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24-Stunden-Rennen Nürburgring  Reportage: 24-h-Rennen Nürburgring

Festival der Ringe



Das 24-Stunden-Rennen am Nürburgring ist mehr als Motorsport, Vollgas und Fanfestival. Teams und Hersteller werden immer professioneller. Der Nürburgring aber sollte sich dringend neu erfinden.

 
 24-h-Rennen Nürburgring
  
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Einfach war ein Sieg bei den 24 Stunden am Nürburgring noch nie. Da gab es einst Dauertriumphe von Porsche-Mann Olaf Manthey, zum Jahrtausendwechsel die unvergessene Zakspeed-Viper und Glückstreffer wie der Überraschungssieg des Opel Astra V8 im Jahre 2003. Das Rennen selbst ist eines der härtesten seiner Art. Schon wer im Ziel ankommt, kann sich - völlig unabhängig vom Ergebnis - als Sieger fühlen.

Motorsportlich ist der Klassiker seit ein paar Jahren nicht wieder zu erkennen. Immer mehr Teams starten beim 24-Stunden-Rennen mit finanz- und personalreicher Werksunterstützung und nahezu einjähriger Vorbereitung durch die VLN-Rennserie. Ingenieure mit Notebooks etwa stürzen auf den Mercedes SLS zu, als der zum Boxenstopp einfährt. Die neusten Daten werden ausgelesen, Spoiler verstellt, die Reifentemperatur gemessen. F1-Niveau? Fast. Bei Herstellern wie BMW, Aston Martin, Nissan, McLaren, Porsche und Audi sieht es kaum anders aus. Dazu kommt eine schier unüberschaubar große Zahl von Privatteams, die mit ihren Boliden den Rahmen bilden.

Am Ring zu gewinnen, das ist ein laut vernehmbares Ausrufezeichen, das durch die gesamte Motorsportszene donnert. In Japan wird das Rennen dabei genauso verfolgt wie in den USA oder Südamerika - selbst während der diesjährigen Fußball-WM. Die Fans lieben das Ereignis, das dieses Jahr zum 42. Mal Leben in die Abgeschiedenheit der Eifel brachte. Tausende von Zuschauern kommen eine knappe Woche an die Nürburg, um eine Mischung aus Motorsport, Brumm-Brumm-Happening, lautstarker Grillorgie und wildem Markenbekenntnis im Kreise von Gleichgesinnten zu erleben.

Die einzelnen Teams investieren längst Millionen, um am Ring zu glänzen. Doch die Fans halten sich immer mehr zurück. Man muss nicht einmal genau hinschauen um zu sehen, dass die kunterbunten Fanhügel in den legendären Streckenbereichen Breitscheid, Karussell, Metzgesfeld oder Quiddelbacher Höhe mittlerweile etwas luftiger befüllt sind als noch vor ein paar Jahren.

24-Stunden-Rennen Nürburgring, Reportage
Bei aller anhaltenden Begeisterung ist der Event selbst in die Jahre gekommen
24-Stunden-Rennen Nürburgring, Reportage

Während die 24 Stunden von Le Mans immer neue Besucherrekorde vermelden und die Aufmerksamkeit in vielen Bereichen längst der Formel-1 den Rang abgelaufen hat, dümpelt der Nürburgring mit dem größten Breiten-Motorsportevent der Welt vor sich hin. Dabei kommt man nirgends so nahe in die Boxen wie hier, kann Technikern beim Reifenwechsel zuschauen oder verfolgen, wie der Lexus LF-A wieder rennfit gemacht wird oder der BMW Z4 GT3 zu seiner Aufholjagd aufbricht.

Bei aller anhaltenden Begeisterung ist der Event selbst in die Jahre gekommen. Und er bedarf einer grundlegenden Überarbeitung. Das gilt einmal mehr für die Pleite gegangene Rennstrecke. Denn mit dem wortreichen Streckenfunk, der gerade einmal bis 22 Uhr Informationen aus den Lautsprechern rund um den 25 Kilometer langen Kurs dudelt, kann es nicht länger getan sein. Was fehlt, sind informative Großdisplays, die an zentralen Stellen das Renngeschehen zu den Fans in ihren Zeltstädten bringen. Dazu Ergebnisse, Analysen und Interviews.

