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Apartheid auf Rädern



In Südafrika liegen Luxus und Elend eng beieinander. Von rollenden Schrotthaufen in den Townships bis zu dicken SUV auf den Boulevards: Ein Auto-Streifzug durch das Land der nächsten Fußball-WM.

 
 Autoland Südafrika
  
 Autoland Südafrika  - Foto: Viehmann  Autoland Südafrika - Foto: Viehmann  Autoland Südafrika - Foto: Viehmann  Autoland Südafrika - Foto: Viehmann  Autoland Südafrika - Foto: Viehmann  Autoland Südafrika - Foto: Viehmann

Wer in Guguletu über die Runden kommen will, muss hart im Nehmen sein. Jeder zweite ist arbeitslos. Drogensucht und Kriminalität sind im ältesten Township von Kapstadt an der Tagesordnung. Viele Menschen hausen in armseligen Wellblechhütten oder Bretterbuden. Die Lebensumstände der Township-Bewohner färben auf ihre Autos ab: Aufgeben gilt nicht, selbst die erbärmlichsten Schrotthaufen müssen immer wieder an die Front.

Die Verwundeten schleppen sich zu improvisierten Werkstätten wie "Top Ten Auto Electric". Werkstattbesitzer Amrani hortet einen ganzen Vorrat von Lichtmaschinen und anderen Elektrik-Teilen. "Vor allem im Regen gibt bei vielen Autos die Elektrik den Geist auf", sagt der Township-Schrauber. Bei Amrani werden die Veteranen notdürftig verarztet und dann sofort wieder in die Schlacht geschickt.

Für Ersatzteile ist meist kein Geld da oder sie sind gar nicht mehr aufzutreiben – kein Wunder bei dem Fuhrpark. In den Townships sieht man zwar immer mal wieder auch neue Autos. Doch das Gros besteht aus greisen Japanern wie dem Toyota Cressida, altersschwachen Mazda 323 oder deutschen Veteranen von BMW, Mercedes und Opel.

"Wenn man keine Ersatzteile bekommt, müssen wir die defekten Aggregate eben aufbereiten. Irgendwie geht es immer weiter", erzählt Amrani. Erleichtert wird das Überleben der rollenden Wracks durch den TÜV - den gibt es nämlich nicht in Südafrika. Gekaufte Gebrauchtwagen müssen einmalig vorgeführt werden, danach interessiert sich keine Behörde mehr dafür.

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Ohne Minibus geht nichts
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5,2 Millionen Fahrzeuge rollen auf Südafrikas Straßen, soviel wie in keinem anderen afrikanischen Land. Dennoch kommen in dem 48 Millionen-Staat auf 1000 Einwohner kaum mehr als 100 Autos – in Spanien zum Beispiel ist die Fahrzeugdichte fast fünfmal so groß.

Das wichtigste Verkehrsmittel am Kap ist das Minibus-Sammeltaxi. Abertausende von Kleinbussen kurven auf einem schwer durchschaubaren Routennetz kreuz und quer durchs Land. Weiße Passagiere erblickt man in den Taxen so gut wie nie - was aber auch nicht verwundert: In Johannesburg zum Beispiel macht der Anteil der Weißen an der Bevölkerung gerade einmal 10 Prozent aus.

Die Kriminalität im Land hat im Vergleich zu früheren Jahren abgenommen und hängt stark von der jeweiligen Region ab. Sie bleibt aber auf einem beängstigend hohen Niveau. Immer noch geschehen täglich 50 Morde am Kap, Kidnapping, Vergewaltigung und Raub gehören zum Alltag.

In Johannesburg leben die Reichen in Vierteln wie Rosebank außerhalb des Zentrums, die Häuser sind von Stacheldraht umgeben und werden von privaten Sicherheitsdiensten bewacht. Wer durch die Stadt fährt, tut das zügig und im eigenen Auto, wobei deutsche Marken hoch im Kurs stehen: Mercedes C-Klasse, Audi Q7 oder BMW X5 sind weit verbreitet. Nicht selten sieht man auch gepanzerte Limousinen.

Klicken Sie auf das Bild, um die Google-Map von Südafrika zu öffnen

Einen Kontrast zu den automobilen Fluchtburgen bieten Old- und Youngtimer. Während der Hang zu altem Blech in den Townships der Notwendigkeit geschuldet ist, entpuppt sich das Kap in den Nobelvierteln an den Küsten als Oldie-Paradies. Alte Porsche und Jaguar, Mercedes-Cabrios oder italienische Klassiker sorgen für Abwechslung im Straßenbild. Manche Unternehmen vermieten Autoklassiker an Touristen, die damit an den traumhaft schönen Küsten des Landes entlang cruisen.

Beliebt sind auch Pick-ups, die man häufig mit Kabinenaufbauten an der Ladefläche sieht. Neben den großen Modellen von Toyota, Nissan oder Mitsubishi wimmelt es in Südafrika von kleinen Pick-ups, darunter eine Version des Opel Corsa. Sogar die Polizei setzt auf Pick-ups, und die Kabinenaufbauten dienen gleichzeitig als mobile Arrestzellen.

Als Freizeitauto habe die Bedeutung der Lastesel allerdings abgenommen, sagt Hyundai-Händler Robert Thompson aus Kapstadt: "Es wurden zum Beispiel viele Strände für Offroad-Autos gesperrt. Auch bei uns geht der Trend weg zum Geländewagen und hin zum SUV", sagt Thompson. Sein Beststeller in diesem Segment ist der Hyundai Tucson: das meistverkaufte SUV in Südafrika.

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Text:  Eine eMail an Sebastian Viemann schicken Auf Artikel linken
Fotos: Viehmann
Ort: Kapstadt

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