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Zubehoer  Zubehör: Babyschalen

Lieber länger rückwärts



Nicht nur Babys – auch Kinder bis zum Alter von drei bis vier Jahren sollten nur rückwärts im Auto mitfahren. Crashtests und Unfallanalysen zeigen: Die Gegenfahrtrichtung ist sicherer für die fragilen Passagiere.

 
 Babyschalen
  
 Babyschalen  - Foto: Hersteller  Babyschalen - Foto: Hersteller  Babyschalen - Foto: Hersteller  Babyschalen - Foto: Hersteller  Babyschalen - Foto: Hersteller  Babyschalen - Foto: Hersteller

Eine alltägliche Situation: Auf der Landstraße herrscht normaler Verkehr. Die Fahrbahn ist trocken, die Sicht gut. Die Fahrerin des Volvo S80 biegt links ab – übersieht dabei aber das Fahrzeug gleichen Typs, das ihr entgegenkommt. Mit 65 km/h prallt der zweite S80 auf das abbiegende Auto, das sich zu diesem Zeitpunkt mit Tempo 25 bewegt. Ein brutaler, dumpfer Knall. Ein Scheppern, das durch Mark und Bein geht. Sekundenbruchteile nur - dann ist alles vorbei. Kabel und Motorenteile hängen aus den klaffenden Blechwunden beider Karossen.

Für die Insassen aber hat der Unfall ein Happy End. Keiner der vier Erwachsenen und keines der vier Kinder hat ernsthafte Verletzungen erlitten - erkennen die Experten im Göteborger Crash-Labor von Volvo Cars. Was mit den Passagieren – acht Crashtest-Dummys - passiert ist, sehen sie an den Daten, die von den Sensoren an und in den Testpuppen übermittelt wurden.

Beide Dummy-Familien waren offensichtlich optimal geschützt. Die "Erwachsenen" durch Dreipunktgurte und Airbags. Die älteren "Kinder" – sechs und zehn Jahre alt – waren mit Dreipunktgurten und zur Körpergröße passenden Kindersitzen gesichert. Dummy-Baby, dessen Statur der eines neun Monate alten Säuglings entspricht, und Dummy–Kleinkind, das den "Körper" eines Dreijährigen hat, überlebten den Frontalaufprall in Schalensitzen, die entgegen der Fahrtrichtung auf der Rückbank montiert waren.

Für Volvos Sicherheitsexperten ist die Rückwärts-Position ein wesentlicher Faktor, wenn es um den Schutz der jüngsten Passagiere geht. Computersimulationen und die Auswertung der Crashtest-Fotosequenzen zeigen, warum.

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Kinder sind anders
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Beim Frontalaufprall werden die kleinen Rückwärtsfahrer zunächst in den Sitz gepresst. Die enormen Kräfte der Aufprallwucht verteilen sich gleichmäßig auf Kopf und Oberkörper. Erst danach werden Kopf und Oberkörper nach vorn gepresst. In der Regel geschieht das bereits mit abgeschwächter Kraft.

Bei den Autoinsassen, die in Fahrtrichtung sitzen, sieht der Bewegungsablauf anders aus: Kommt es zum Frontalaufprall, wird der Oberkörper vom Sicherheitsgurt an die Rücklehne gepresst. Gleichzeitig fällt der Kopf nach vorne auf die Brust. Gerade für Säuglinge und Kleinkinder ist diese abrupte Gegenbewegung von Rumpf und Kopf extrem gefährlich. Das Risiko, dabei schwere und tödliche Verletzungen zu erleiden, ist erheblich höher als bei älteren Kindern oder Erwachsenen.

Grund dafür sind die Besonderheiten der kindlichen Anatomie, erläutert Lena Franzen, Kinderärztin des "Königin Silvia Krankenhauses" in Göteborg, die Volvos Sicherheitsforschung begleitet. "Kinder sind eben keine Erwachsenen im Miniformat. Ihr Körper hat ganz andere Proportionen als der Körper eines Jugendlichen oder eines Erwachsenen.

