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Weltspiegel  Weltspiegel: US-Diesel auf dem Vormarsch

Selbst-Zündung



Bisher hatten Diesel in den USA trotz umfangreicher Anstrengungen der (deutschen) Autohersteller kaum eine Chance. Doch nun steigt die Zahl der Selbstzünder im Land von Stars and Stripes.

 
 Diesel in den USA
  
 Diesel in den USA  - Foto: Hersteller  Diesel in den USA - Foto: Hersteller  Diesel in den USA - Foto: Hersteller  Diesel in den USA - Foto: Hersteller  Diesel in den USA - Foto: Hersteller  Diesel in den USA - Foto: Hersteller

"Der BMW 328d wird hier in den USA unser neuer Einstieg in die Dieselwelt", ist sich Dave Buchko von BMW Nordamerika sicher und blickt vor der Konzernzentrale in Woodcliff Lake/New Jersey auf das Typenschild des weißen Dreiers: "Er hat die gleiche Leistung wie der europäische BMW 320d - gut 180 PS. Damit er die strengen US-Vorschriften erfüllt, verfügt er über eine SCR-Abgasreinigung." BMW trommelt im Land der unbegrenzten Möglichkeiten mittlerweile ebenso laut wie die deutschen Wettbewerber für den Diesel.

Die gemeinsamen Interessen der europäischen und insbesondere der deutschen Hersteller, die USA in Sachen Diesel zu missionieren, liegen auf der Hand. Auf diesem Gebiet stellen sie die heimatlichen US-Hersteller in den Schatten und bieten eine Diesel-Kompetenz, die im Großraum Detroit seit Jahren mit Argwohn betrachtet wird. Offenbar nicht ohne Grund: Seit 2007 hat sich der Absatz der Dieselfahrzeuge in den USA versechsfacht und stieg auf 121.000 Fahrzeuge in 2012. Pro Jahr kamen zuletzt 20 bis 30 Prozent hinzu.

Noch können sich die US-Hersteller sicher sein, dass die Dieseltechnik bei PKW in den Vereinigten Staaten nicht zum Boom mutiert. Denn nachdem die Kraftstoffpreise 2009 und 2010 bisweilen auf Rekordstände von fast fünf Dollar pro Gallone (3,8 Liter) Kraftstoff angestiegen waren, tankt es sich seit längerem wieder deutlich unter vier Dollar.

Der Amerikaner an sich macht sein Einkaufsverhalten sehr stark von den entsprechenden Marktschwankungen abhängig. Das hat auch dem US-Trend zu Kleinwagen schneller als von vielen erwartet den Garaus gemacht. Die Girls und Boys in den Staaten stehen nach wie vor auf große Pick Ups, SUV und Limousinen. Amerikanisierte Kleinmobile wie der Fiat 500, ein Mazda 2 oder selbst der Ford Fiesta tun sich deutlich schwerer als erwartet.

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Die US-Kunden kommen zunehmend auf den Diesel-Geschmack
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Meist liegt der Dieselpreis nach wie vor über dem für Benzin, weil in den USA Steuervergünstigungen für Diesel - so wie man sie in Europa kennen - nicht existieren. Trotzdem kommen die US-Kunden zunehmend auf den Diesel-Geschmack. Mercedes-Modelle hatten 2012 in den USA einen Dieselanteil von zwölf Prozent. Darin enthalten ist allerdings die zunehmend große Nutzfahrzeug-Flotte der Mercedes Sprinter.

Doch auch S- und E-Klasse laufen als 350 Bluetec ordentlich. Bei den SUV vom Typ Mercedes R, ML und GL lag der Anteil bei knapp 20 Prozent. BMW hatte nach dem Auslaufen der alten 3er Generation mit der Dieselvariante des 335d vergangenes Jahr einen reduzierten Selbstzünderanteil von knapp vier Prozent. Beim Bestseller BMW X5 liegt der Dieselanteil ähnlich wie bei den Mercedes-Geländewagen bei knapp über 20 Prozent. Insgesamt wurden vom BMW X5 35d mit über 10.000 Dieselversionen fast so viele verkauft, wie von Diesel-ML und GL zusammen. Audi kann beim üppig dimensionierten Luxus-SUV Q7 sogar noch drauflegen und bietet - allerdings bei deutlich geringeren Gesamtzahlen - einen Dieselanteil von rund der Hälfte aller verkauften Modelle.

