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Toyota Mirai mit Brennstoffzelle  Neuvorstellung: Toyota Mirai

Prius reloaded



Den Prius haben viele belächelt - heute ist der Hybrid eines der meistverkauften Autos in den USA. Jetzt bringt Toyota den Mirai - das erste Serienauto mit Brennstoffzelle. Wir sind ihn schon gefahren.

 
Toyota Mirai
  
Toyota Mirai  - Foto: Hersteller Toyota Mirai - Foto: Hersteller Toyota Mirai - Foto: Hersteller Toyota Mirai - Foto: Hersteller Toyota Mirai - Foto: Hersteller Toyota Mirai - Foto: Hersteller

In Sachen Optik haben die Japaner einfach kein glückliches Händchen. Schon der Zur Markenseite ToyotaToyota Prius ist keine Augenweide - bei dem 4,89 Meter langen Mirai sieht das nicht anders aus. Eine Stufenhecklimousine, die mit ihren ungewöhnlichen Kanten, Fugen und Schnitten mindestens genauso polarisiert wie mit ihrem Antrieb: Wasserstoff. Nach 20 Jahren, zahllosen Forschungsmodellen und Testbaureihen hat mit Toyota der erste Autohersteller jetzt den Mut, ein Serienmodell mit diesem Antrieb auf den Markt zu bringen.

Getankt wird purer Wasserstoff, der dann mit einem aufwendigen Verfahren in einem 370-Zellen-Stack in elektrische Energie umgewandelt wird. Die Leistung versorgt dann den unter dem Laderaum untergebrachten Nickel-Metall-Hydrid-Akku oder direkt den Elektromotor mit Energie. "Was in den ersten hundert Jahren der Automobilindustrie das Benzin war, wird in Zukunft der Wasserstoff sein", legt sich Toyotas Chairman Takechi Uchiyamada als Vater des Prius fest: "Doch es wird seine Zeit brauchen. Wir haben für die erste Million Hybridfahrzeuge auch zehn Jahre benötigt."

Die Brennstoffzelle ist eine Art unendliche Geschichte. Sie sollte von einem Dutzend Autohersteller bereits mehr als ein Dutzend Mal als Serienantrieb auf den Markt kommen. Doch außer Kleinserien, Testbussen und Gabelstablern ist nicht viel dabei heraus gekommen - und jede Menge Entwicklungserkenntnisse. Hersteller wie Zur Markenseite BMWBMW, Zur Markenseite HondaHonda, General Motors oder Zur Markenseite Mercedes-BenzMercedes-Benz haben dabei Milliarden von Euro verbrannt.

Jetzt kommt von Toyota das erste Serienauto - und das dürfte es bei allem Alltagsnutzen schon wegen seines Preises in unseren Breiten schwer haben. In Deutschland wird der Toyota Mirai ab kommendem Jahr für knapp 79.000 Euro angeboten. Dafür gibt es auch schon zwei BMW i3, ein Tesla Model S oder einen sparsamen Mercedes S 300 Dieselhybrid. Die 50 bis 100 Mirai-Fahrzeuge, die 2015 und 2016 nach Europa kommen sollen, erscheinen angesichts der Nachfrage von Energieunternehmen und zu Werbezwecken zwar sehr wohl möglich. Viel mehr dürften es angesichts des Preises und der maximal 50 Tankstellen in Deutschland jedoch kaum werden - trotz der maximalen Reichweite von rund 500 Kilometern.

Toyota Mirai mit Brennstoffzelle, Neuvorstellung
Nicht ganz so futuristisch wie von außen zeigt sich der Toyota Mirai (übersetzt: Zukunft) von innen
Toyota Mirai mit Brennstoffzelle, Neuvorstellung

In Japan und vor allem den USA sind die Voraussetzungen deutlich günstiger. Der Kunde hat zumindest in Kalifornien die Wahl, ob er das erste Serien-Brennstoffzellenauto der Welt für 57.500 Dollar (umgerechnet 46.000 Euro) kauft und bis zu 14.000 Dollar an Subventionen einstreicht oder ob er es für 499 Dollar pro Monat mietet. Getankt werden kann kostenlos zwischen San Diego und Sacramento an 100 Tankstellen, die derzeit aufgebaut werden. Und es gibt einen telefonischen Concierge-Service rund um die Uhr, wenn Probleme auftreten sollten. Während es in den USA acht Jahre Garantie auf die Wasserstoffkomponenten gibt, bekommen die Europäer nur derer drei. Ungleiche Welten.

