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Technik  Technik: Volvo testet KERS

F1 für die Straße



Volvo könnte das aus der Formel 1 bekannte KERS-System in seine Serienfahrzeuge holen. Es funktioniert wie beim Rennen: Bei Bedarf werden so zusätzlich 80 PS auf die Achse freigelassen.

 
 KERS im Auto
  
 KERS im Auto  - Foto: Hersteller  KERS im Auto - Foto: Hersteller  KERS im Auto - Foto: Hersteller  KERS im Auto - Foto: Hersteller  KERS im Auto - Foto: Hersteller  KERS im Auto - Foto: Hersteller

Wer hätte nicht gern per Knopfdruck für knapp zehn Sekunden 80 PS mehr zur Verfügung? Ingenieure aus dem Hause Volvo haben sich das auch gedacht und sind zu dem Entschluss gekommen: Was die Formel 1 kann, können wir schon lange.

Genau genommen, haben die Schweden das KERS, Kinetic Energy Recovery System, schon lange vor dem ersten Einsatz in der automobilen Königsklasse für sich entdeckt. Bereits in den 80er Jahren experimentierten sie in einem Volvo 260 mit der Schwungradtechnik. Doch die damalige Verwendung von Stahl bot keine ausreichend guten Ergebnisse, so dass dieses Thema auf Eis gelegt wurde. Bis heute. Denn der Stahl ist Kohlefaser gewichen und die Forschung wieder aufgenommen worden.

Das KERS der neuesten Generation arbeitet an der Hinterachse eines frontgetriebenen Volvo S60 T5 mit 254 PS und ist noch gut hör- und sehbar im Kofferraum platziert. Der Raumschiff Enterprise-Sound, der durch das bis zu 60.000 Mal in der Minute rotierende und sechs Kilogramm schwere Rad entsteht wird in einer Serienversion vermutlich wegfallen.

Das in einem Vakuum drehende 20 Zentimeter durchmessende Kohlefaserrad wird bei der Verzögerung des Fahrzeugs, sprich beim aktiven Bremsvorgang, beschleunigt. Während des Bremsvorgangs wird der Verbrennungsmotor abgeschaltet. Die so gespeicherte Energie leitet das Schwungrad dann beim Anfahren oder Beschleunigen über ein spezielles Getriebe auf die Hinterräder.

"Die Energie des Schwungrads treibt das Fahrzeug für kurze Zeit allein an. Dies hat maßgeblichen Einfluss auf den Kraftstoffverbrauch. Nach unseren Berechnungen wäre der Verbrennungsmotor im Neuen Europäischen Fahrzyklus die Hälfte der Zeit abgeschaltet", erläutert Derek Crabb, Vizepräsident der Antriebsentwicklung bei der Volvo Car Group.

Neben dem Energiesparpotenzial von bis zu 25 Prozent sind die dabei entstehenden zusätzlichen Pferdestärken ein äußerst angenehmer Nebeneffekt. "Durch die kurzzeitige Bereitstellung von 80 zusätzlichen PS beschleunigt der Vierzylinder so gut wie ein Sechszylinder." In Zahlen ausgedrückt heißt dies: Der Sprint aus dem Stand bis Tempo 100 wird anstatt in 6,8 in nun 5,5 Sekunden absolviert.

So vorteilhaft der kurzfristige Leistungsgewinn auch sein mag, so birgt die spontane Umstellung von einem reinen frontangetriebenen Fahrzeug hin zu einem Allradler in der aktuellen Prototypenphase noch seine Kinderkrankheiten. Ohne KERS-Einsatz, ob im abgeschalteten oder im aktivierten aber entleerten Energiespeicher-Zustand, verhält sich der KERS-Volvo S60 wie ein ganz normaler Fronttriebler. Bei zu starkem Herausbeschleunigen aus einer Kurve schiebt er über die Vorderachse, er untersteuert. Mit einsetzendem KERS verändert sich in Sekundenbruchteilen das Kurvenverhalten des Fahrzeugs und die Hinterachse werden unruhig. Bis zu einer eventuellen Serienreife, die frühestens 2017 geplant ist, soll dieses Problem jedoch behoben sein.

Auf gerader Strecke hingegen kommt der Fahrer bei einem beherzten Tritt aufs Gaspedal für bis zu zehn Sekunden in den gefahrlosen Genuss der zusätzlichen Kraft eines normal motorisierten VW Golf. Wünschenswert wäre ein aus der Formel 1 bekannter "Push to pass"-Knopf, der auf Geheiß des Fahrers die 80 PS auf die Hinterachse entfesselt.

Was die über drei Modi verfügende punktuelle Leistungssteigerung in Form des KERS kosten soll, ist noch reine Spekulation. Doch verrät Thomas Hannebäck, Direktor der Getriebeentwicklung bei Volvo, schon mal soviel: "Der Aufpreis wird unter 10.000 Euro betragen."

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Fotos: Hersteller Technik http://goo.gl/XbTTS
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