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Klein, aber sehr fein



In Hong Kong gehen die Uhren anders. Das britische Empire ist zwar schon seit 15 Jahre aus der ehemaligen Kronkolonie verschwunden, doch Autofans sind Hong Kongs Einwohner noch immer.

 
 Hongkong
  
 Hongkong  - Foto: Grundhoff  Hongkong - Foto: Grundhoff  Hongkong - Foto: Grundhoff  Hongkong - Foto: Grundhoff  Hongkong - Foto: Grundhoff  Hongkong - Foto: Grundhoff

Wer glaubt, in New York, Shanghai, München oder Monte Carlo seien vielen Luxuskarossen unterwegs, sollte Hongkong im Süden der Volksrepublik China einmal einen Besuch abstatten. Besonders heiß geht es am frühen Sonntagmorgen oder an Feiertagen zu. Kurz nach Sonnenaufgang düsen Scharen von Lamborghinis, Ferraris, Porsche oder BMW M-Modellen aus den Stadtteilen Central und Kowloon nach Norden Richtung New Territories zum automobilen Wochenendvergnügen.

Hongkong mit seinen sieben Millionen Einwohnern, dem überfüllten Straßennetz und nicht enden wollenden Staus bietet den wohlhabenden Einwohnern keine Möglichkeiten, Luxusschlitten und Sportwagen auszutesten. Viele lassen sich unter der Woche mit einem Chauffeur in die Firma fahren. Die Vielzahl von Luxuslimousinen mit langem Radstand ist auffällig. Rolls-Royce Ghost, Bentley Continental, Mercedes S-Klasse, Audi A8 oder 7er BMW - hier fährt im turbulenten Stadtverkehr alles herum, was in der automobilen Welt der Schönen und Reichen Rang und Namen hat.

Nirgends gibt es eine größere Dichte an Modellen der Luxusmarken Rolls-Royce und Ferrari. Das Bild in den Straßen wird neben den teuren Modellen aus Europa in erster Linie von günstigen Mittelklassemodellen aus Japan dominiert. Limousinen von Toyota, Mazda oder Honda sieht man an jeder Ecke. Kombis fährt dort kaum jemand. Neben der klassischen Limousine sind meist SUV und Kompaktmodelle unterwegs. Insgesamt gibt es in Hongkong rund 400.000 privat angemeldete Fahrzeuge. Nicht viel bei über sieben Millionen Einwohnern. Pro Jahr gibt es rund 25.000 Neuzulassungen - ebenfalls ein winziger Wert für eine Millionenmetropole.

Die Autohändler befinden sich daher direkt im Stadtkern oder gruppieren sich um ihn herum. Einer der größten freien Nobelhändler ist Carcity, etwas außerhalb in Sun Valley. Teuerstes Stück im Verkaufsraum ist aktuell ein Pagani Zonda für 25.000.000 Hongkong-Dollar, umgerechnet rund 2,55 Millionen Euro. Neben einem neuen Mercedes S 65 AMG parkt einer der legendären Ahnen, ein 280 SEL 3.5. Doch auch ein Audi Q7 in Bikolor oder ein Porsche Cayman S hat Carcity aktuell im Portfolio.

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Neu und edel
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Das Verkaufsteam rund um Patrese Leung hat alle Hände voll zu tun und gerade Autos im Wert von 14 Millionen Euro auf dem Hof stehen. Von Smart über BMW, wird hier alles bis zu Rolls-Royce oder Maserati und Lamborghini verkauft. BMW hat in Hongkong sechs Händler, allein einen in Kowloon und einen nur ein paar Hundert Meter weiter südlich im Finanzdistrikt. Porsche ist ebenso häufig vertreten. Daimler hat immerhin vier Stationen, zwei davon auf Hongkong Island, wo die gut betuchten Leute wohnen. Konkurrent Audi lässt es mit einem Geschäft, jedoch im Herzen der Stadt, etwas zurückhaltender angehen.

Seitdem England die Herrschaft über Hongkong am 1. Juli 1997 wieder an China zurückgegeben hat, ist viel geschehen. Im Jahrestakt wachsen riesige Wolkenkratzer in den Himmel der pulsierenden Sonderhandelszone, die aus einer Halbinsel an der Mündung des Perlflusses und über 260 kleinen Inseln besteht.

Durch diese Lage kommt Booten neben den öffentlichen Verkehrsmitteln eine zentrale Bedeutung zu. Zu einen gibt es die Schnellfähren zu einzelnen größeren Inseln und Destinationen wie Lan Tau oder Macao. Der Perlfluss teilt Hongkong mit seinen zentralen Stadtteilen Kowloon und Central/Financial District in zwei Teile. Neben den grünen Fähren, die im Fünf-Minuten-Takt zum Fahrpreis von rund 30 Cent verkehren, gibt es drei moderne Tunnel, die Nord und Süd miteinander verbinden.

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Parkraum ist knapp
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Bei einer Stadt wie Hongkong mit ihren mehr als sieben Millionen Einwohnern kommt den öffentlichen Verkehrsmitteln eine zentrale Bedeutung zu. Denn nur jeder 20. Bürger von Hongkong hat ein eigenes Auto. U-Bahn, Schnellbahn, doppelstöckige Busse und Sammeltaxis bewältigen den überwiegenden Teil des täglichen Personenverkehrs. Während die rot-weißen Taxis bei Touristen und Geschäftsleuten besonders beliebt sind, setzen die Einheimischen eher auf Kleinbusse, die als Sammlertaxis auf festen Routen verkehren. Angehalten wir auf Handzeichen. Eine Fahrt im Zentrum der asiatischen Metropole kostet zwischen 20 und 40 Hongkong-Dollar, umgerechnet zwischen zwei und vier Euro.

Ähnlich desolat wie bei der Wohnsituation geht es beim Parkraum zu. Nur wenige wohlhabende Einwohner Hongkongs haben mehr als ein Auto. Es fehlt schlicht an Möglichkeiten, zu parken. Oder sie auszufahren. Daran ändert auch das Autobahnnetz nicht viel, das den ehemaligen britischen Wirtschaftsraum durchzieht.

Chinesische Autos sind in Hongkong nahezu tabu. Marktführer ist Toyota, der besonders in den unteren Segmenten den Großteil der Kunden abgreifen. Auch amerikanische Fahrzeuge sind in Hongkong verpönt. Wer etwas auf sich hält, fährt ein europäisches Produkt. BMW 3er oder 5er, Mercedes C- und E-Klasse oder ein schmucker Audi A4 ist das, mit dem der gut verdienende Hongkonger im Alltagsbetrieb unterwegs ist. Die Autos sind asientypisch komplett ausgestattet. Auf Stoff sitzt hier niemand, Navigationssysteme, klimatisierte Sitze oder jegliche Komfortausstattungen gehören zum Standard.

Old- oder Youngtimer sucht man vergeblich. Einzig ein paar Autofanatiker fahren ältere Porsche- oder Mercedes-Modelle und suchen diese nicht auf dem freien Markt, sondern bei Händlern wie Carcity. In ist sonst, was neu ist. Das gestern interessiert wenig - auch beim fahrbaren Untersatz. Warten auf sein Auto will hier niemand. Wenn der Bonus rollt, müssen die Autos verfügbar sein - am besten am nächsten Tag. Man zeigt ähnlich wie bei Mode, Uhren und Schmuck gerne, was man hat.

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Fotos: Grundhoff
Ort: Hongkong

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