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Weltspiegel  Weltspiegel: Prag 1968

Škodas kurzer Frühling



Fast auf den Tag genau 40 Jahre ist es her, dass Warschauer Pakt-Truppen in der CSSR einmarschierten und dem Prager Frühling einen langen Winter folgen ließen. Auch für Škoda war das eine Zäsur.

 
 Prag 1968
  
 Prag 1968  - Foto: Archiv  Prag 1968 - Foto: Archiv  Prag 1968 - Foto: Archiv  Prag 1968 - Foto: Archiv  Prag 1968 - Foto: Archiv  Prag 1968 - Foto: Archiv

"Nein", sagt Petr Hrdlicka, "wir waren eher naiv als heldenhaft." Vor 40 Jahren, als in der Nacht zum 21. August 1968 die Panzer der Warschauer Pakt-Staaten in Prag und anderen Städten der Tschechoslowakei einrollten, war er Techniker bei Škoda in Mladá Boleslav, unweit von Prag. Und es ist eher Bedauern denn Verbitterung in seiner Stimme, wenn er über die Folgen für Škoda, sich und seine Mitarbeiter spricht. Das gewaltsame Ende des "Prager Frühlings" bedeutete auch für Škoda in der Folge "zwei Jahrzehnte weitgehenden Stillstands". Und für viele den Verlust ihres Arbeitsplatzes und ihrer Zukunft.

Wie im ganzen Land, so hatte der "Prager Frühling" auch bei Škoda als einem der größten Arbeitgeber und Industriebetriebe des Landes Hoffnungen geweckt und Kreativität freigesetzt. Wer heute über Autos wie den Trabant oder den Škoda 100 lächelt, der verkennt die Ursachen für die Abkopplung der Autobauer im Osten vom Fortschritt ihrer westlichen Kollegen. So wie in den Schubladen der Trabi-Konstrukteure schon 1966 die Pläne für den Trabant 603 lagen, dessen Design frappierend dem des acht Jahre später vorgestellten VW Golf I glich und der nie über eine geheime Studie hinauskam, so waren 1968 auch bei Škoda in Mladá Boleslav bereits die ersten Prototypen mit zeitgemäßem Frontantrieb und -motor fertig.

All das war Teil eines gesellschaftlichen Prozesses, der schon Jahre vor dem Prager Frühling 1968 begonnen hatte. Das kommunistische Plansystem hatte Stagnation in der Wirtschaft zur Folge, was zu immer mehr kritischen Stimmen führte. Das Regime hatte alle Bereiche des Lebens durchdrungen - von der Schule über die Arbeitsstätten bis hinein ins Private. Unternehmerische Entscheidungen folgten nicht dem Markt sondern dem Willen der Kommunistischen Partei der Tschechoslowakei (KPC) und der Bürokraten, Karrieren hingen allein von der Gnade oder Ungnade der KPC ab.

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"Brüderliche Hilfe"
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Von Jahr zu Jahr wuchs die Unzufriedenheit und ging längst über die intellektuellen Zirkel der Künstler, Schriftsteller und Journalisten hinaus. Die KPC konnte die Entwicklung trotz aller Restriktionen nur behindern, nicht aber aufhalten. Anfang 1968 gewannen die Reformer im ZK der KPC die Oberhand, Alexander Dubcek wurde Vorsitzender. Anfang 1968 wurde die Zensur abgeschafft, im April folgte ein Programm, das Wirtschaftsreformen, Meinungs- und Informationsfreiheit sowie eine Neuausrichtung der KP in der Gesellschaft anstrebte. In Betrieben wie Škoda sollten demokratische Strukturen entstehen, die nicht mehr an zentrale planwirtschaftliche Vorgaben gebunden waren sondern in denen die Beschäftigten und Vertreter relevanter Interessengruppen die Entscheidungen treffen sollten. Ziel war ein "Sozialismus mit menschlichem Antlitz".

