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Opel Agila 1.2 16V  Praxistest: Opel Agila 1.2 16V

Kugelblitz im Quadrat



Irgendwie kommt einem der Opel Agila verdächtig bekannt vor. Aber nicht aus Rüsselsheim. Richtig: Der kleine Flitzer mit dem Blitz im Logo ist weitgehend baugleich mit dem Wagon R+ von Suzuki. Und, Überraschung, er ist ein richtiges Auto.

 
Opel Agila 1.2 16V
  
Opel Agila 1.2 16V - Foto: Wolff Opel Agila 1.2 16V- Foto: Wolff Opel Agila 1.2 16V- Foto: Wolff Opel Agila 1.2 16V- Foto: Hersteller Opel Agila 1.2 16V- Foto: Wolff Opel Agila 1.2 16V- Foto: Wolff
Opel Agila 1.2 16V
Opel Agila 1.2 16V
Opel Agila 1.2 16V
Opel Agila 1.2 16V
Opel Agila 1.2 16V
[+] Viel Platz innen, gute Übersicht, gute Verarbeitung, großer Laderaum, ordentliche Motorisierung
[-] Wenig komfortable Federung, kleines handschuhfach, Sitze mit zu wenig Seitenhalt

Auf den ersten Blick überwiegt die Skepsis: Das soll ein vollwertiges Auto sein? Und unwillkührlich sucht man am Heck nach dem Tempo-20-Schild. Der kleine Opel mag für gelegentliche Ausflüge zum Einkaufszentrum taugen. Aber alles über die Stadtgrenze hinaus - das doch bitte mit einem richtigen Auto. So kann man sich täuschen, wenn man liebgewordene Vorurteilen pflegt. Der Agila taugt sehr wohl zum Alltagsauto. Und auch für Touren durch die halbe Republik. Von Stuttgart nach Leipzig und zurück? Sicher nicht so bequem wie in der S-Klasse. Aber ohne jeden Hauch von Masochismus machbar - und zu Kosten, mit denen man die S-Klasse gerade mal zum Einkaufszentrum und zurück chauffiert.

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Kleiner Großer
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Klein ist der Agila vor allem außen. Gerade mal 3,5 Meter Auto sind zwischen den Stoßfängern zu finden. Aber die sind bestens ausgenutzt. Gleich hinter der Motorhaube steigt die Frontscheibe relativ steil an - und es beginnt eine Fahrgastzelle, die bis hinter die weit außen plazierten Heckräder reicht. Quadratisch, praktisch - und geräumig. Das mit der "flotten Kiste" war zwar die italienische Konkurrenz - aber auf den Agila trifft die Bezeichnung gleichfalls zu.

Die großen und geraden Vordertüren öffnen sich weit und geben dank der hochgebauten Karosserie einen bequemen Einstieg frei. Etwas nervig nur die Sitte, die sich der Agila mit anderen Autos teilt: Um alle Türen per Fernbedienung zu öffnen, muss man den Knopf am Schlüssel mehrfach drücken. Selbst auf die hinteren Plätze gelangt man dann aber ohne viel Verrenkungen - zumindest, wenn die Vordersitze nicht ganz nach hinten geschoben sind. Sonst ist ein wenig Einfädeln angesagt. Die Sitzposition ist - der Agila läuft als Mini-Van - etwas erhöht und bietet eine entsprechend gute Übersicht. Selbst mit über 1,80 Meter Körpergröße sitzt man dank der guten Längsverstellbarkeit der Sitze noch durchaus bequem. Die Sitze sind straff gefedert, geben aber zu wenig Seitenhalt. Das Raumgefühl, das der Agila vorne und hinten vermittelt, ist sehr großzügig. Vor allem die Kopffreiheit ist dank der Innenhöhe sehr beachtlich. Die Sicht nach hinten macht ebenfalls keine Probleme - dank der relativ großen Außenspiegel und der absenkbaren Kopfstützen auf der Rückbank.

Das Innenleben des Agila ist, was die Materialien und Stoffe betrifft, etwas höherwertig als beim Brüderchen aus Fernost. Klar: Wurzelholz-Blenden sucht man hier natürlich vergebens - aber schließlich sind wir hier in einem Auto der 10.000-Euro-Klasse. Doch auch in dieser Liga gibt es Plastik und Plastik - das im Agila macht einen durchaus ordentlichen Eindruck. Die Verarbeitung ist auf dem gleichen hohen Niveau. Nichts wackelt, nichts klappert und die Spaltmaße sind durchweg gleichmäßig. Schalter und Instrumente sind sinnvoll und völlig ausreichend, ihre Anordnung übersichtlich und ebenso gut erreich- wie ablesbar. Zahlreiche sinnvolle Staufächer und Ablagen runden den positiven Eindruck ab. Nur das Handschuhfach selbst ist ein wenig arg mickrig ausgefallen.

