Mega-Polizeiauto

, Mega-Polizeiauto - Ein US-Streifenwagen ohne V8-Motor? Never. Vielleicht nicht mehr lange, denn explodierende Spritpreise zwingen auch die Cops zum Sparen. Ein kleiner Hersteller plant einen Polizei-Kreuzer mit 300 PS-Dieselmotor.
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 Mega-Polizeiauto  Weltspiegel: Mega-Streifenwagen

Robocop fährt Biodiesel



Ein US-Streifenwagen ohne V8-Motor? Never. Vielleicht nicht mehr lange, denn explodierende Spritpreise zwingen auch die Cops zum Sparen. Ein kleiner Hersteller plant einen Polizei-Kreuzer mit 300 PS-Dieselmotor.

 
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Schusssichere Weste, Revolver am Halfter, Überwachungskamera im Auto und Pumpgun am Armaturenbrett: Amerikanische Highway-Polizisten sind für den Kampf gegen die bösen Buben eigentlich gut gerüstet. Doch selbst hartgesottene Cops haben zurzeit ein bisschen Angst - und zwar um ihre Autos. US-Streifenwagen und fette V8-Motoren bilden seit Jahrzehnten ein unschlagbares Team. So wie der aus "Blues Brothers" bekannte Dodge Monaco, der Chevrolet Caprice (in weiß-blauer NYPD-Lackierung Star zahlloser Actionfilme) oder noch heute der Ford Crown Victoria.

Im Gegensatz zu deutschen Streifenwagen werden amerikanische Polizei-Kreuzer gern mit "Heavy Duty"-Paketen ausgestattet: Verstärktes Fahrwerk, Rammbügel an der Front und natürlich der stärkste V8-Motor, den der Hersteller zu bieten hat.

Doch Sprit schluckende Motoren können sich die taumelnden US-Autoriesen vielleicht nicht mehr lange leisten. "General Motors hat bereits einen für 2009 geplanten weiterentwickelten V8-Motor sowie neue Modelle mit Hinterradantrieb gestoppt. Und wie lange wird Ford wohl noch den alten Crown Victoria weiterbauen?" sorgt sich Bill Siuru im Magazin Police and Security News.

Mit großem Interesse verfolgt die "Law Enforcement"-Szene deshalb die Pläne des Unternehmens Carbon Motors Corporation aus Atlanta, Georgia. Der E7 solle als erstes Fahrzeug überhaupt einzig und allein für den Einsatz als Streifenwagen entwickelt werden, sagt die Firma Carbon Motors Corporation.


Integrierte Rammbügel

Wo der Wagen gebaut wird, sei noch nicht entschieden. Man werde aber "10.000 direkt oder indirekt amerikanische Jobs schaffen", teilt Carbon Motors in seiner patriotisch angehauchten Presseerklärung mit. "Den Produktionsstart peilen wir für 2012 an", sagt Stacy Dean Stephens, Verkaufsleiterin des Unternehmens. Der US-Markt für Streifenwagen liege bei ungefähr 75.000 Fahrzeugen pro Jahr, davon wolle man zumindest einen kleinen Teil erobern.

Der Entwurf des Wagens zeigt eine viertürige Limousine mit einer aggressiv gestylten Front, dramatisch geschlitzten Scheinwerfern und mächtigen senkrechten Rammbügeln. Die Blaulichter sind nicht auf dem Dach montiert, sondern ins Dach integriert – das dürfte Vorteile bei Crash-Sicherheit und Aerodynamik bringen. Zusätzlich kündigen rot-blaue Frontblitzer die Ordnungshüter im Rückspiegel an. Das Kennzeichen des Entwurfs lässt keinen Zweifel über die Bestimmung des Wagens zu: "Gotcha" (Hab’ dich!) prangt unter dem Grill.

Damit das keine leere Drohung bleibt, muss natürlich auch mächtig Bumms unter der Haube stecken. Und der kommt nicht von einer V8-Maschine - sondern von einem Dieselmotor mit 300 PS. Das Aggregat soll den Wagen in weniger als 7 Sekunden von 0 auf 100 km/h beschleunigen. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 155 Meilen (etwa 250 km/h) – mehr als doppelt so viel wie das Tempolimit auf den meisten großen US-Autobahnen.


Bad News für Bad Boys

Der E7 soll Hinterradantrieb und eine Sechsgang-Automatik bekommen. Der Motor soll außerdem für den Betrieb mit Biodiesel ausgelegt sein und im Vergleich zu einem gleich starken Benzinmotor bis zu 40% weniger Kraftstoff verbrauchen.

Die geplante Ausstattung des Wagens würde selbst Robocop neidisch machen. Das Cockpit wird gegen Beschuss gepanzert, Kameras gewähren eine Rundumsicht nach außen und ein Infrarot-System soll des Nachts die Gangsterjagd erleichtern. Weitere Optionen umfassen Systeme zur Erkennung biologischer oder chemischer Gefahren, stellt der Hersteller in Aussicht.

"Die hinten angeschlagenen Türen machen es leichter, die bösen Jungs ein- und auszuladen", sagt Bill Siuru von Police and Security News. Der Fahrer kann Delinquenten im Fond per Audio- und Videoüberwachung kontrollieren. Dies dürfte den Kunden des E7 besonders wichtig sein, denn in den USA sind Highway-Polizisten im Streifendienst meistens allein unterwegs.

Carbon Motors reist auf einer "Pure Justice Tour" durch die USA, um den Entwurf bei Polizeibehörden zu präsentieren. "Beim Militär gibt es schon lange Fahrzeuge, die speziell für ihren Einsatzbereich entwickelt wurden", sagt Firmenchef William Santana Li: "Selbst Briefträger haben Fahrzeuge, die extra für die Postauslieferung konstruiert sind. Nur die Polizei muss sich mit gewöhnlichen Personenwagen zufrieden geben, deren nachträglich eingebaute Sonderausstattung Gefahren birgt. Die Frauen und Männer, die unsere Gemeinden beschützen, haben Besseres verdient."

Fragt sich nur, wie viele Polizisten tatsächlich in den Genuss des futuristischen Streifenwagens kommen werden. Zu den Preisen hat sich das Unternehmen noch nicht geäußert - aber ein voll ausgerüsteter E7 dürfte ein deutlich größeres Loch in öffentliche Kassen reißen als ein Ford Crown Victoria mit aufgeschraubtem Blaulichtbalken.

Stand: 17.10.2008 Artikel bookmarken
Text: Sebastian Viehmann Eine eMail an Sebastian Viehmann schicken Auf Artikel linken
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