Den "sozialistischen Bruderstaaten" machten diesem Aufbruch ein jähes Ende: In der Nacht vom 20. auf den 21. August marschierten rund 700.000 Soldaten der Sowjetunion, Polens, Ungarns und Bulgariens in die CSSR ein und besetzten binnen weniger Stunden alle strategisch wichtigen Punkte im Land. An der Ostgrenze der DDR gingen zwei Divisionen der NVA in Stellung und wurden dem sowjetischen Oberkommando unterstellt - selbst an der Invasion beteiligt waren sie nicht.

In Mladá Boleslav, dem Hauptsitz von Škoda, zogen polnische Truppen ein, erinnert sich Petr Hrdlicka: "Sie richteten sich zunächst außerhalb der Stadt ein und traten in der Stadt selbst kaum in Erscheinung." Nach drei Tagen wurden die polnischen Soldaten durch russische ersetzt. Die Lage drohte zu eskalieren, als die Russen in die drei Kasernen der Stadt einrücken wollten. Hrdlicka: "Die tschechischen Soldaten dort bauten schon Kanonen zur Panzerabwehr an den Toren auf." Doch das Blutbad blieb aus. In den kommenden Monaten wurden die gesamten tschechischen Einheiten ins Ausland verlegt und die Russen richteten sich in den Kasernen und Wohnungen der Offiziere ein.

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Generalstreik
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Zentrum der Proteste gegen die Besatzung war Prag: Tausende versammelten sich immer wieder auf dem Wenzelsplatz und an anderen markanten Punkten. Durch zivilen Ungehorsam und gewaltlose Aktionen versuchte die Bevölkerung zudem, die Besetzung wenigstens zu verlangsamen. Ortstafeln und Wegweiser wurden vertauscht, umgestellt oder übermalt, um die ortsunkundigen Besatzer in die Irre zu führen. Die Menschen stellten sich den Panzern in den Weg, Plakate und Handzettel wurden zu Tausenden verteilt und forderten zum Widerstand auf.

Aber auch in Mladá Boleslav gab es massive Gegenwehr. "Mengen an Drucksachen, Zeitungen und Flugblättern wurden auch hier gedruckt und verteilt, der Rundfunk sendete aus dem Untergrund", sagt Hrdlicka. Škoda selbst beteiligte sich als Unternehmen im August 1968 am landesweiten Generalstreik.

Nicht immer war der Widerstand friedlich: Insgesamt starben im Zusammenhang mit dem Einmarsch 98 Tschechen und Slowaken, 50 Soldaten der Invasionstruppen ließen ihr Leben. In Mladá Boleslav, erinnert sich Petr Hrdlicka, "gab es in den Wochen nach der Besetzung keine Todesopfer".

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Aderlass
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Andere Opfer aber gab es reichlich. Denn der Niederschlagung des Prager Frühlings folgte die "Normalisierung": Auch Škoda wurde wieder auf Linie getrimmt, die Reformansätze im Keim erstickt und rückgängig gemacht. Wer sich in den Befragungen der Kaderabteilung nicht zu der "brüderlichen Hilfe" bekennen mochte, wurde als "Konterrevolutionär" aus der Partei ausgeschlossen und verlor seinen Arbeitsplatz - ohne Chance, je wieder etwas vergleichbares zu finden.

Der "Bannstrahl" (Hrdlicka) traf ganze Familien. Kindern wurde das Studium verwehrt, Ehepartnern die Scheidung angeraten, um ihre eigene Karriere zu retten. Knapp eine halbe Million Parteimitglieder wurden aus der KPC ausgeschlossen und verloren ihre Jobs, einige hundert davon auch bei Škoda. Allein nach Österreich flohen über 150.000 Menschen, in erster Linie hoch gebildete Facharbeiter und Intellektuelle.

Ein Aderlass "an Kreativtät, Engagement und Wissen", sagt Petr Hrdlicka, von dem sich auch Škoda erst nach 20 Jahren wieder erholt hat: "Die haben einen Teil unserer fähigsten Leute rausgeschmissen." Erst 1987 war Škoda mit dem Favorit wieder da, wo Škoda schon vor dem Ende des Prager Frühlings konzeptionell gewesen war: Bei Frontmotor und Frontantrieb. Einer der Entwickler des Favorit: Petr Hrdlicka.

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Text:  Eine eMail an Jürgen Wolff, Prag schicken Auf Artikel linken
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