Dem erhöhten Professionalisierungsgrad der Teams mit Material, Hightech, Monteuren und Technikern ist nicht nur die Boxengasse längst nicht mehr gewachsen. So mehren sich auch an den Streckenabschnitten Wehrseifen oder Brünnchen immer mehr kritische Stimmen, dass der Event zwar einer der Motorsporthöhepunkte des Jahres bleibe - aber langsam mal was für die Fans getan werden müsse. Sonst wäre man vor dem heimischen Fernseher besser aufgehoben.

Die Fahrer stört das erst einmal wenig. Sie sind sich insbesondere in den Topteams dem gestiegenen Imagewert bewusst. Entsprechend sind die Rundenzeiten, die BMW Z4, Audi R8, Mercedes SLS, McLaren MC12 oder Aston Martin Vantage bereits kurz nach dem Start in die Zwischenlisten brennen.

24-Stunden-Rennen Nürburgring, Reportage
Letztlich sicherte sich Audi nach den 24 Stunden von Le Mans den zweiten 24-Stunden-Sieg innerhalb einer Woche
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Immer mehr Piloten sind über die Gangart im Rennen verärgert. "Das wird in Lücken gefahren und überholt, wo es keine Möglichkeit gibt", grummelt einer der Audi-TT-Piloten als er seinen Boliden vor der Nacht an den Teamkollegen übergibt und die wortreichen Kommentare der Streckensprecher gefühlt zum 1000. Mal den Begriff Sprintrennen bemühen - wie jedes Jahr.

Letztlich sicherte sich Audi nach den 24 Stunden von Le Mans den zweiten 24-Stunden-Sieg innerhalb einer Woche. Denn auch auf dem diesmal sonnigen Eifelgeschlängel konnte sich eines der Audi-Teams gegen die starke Konkurrenz durchsetzen. Der Audi R8 LMS Ultra siegte mit der Besetzung Haase/Mamerow/Rast/Winkelhock mit 159 Rennrunden vor dem Mercedes-SLS-Doppelpack mit den Piloten Bleekemolen/Simonsen/Menzel/Arnold und Zehe/Hohenadel/Bastian/Engel. Erstmals legte ein Team während der 24 Stunden mehr als 4.000 Kilometer zurück.

Während sich der einzige konkurrenzfähige Porsche des Falken-Teams (Henzler/Dumbreck/Ragginger/Imperatori) noch auf Platz vier vorkämpfen konnte, fiel der letzte im Rennen verbliebene BMW Z4 GT3 (Klingmann/Baumann/Hürtgen/Tomczyk) sogar noch auf Platz sechs hinter den Aston Martin Vantage in der Besetzung Mücke/Turner/Lamy zurück. Die furiose Trainingsbestzeit von Kevin Estre auf dem McLaren MP4-12C GT3 mit der Startnummer 66 in 8,10 Minuten verpuffte am Renntag: Beide McLaren fielen im Rennen früh aus.

Fest steht nach der 42. Auflage, dass auch im Reglement etwas passieren muss. Denn die Leistungsunterschiede der Topteams, in denen Spitzen-/Werksfahrer aus DTM, Le-Mans-Serie oder anderen internationalen Tourenwagenserien in ihren über 500 PS starken Boliden unterwegs sind, zu denen, die auf eigene Kappe im kleinen Privatteam einen Renault Clio oder Mazda MX-5 bewegen, sind zu groß. "Die ersten 30 im Klassement fahren nicht, wenn die anderen hundert nicht auch fahren", bringt ein Pilot aus dem vergangenen Jahr es auf den Punkt.

24-Stunden-Rennen Nürburgring
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Fotos: Hersteller 24-Stunden-Rennen Nürburgring http://goo.gl/vHx2oh
Ort: Nürburgring

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