Im nächsten Jahr sollen weltweit 700 Mirai verteilt werden und bis Ende 2017 ist deren Zahl auf 3.000 Stück begrenzt. "Größere Stückzahlen versprechen wir uns erst in den 2020er Jahren", räumt Takechi Uchiyamada ein und verweist auf die höchst unterschiedliche regionale Verbreitung von Wasserstofftankstellen.

Doch trotz kleiner Stückzahlen und hoher Preise ist Toyota überzeugt von der Brennstoffzelle und will im Gegensatz zum Hybrid 1997 einen Schulterschluss mit der Konkurrenz, die das Thema Wasserstoff ebenfalls nicht aufgergeben hat. BMW beispielsweise soll im Rahmen der Kooperation mit Toyota ebenfalls Zugriff auf den zentralen Stack haben.

Im Vergleich zum Erprobungsträger Toyota Highlander FCV konnten die Kosten um 95 Prozent reduziert werden. "Doch es ist ein bisschen wie bei Don Quijote", sagt der Entwicklungsverantwortliche Satochi Ogiso, "viele halten Wasserstoff für Blödsinn. Aber das haben viele auch beim Prius gedacht."

Nicht ganz so futuristisch wie von außen zeigt sich der Toyota Mirai (übersetzt: Zukunft) von innen. Das Cockpit mutet insbesondere durch seinen großen Touch-Oberflächen jedoch wie ein futuristisches Raumschiff an. Es gibt Platz für vier Personen und eine edlere Verarbeitung als im lieblosen Prius. Während der Stack der Brennstoffzelle unter den vorderen Sitzen in einer crashsicheren Struktur untergebracht ist, befinden sich die beiden Tanks vor und hinter der Hinterachse, was die vergleichsweise hohe Sitzposition erklärt.

Toyota Mirai mit Brennstoffzelle, Neuvorstellung
Im Vergleich zu einem Elektroauto ist die Brennstoffzelle im Innern des Mirai während der Fahrt durchaus im Hintergrund zu hören
Toyota Mirai mit Brennstoffzelle, Neuvorstellung

Für den Vortrieb des Mirai sorgt ein Elektromotor, der - im Vorderwagen verbaut - mit dem aus dem Toyota Prius verwandt ist. Er leistet 114 kW/155 PS und schafft damit den Spurt von 0 auf Tempo 100 in 9,6 Sekunden und eine Höchstgeschwindigkeit von 178 km/h. Der Antritt des 1.850 Kilogramm schweren Fronttrieblers ist Dank 335 Nm maximalem Drehmoment gerade im zuschaltbaren Power-Modus kräftig. Und beim Zwischenspurt macht das Zukunftsmobil auf dem amerikanischen Highway einen überzeugenden Eindruck.

Die Lenkung ist zwar nicht direkt, aber nicht mehr derart synthetisch wie noch vor Jahren, während das Fahrwerk überraschend stramm abgestimmt ist. Elektromotor, Akkus und Bordelektronik stammen von hauseigenen Hybridmodellen. Im Vergleich zu einem Elektroauto ist die Brennstoffzelle im Innern des Mirai während der Fahrt durchaus im Hintergrund zu hören. Ansonsten gefällt das sehr geringe Geräuschniveau - und dass sich der Toyota Mirai wie ein ganz normales Auto fährt.

Neigt sich die Reichweite von bis zu 500 Kilometern dem Ende entgegen, können die beiden Hochdrucktanks, die mit ihren 122,4 Litern zusammen fünf Kilogramm Wasserstoff schlucken, an der Wasserstoff-Zapfsäule binnen fünf Minuten nachgetankt werden. Probleme wie Kaltstart oder das Abdampfen bei längeren Parkpausen wurden von Toyota in den vergangenen Jahren ausgeräumt.

"Letztlich ist es ein ganz normales Auto", bekräftigt Satochi Ogiso, "eben wie damals auch der Prius. Und es wird daher auch zu einem Erfolg werden."

Toyota Mirai mit Brennstoffzelle
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