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Luxus-Autoboutiquen  Weltspiegel: Auto-Luxusboutiquen

Shopsystem



Immer mehr Autofirmen kehren dem alt hergebrachten Händlermodell den Rücken. Wer in sein will, der eröffnet coole Designershops in den Metropolen. Die Autos selbst sind kaum mehr als Beiwerk.

 
 Design-Autoshops
  
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Die Anschrift L1-20, Parkview Green No.9 Dongdaqiao Road im Chaoyang Distrikt der chinesischen Hauptstadt Peking zeigt, wohin die Reise in den nächsten Jahren gehen dürfte. Dort hat Tesla vor kurzem seinen neuen Verkaufsraum eröffnet. Für den amerikanischen Hersteller von Elektroautos war China bisher ein großer weißer Fleck. Ostermontag kam Firmenchef Elon Musk aus Kalifornien nach Peking und brachte aufmerksamkeitsträchtig das erste Model S für China mit - feierlich präsentiert in dem schick verglasten Schauraum, der sich in einer Luxusmall im Herzen von Peking befindet.

Musk und Tesla sind der Konkurrenz diesmal keinen Schritt voraus. Andere Firmen haben die Idee, eine imageträchtige Marke in einem Umfeld weit abseits einer Automobilmeile zu präsentieren, längst erfolgreich in die Tat umgesetzt. Ähnliche Luxusshops gibt es von Mercedes-AMG oder von Citroën Die Franzosen lassen in China ihre Modelle allein unter dem DS-Label laufen.

Gleich neben den schicken Geschäften mit einer zumeist betont puristischen Einrichtung und kaum mehr als einem einzigen Fahrzeug im Verkaufsraum gibt es Geschäfts von Luxusschuhherstellern wie Miu Miu, edles Schreibgerät von Montblanc, Luxus-Bekleidungsmarken und vielleicht noch ein paar Szene-Cafés. Die Autoverkäufer sind perfekt gestylter Verkaufsberater, immer ein iPad in der Hand und dem Kunden wie Wünsche von den Augen ablesend. Designermöbel und ein Cappuccino gehören ebenso dazu wie Voss-Wasser oder eine digitale Imagebroschüre.

Was sich in einem Land wie China immer mehr durchsetzt, das gibt es in anderen Ländern längst. Zum Autoeinkauf der anderen Art geht es in den Westen der Zehn-Millionen-Stadt Moskau in die edlen Viertel der Ausfallstraße Rubljowka. Lamborghini verkauft dort seine sündhaft teuren Boliden in zwei Edelboutiquen der Luxusfirma Mercury, die unter anderem auch Hersteller wie Bentley, Maserati, Ferrari oder Luxus-Modefirmen wie Dolce & Gabbana in Russland vertritt.

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Es geht in erster Linie darum, einen Marktwert mit Erlebnischarakter zu schaffen
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Unternehmenssprecherin Tatiana Koroleva: "Die meisten unserer Kunden sind gerade einmal 27 bis 45 Jahre alt - das ist nicht anders als bei Mercedes oder Rolls Royce." Genau das ist der Dreh an dem neuen Shopsystem: Wer Geld hat und in sein will, der kauft sein Auto nicht bei irgendeinem Autohändler vor den Toren der Stadt. Man kauft Autos wie schicke Schuhe, ein edles Sakko, das neueste iPhone oder ein Designerkleid.

Dabei geht es in erster Linie darum, einen Marktwert mit Erlebnischarakter zu schaffen. "Wir haben hier eine Fläche von 381 Quadratmetern", erläutert Conrad Yan, Verkaufsleiter des AMG-Shops im Pekinger Botschaftsviertel. "Die Kunden können sich an der großen Powerwall ihren Traumwagen konfigurieren und müssen dann nur mit dem Aufzug nach unten fahren." Auf der hell erleuchteten Parketage stehen aktuelle AMG-Modelle für Spritztouren bereit. Das junge Publikum schaut nicht aufs Geld und gönnt sich gerne eines der leistungsstarken AMG-Modelle von E- oder S-Klasse oder gleich das klassische G-Modell.

Die edlen Shops sind sich weltweit zum Verwechseln ähnlich. Der Tesla Store sieht in Peking kaum anders aus, als auf dem Santa Monica Boulevard oder in der Nähe des Münchner Viktualienmarktes. Große Flachbildschirme, Demomodelle, ein paar Möglichkeiten zur Fahrzeugkonfiguration und gerne noch eine Ecke mit Merchandisingprodukten. Autos spielen die nebensächliche Hauptrolle, um der Markenwelt von morgen den letzten Schliff zu geben.

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Den Namen Citroën hat Anteilseigner Dongfeng gleich einmal gestrichen
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Das sieht in der strahlend weißen BMW-Welt unweit des 2010er Weltausstellungsgeländes in Shanghai kaum anders aus. Die Autos werden an Bildschirmen konfiguriert während nur ein paar Meter weiter gerade eine Kunstausstellung läuft.

Diese neuen Verkaufswege hat mittlerweile auch Citroën für sich erkannt. In Europa war die französische Marke für viele lange nicht mehr als ein extravaganter Familien-Billigheimer. In China hat sich Marke innerhalb von zwei Jahren neu erfunden. Den Namen Citroën hat Anteilseigner Dongfeng dabei gleich einmal gestrichen. In China laufen die Modelle allein unter dem DS-Label und erstrahlen ebenfalls neben Nobelboutiquen.

Seit dem Markenstart vor zwei Jahren gibt es mittlerweile über 50 Verkaufsstellen in Peking, Shanghai, Kanton oder Shenzen. Besonders spektakulär: die DS-Welt im Herzen von Shanghai auf der belebten Nanjing Road. Innerhalb des vergangenen halben Jahres wurden mit DS5 und dem eleganten DS 5 LS zwei vor Ort produzierte Modelle auf den Markt gebracht. Bald folgt der auf der Auto China präsentiert Pseudo-Geländewagen DS 6WR. Sieht gut aus - statt eines standesgemäßen Allradantriebs und bulliger Motoren gibt es ein kraftvoll-elegantes Äußeres.

Selbst Brabus, kleiner wie exklusiver Veredler von Mercedes-Automobilen hat in Peking seinen ersten Flagship Store eröffnet. "Der chinesische Markt ist für uns wie für alle anderen Luxushersteller von größter Bedeutung", sagt Brabus-Chef Bodo Buschmann, "damit setzen wir einen weiteren Meilenstein für die flächendeckende Präsenz auf diesem besonders anspruchsvollen Markt." Hauptdarsteller waren bei der Eröffnung des neuen Shops Kraftprotze wie der 850 PS starke Brabus 850 S oder ein sechsrädriges G-Modell mit 700 PS. So etwas verkauft man am Besten im entsprechenden Umfeld.

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