantrieb - 570 km Reichweite soll er haben, bei 160 km/h wird abgeregelt. Diese Studie wird mit ziemlicher Sicherheit keine Studie bleiben - inklusive der Antriebstechnik. Ab nächstem Jahr sollen die ersten Modelle des FCX aus der Serienfertigung ausgeliefert werden. Allerdings nur an Kunden in Japan und den USA.

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Schön. Schön unverbindlich
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Studien sind in Genf aber auch auf Messeständen zu finden, auf denen man sie erst einmal nicht vermutet hätte. Bei Lada zum Beispiel. Sie erinnern sich? Die Russen konnten zuletzt nur noch mit dem Dauerbrenner Niva glänzen - alle anderen Modelle der Marke waren im Westen nahezu unverkäuflich. Jetzt versuchen es die Russen mit einem neuen Anlauf. Die Studie C entpuppt sich als durchaus ansehnliches modernes Auto mit neuer Technik. Die Plattform des Dreitürers wurde zusammen mit Magna entwickelt und soll künftige Modellgenerationen als neue Basis dienen.

Auch der größte indische Hersteller Tata ist wieder mit einer Studie vertreten. Auf dem Tata-Stand dreht sich die Mittelklasse-Limousine Eleganté. Er ist der größte Pkw, den Tata zu bieten hat - und er erinnert mit dem schmalen Leuchtband am Heck auf den ersten Blick sehr an den Lancia Thesis. Sehenswert auch die Front mit den schmalen Scheinwerfern. Ob er in Serie geht und wie viel er dann wohl kosten dürfte, darüber schweigen sich die Inder noch aus.

Das ist das Schöne an den schönen Studien: Sie sind so schön unverbindlich.

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Fotos: Wolff

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