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Und tschüss, ihr Vorurteile
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Der Gepäckraum eignet sich naturgemäß nur bedingt für eine ausgedehnte Einkaufstour zu Ikea. Aber zumindest alles, auf das man nicht dort an der Warenausgabe warten muss, sollte reinpassen. Bei normaler Bestuhlung liegt das Laderaum-Volumen bei 230 Litern - was viel ist in dieser Fahrzeugklasse. Bei umgeklappten Rücksitzlehnen sind bis zur Fensterunterkannte 565 Liter unterzubringen. Dazu kommt noch der Luftraum Kante aufwärts. Auf dem Weg nach Leipzig jedenfalls reichte es reichlich für das Gepäck mehrerer Tage. Ein wenig unpraktisch dabei: Wer mit Fracht an das Reserverad muss, darf erst mal auspacken. Und: Die Gurtbefestigung hinten im Dachbereich nervt gelegentlich beim Beladen mit etwas sperrigeren Gütern. Und sperrige Güter bekommt man dank des glatten, quadratisch ebenen Laderaumes ansonsten gut unter.

Damit ist schon mal ein Teil der Vorurteile abgeräumt. Nun kommt der Rest dran. Überschrift: "Richtig fahren kann man damit ja wohl nicht." Doch. Man kann.

Selbst, wenn man wie wir vom sicher nicht flachbrüstigen Audi S6 auf den Agila umgestiegen ist. Fangen wir mit dem Fahrwerk an. Das ist, wie bei Fahrzeugen dieser Klasse mittlerweile üblich, eher straff abgestimmt. Das widerum sorgt für einen Federungskomfort, der oft gerade noch so geht, der aber auch durchaus flottes Fahren möglich macht. Wenn er Schlaglochpisten meistern soll, dann motzt der Agila schnell rum und gibt seinen Ärger ziemlich holprig an die Insassen weiter, die ihn über solche Straßen treiben.

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Die durchaus gefühlvolle Lenkung ist leichtgängig und macht den Agila vor allem in der Stadt sehr handlich. Das Fahrwerk selbst ist für diese Fahrzeugklasse vielleicht nicht Spitzenklasse - aber sehr ordentlich. Ohne Gegenlenken läuft der Agila brav geradeaus. Wegen der hohen und glatten Seitenflächen bringen ihn Windböen allerdings relativ schnell aus der Bahn. Nichts aber, was man mit einer kleinen Handbewegung nicht wieder korrigieren könnte. Wenn es flott in die Kurve geht, untersteuert der Agila etwas - auch das ist selbst für ungeübte Fahrer kein Problem. Dem hohen Aufbau geschuldet ist die Neigung zur gelegentlich durchaus kräftigen Seitenneigung. Ins Schwitzen kommen Agila-Fahrer allerdings nur, wenn ihnen aufgrund des Fahrstils ohnehin schon der Führerschein abgenommen gehört. Bei diesem Fahrstil merken sie auch, dass die Bremsen zwar gut dosierbar sind, aber nicht unbedingt zu den griffigsten ihrer Klasse gehören.

Bleibt noch das Thema Motorisierung. Nun - mit durchaus etwas Anerkennung müssen wir zugestehen: Wenn man nicht gerade als Aussendienstler seine 50.000 Kilometer im Jahr runterreißt, sollte man mit dem Agila im Alltag selbst dann klarkommen, wenn man ihn als einziges Auto fährt. Die 55 kW/75 PS des 1,2-Liter-Motors haben immer gut gereicht, um im Verkehrsstrom mitzuschwimmen und flott voran zu kommen. Auch nach Leipzig. Mag sein, dass wir es im S6 15 Minuten schneller geschafft hätten - aber dafür sicher mit mehr Benzin- und Adrenalinverbrauch. So, wie tagsüber auf deutschen Autobahnen gefahren wird, ist selbst der 1,2-Liter-Agila gut genug motorisiert, um ohne Scham mithalten zu können. Der Verbrauch dabei liegt bei knapp acht Litern Super auf 100 Kilometern. Gewagte Überholmanöver sind zwar angesichts eines maximalen Drehmoments von 110 U/min. und einer Beschleunigung von 13,5 Sekunden im Spurt von 0 auf 100 km/h nicht unbedingt empfehlenswert.

Aber wer ein Auto mit einem Basispreis von knapp 11.000 Euro kauft, hat ohnehin andere Prioritäten.

Opel Agila 1.2 16V
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Fotos: Wolff

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