Auch bei den Volkswagen-Käufern stehen die Diesel höher im Kurs denn je. Zwar sank der Verkaufsschlager Jetta im Jahre 2012 auf 48.000 verkaufte Diesel. Ein Minus von fast zehn Prozent, das jedoch mit einer gewaltigen Steigerung beim größeren US-Passat einhergeht. Waren es 2011 nicht einmal 5.000 Diesel-Passat, so katapultierte sich die Zahl im vergangenen Jahr auf über 26.000 Fahrzeuge hinauf. Das ist hinter VW Jetta TDI und vor dem BMW X5 35d Diesel-Platz zwei.

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VW hat mit dem TDI-Logo auf dem Heckdeckel einen Zuwachs von 30 Prozent
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Von den 438.133 Volkswagen-Auslieferungen im Jahre 2012 hatten gut 90.000 Fahrzeugen ein TDI-Logo auf dem Heckdeckel - ein Zuwachs von 30 Prozent. Der TDI-Anteil von 20,6 Prozent ist im ersten Quartal 2013 leicht gestiegen und pendelt derzeit bei 22 Prozent. Die höchsten Diesel-Anteile verzeichnet Volkswagen in den USA beim Jetta SportWagen (Modell auf Basis des Golf Variant) mit mehr als 80 Prozent, gefolgt von Golf TDI (52 Prozent) und Touareg 3.0 TDI (47 Prozent).

Mittlerweile ist selbst Porsche auf seinem Hautmarkt ins Diesellager gewechselt. Über 1.300 verkaufte Cayenne Diesel können sich sehen lassen. Konkrete Dieselplanungen gibt es auch bei Land Rover/Range Rover und Mazda, die drehmomentstarke Diesel spätestens ab 2014 auch in den USA anbieten wollen.

"Im Gegensatz zum alten BMW 3er, der nur als teurer Sechszylinder angeboten wurde, können wir den neuen 3er nun als Vierzylinder anbieten, der mit einer Gallone 45 Meilen schafft - und das zu einem deutlich günstigeren Preis von unter 40.000 Dollar", erläutert Dave Buchko: "Das wird uns viele neue Kunden bringen. Auch weil die Konkurrenz fehlt. Aktuell haben Mercedes und Audi in dieser Klasse kein Dieselangebot.

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Psychologisches Zahlenspiel auf dem Typen-Schild
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Dabei ist es nicht so, dass der US-Kunde auf den Verbrauch an sich schaut. Vielmehr geht es ihm um die werbeträchtig in Szene gesetzte "mileage". Heißt: Wie viele Meilen kann ein Auto mit einer Gallone Kraftstoff fahren? Besonders sparsame Fahrzeuge wie der VW Jetta 2.0 TDI mit 140 PS oder der neue 3er BMW mit seinem 180 PS starken Commonrail-Diesel schaffen weit mehr als 40 Meilen, was einem Normverbrauch von unter sechs Litern auf 100 Kilometern entspricht.

Noch ist der generelle Dieselanteil mit unter zwei Prozent (121.000 Fahrzeuge) in den USA vergleichsweise gering. Doch auch die Hybridantriebe haben dort mit 450.000 Fahrzeugen nur eine Marktdurchdringung von rund fünf Prozent. Wenn man die Regionen des mittleren Westens mit ihren Landmaschinen außer Acht lässt, gelten als Hauptmärkte für die Selbstzünder die Bundesstaaten Texas, Kalifornien und Florida., "Die Kunden wollen dort zudem einfach 4x4", ergänzt Buchko, "deshalb bieten wir den BMW 328d mit Heck- und Allradantrieb an. Das bringt weitere Kunden."

Dabei soll es nicht bleiben. BMW will ebenso wie Audi, Mercedes und Porsche das Dieselportfolio erweitern. Nach einem rund 280 PS starken BMW 530d sollen Dieselversionen von 7er, 3er Touring und dann auch dem im Herbst auf den Markt kommenden neuen BMW X5 folgen. Eine einfache psychologische Erklärung hat BMW-Mann Dave Buchko für die irritierende Nomenklatur des BMW 328d, der eigentlich ein 320d ist: "Die Bezeichnung 320 würde für viele Kunden Verzicht bedeuten. 328 passt daher einfach besser - es gibt ja auch mehr Ausstattung."

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Fotos: Hersteller Weltspiegel http://goo.gl/r5JLW
Ort: Woodcliff Lake/New Jersey

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