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Weltspiegel  Weltspiegel: Cosmo-Paradies Japan

Senjis Cosmos



Eine kleine Schar von Autofans hat dem Hubkolbenmotor abgeschworen. Die »Rotarier« wankeln lieber. Ihre Ikone ist der Mazda Cosmo, und keiner kennt den so gut wie Senji Hoshino.

 
 Wankel-Paradies
  
 Wankel-Paradies  - Foto: Grundhoff  Wankel-Paradies - Foto: Grundhoff  Wankel-Paradies - Foto: Grundhoff  Wankel-Paradies - Foto: Grundhoff  Wankel-Paradies - Foto: Grundhoff  Wankel-Paradies - Foto: Grundhoff

Dass die nicht mal 1.200 produzierten Mazda Cosmo eine derart eingefleischte Fangemeinde hinter sich haben, mag selbst Oldtimerfans überraschen. Doch der Vorzeige-Wankler wurde Mitte der 60er Jahre nur in Japan und den USA angeboten und heute existiert weltweit gerade noch ein Viertel der Fahrzeuge - das adelt zum Mythos.

"Viel mehr als 300 Autos haben die Zeit nicht überlebt", bedauert Senji Hoshino: "Und davon kenne ich jeden zweiten, der noch auf der Straße unterwegs ist." Für Wankel- und Cosmo-Fans aus aller Welt ist Senji Hoshino seit vielen Jahren eine Institution. Der 48-jährige Japaner lebt mit seiner Frau und drei Kindern eineinhalb Stunden nördlich von Tokio im Distrikt Maebashi und betreibt dort die "Garage Star Field".

Maebashi ist eine Gegend, in der Autos den emotionalen Wert eines alten Fahrrades oder eines Regionalzuges haben. Man bewegt sich mit dem Auto fort - das war's dann auch schon. Hier ist die Besiedlung dünn, der Reichtum überschaubar. Es gibt viel Landwirtschaft und die Leute fahren bevorzugt kleine Kei-Cars, steuerbegünstigt und winzig.

Auch bei Senji Hoshino steht ein blaues Kei-Car vor der Werkstatt. Normalerweise würden hier allenfalls die Menschen aus der Gegend vorfahren und ihre Lieferwagen oder Familienautos wie Mazda5 oder Toyota Camry reparieren lassen. Doch an solch ganz gewöhnlichen Fahrzeugen werkeln Hoshino und sein sechsköpfiges Team nur selten herum. Der Hof der Werkstatt ist statt dessen vollgestopft mit diversen Wankel-Kostbarkeiten aus den vergangenen vier Jahrzehnten.

Allein zehn Sportwagen vom Typ des legendären Mazda 110 Cosmo stehen auf dem Hof. Die meisten sind im klassischen Weiß lackiert, einige zerrupft, andere unlackiert oder bereit zur Abholung. Das ist sie, die kleine aber feine Wankel-Welt des Senji Hoshino.

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"Den muss ich einfach haben"
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Mit seinen knapp 50 Jahren hat der Wankel-Doktor von der lebendigen Cosmo-Ära Mitte der 60er Jahre nichts mitbekommen. Der ausgemachte Autofan kannte den kultigen Nippon-Sportler ursprünglich nicht einmal. "Aber als ich Anfang der 80er Jahre auf einer Autobahn nahe Tokio erstmals einen Cosmo sah, war es um mich geschehen", erzählt Senji: "Ich habe den Fahrer kilometerlang verfolgt und letztlich angehalten. Ich wollte wissen, was das für ein Auto ist. Den musste ich einfach haben. Nach eineinhalb Jahren hatte ich den Mann dann endlich soweit."

Der Eigentümer wollte seinen Cosmo eigentlich nicht verkaufen, brauchte jedoch Geld für seine Hochzeit. Ähnlich erging es Senji Hoshino ein paar Jahre später. Er hatte bereits geheiratet und wollte sein erstes Eigenheim bauen. Als er jeden Yen zusammenkratzte, musste auch der geliebte Cosmo dran glauben.

Doch längst war der Werkstattmeister aus Maebashi unheilbar mit dem Wankel-Virus infiziert. Kaum wieder liquide, sprang er erneut auf den Cosmo-Zug auf und machte den Rotationskolbenmotor zu seinem Lebensinhalt. Heute ist Hoshino weltweit ein gefragter Wankelexperte. Hat jemand ein wirklich kniffliges Problem mit Cosmo, Luce, Carol oder RX-7, gibt es für die Mazda-Fans nur einen Namen: Senji Hoshino. Selbst der Mazda-Konzern fragt ihn regelmäßig um Rat.

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Kurierdienst in die Provinz
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Hoshinos enormes Fachwissen hat sich auf dem ganzen Globus herumgesprochen. Wankelfans aus den USA, Europa, Japan oder Neuseeland melden sich - manchmal schon fast verzweifelt. Im Wochenrhythmus werden per Kurierdienst Wankelkomponenten jeglicher Art in die abgelegene japanische Provinz geliefert.

Doch nicht nur Motoren, Fahrwerke oder Karosserieteile kommen in Maebashi an. Pro Jahr bekommt der Wankel-Professor rund 50 Komplettfahrzeuge zur Instandsetzung. Einige Kunden wollen nur eine Inspektion oder kleinere Reparaturen an der Technik. Andere wünschen sich gleich die Komplettrestauration des eigenen Cosmo.

"Die kann wegen des Aufwandes und der Nachproduktion von einzelnen Teilen schon mal zwei Jahre dauern und bis zu drei Millionen Yen kosten", sagt Senji - das wären umgerechnet rund 23.000 Euro. Ein gut erhaltener Mazda 110 Cosmo kostet in Japan leicht vier bis sechs Millionen Yen. In den USA oder Europa sind solche Modelle erst gar nicht zu bekommen.

Viel Arbeit bedeutet Hoshinos Unternehmen auch für seine Frau Kimiko, die das Ganze in einem winzigen Büro koordiniert. Ein Problem ist oft die Sprache. Weder Senji noch seine Frau sprechen Englisch. Bei den zahlreichen Anfragen per Mail müssen denn auch Freunde und Bekannte aus Japan und den USA helfen.

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Wie aus dem Ei gepellt
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Die Automobilkrise geht an der Garage Star Field bislang fast spurlos vorüber. Die Auftragsbücher sind voll, die Wartelisten für Ersatzteile und komplett neu aufgebaute Fahrzeuge lang. "Leute, die solche Autos sammeln, müssen nicht auf den letzten Yen schauen. Ich habe mehr als genug zu tun", sagt Senji Hoshino.

So hat er es in den vergangenen 15 Jahren selbst auch zu einem ansehnlichen Privatfuhrpark gebracht. Sein eigener Cosmo mit dem Kennzeichen 58-89-17 sieht aus wie aus dem Ei gepellt. "Man muss sich nur einmal den Motor anschauen", strahlt der Japaner mit dem polierten weißen Lack um die Wette. "Da habe ich in den vergangenen Jahren einiges dran gemacht. Mehr Hubraum, mehr Leistung - ist ein völlig anderes Fahren."

Sein spektakulärstes Auto ist jedoch ein Tourenwagen-Prototyp des über 350 km/h schnellen Mazda 787 B. "Davon hat Mazda gerade mal drei Stück gebaut. Einen der Le-Mans-Renner habe ich mir vor 13 Jahren von Mazdasport gekauft", sagt der Motorsportfan. Was er für diese Rarität ausgegeben hat? Das bleibt Hoshinos Geheimnis.

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Fotos: Grundhoff
Ort: Maebashi

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