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Keine neue Entdeckung
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Im Verhältnis zum Körper haben Kinder einen viel größeren und schwereren Kopf. Je jünger sie sind, desto größer ist der Unterschied. So macht das Kopfgewicht bei Neugeborenen rund die Hälfte des gesamten Körpergewichts aus. Beim Erwachsenen dagegen nur noch sechs Prozent. Und diesen "überdimensionierten" Kopf tragen Babys und Kleinkindern zudem auf einem schwächlichen Hals. Das Skelett ist noch weich. Wirbel, Muskeln und Bänder müssen ihre Stützfunktion im Laufe der Jahre erst noch entwickeln.

Dieser Sachverhalt und die damit verbundenen Gefahren beim Babytransport sind keine neue Entdeckung aus dem Volvo Labor. Für die jüngsten Passagiere sind Babyschalen, die gegen die Fahrtrichtung montiert werden, längst die Norm. Doch diesen Kindersitzen der ECE-Gruppe 0 sind die Kleinen schon entwachsen, wenn sie neun Kilo auf die Waage bringen.

Viel zu früh meint auch die Stiftung Warentest: "Wir empfehlen heute nur noch Babyschalen der Gruppe 0+, die für Kinder bis 13 Kilo geeignet sind", sagt Jürgen Tewes, Kindersitzexperte bei den Warentestern. "Diesen Zeitpunkt sollten Eltern unbedingt abwarten. Viele setzen ihre Kinder viel zu schnell in den größeren, in Fahrtrichtung montierten Sitz der Gruppe 1."

Wie gefährlich der frühe Richtungswechsel sein kann, zeigen Computersimulationen, Crashtestanalysen und die Auswertungen von realen Unfalldaten. Lotta Jakobsson, Sicherheitsexpertin bei Volvo, schildert ein Beispiel aus der firmeneigenen Sammlung von Unfalldaten: Bei einem schweren Frontalaufprall sitzen zwei Mädchen in vorwärts gerichteten Kindersitzen auf der Rückbank. Die Fünfjährige bricht sich ein Bein und kann nach zwei Wochen aus dem Krankenhaus entlassen werden. Ihre zehn Monate alte Schwester stirbt noch an der Unfallstelle an ihren schweren Halsverletzungen. "Deshalb sind wir der Ansicht, dass Kinder so lange wie möglich in Gegenfahrtrichtung sitzen sollten", sagt Jakobsson.

Solange wie möglich heißt: Bis die Kiddies 18 Kilogramm auf die Waage bringen – und dieser Zeitpunkt ist in der Regel im Alter von drei bis vier Jahren erreicht.

Volvo bietet entsprechende Rückhaltesysteme für die eigene Modellpalette an. Aber auch Fahrer anderer Fabrikate können ihren Nachwuchs noch eine Zeit lang richtig sichern, auch wenn die Babyschale zu klein geworden ist.

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Keine große Auswahl
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Wirklich groß ist die Auswahl nicht – doch einige Kindersitzhersteller wie WAVO, HTS und der skandinavische Hersteller Acta Graco haben auch für die größeren Kleinen rückwärts montierbare Rückhaltesysteme im Programm. Doch selbst im Fachhandel sind die Modelle oft nicht so leicht zu bekommen.

Eltern, die einen Kleinwagen fahren, haben aber noch ein anderes Problem, sagt Warentester Tewes: "Wird so ein Sitz auf der Rückbank montiert, fehlt der Platz für die Kinderbeine. Wird der Beifahrersitz nach vorn gerückt, gibt es im kleinen Auto praktisch keinen Platz mehr für den Beifahrer."

Richtig umständlich wird es, wenn das Familienauto ein Dreitürer ist und das Kind durch eine Kräfte zehrende Aktion in den Sitz bugsiert werden muss. Ein größeres Auto ist da sicher die bessere Wahl, wenn ein Kind an Bord ist. Und die meisten Eltern würden es wohl auch ohne Zögern kaufen - wenn sie es sich leisten könnten.

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Text:  Eine eMail an Susanne Kilimann schicken Auf Artikel linken
Fotos: Hersteller

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