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Technik  Technik: Audi mit Neigetechnik

Schräge Sache



Audi entwickelt mit der Universität Aachen derzeit ein Auto, das sich wie ein Motorrad oder ein Skifahrer in die Kurve legen kann. Die visionäre Neigetechnik verhindert die Übelkeit der Insassen.

 
 Audi-Neigetechnik
  
 Audi-Neigetechnik  - Foto: Grundhoff  Audi-Neigetechnik - Foto: Grundhoff  Audi-Neigetechnik - Foto: Grundhoff  Audi-Neigetechnik - Foto: Grundhoff  Audi-Neigetechnik - Foto: Grundhoff  Audi-Neigetechnik - Foto: Grundhoff

Das Problem ist vielen von Kindertagen an bekannt: Ihnen wird beim Autofahren auf längeren Strecken regelmäßig übel. Während der Fahrer auf kurvenreichen Autobahnen seine helle Freude an den Wechselkurven der Autobahnen hat, sehen das die Passagiere auf dem Beifahrersitz oder im Fond ganz anders - ihnen ist nur noch übel. Diese automobile Reisekrankheit könnte bald der Vergangenheit angehören. Audi arbeitet zusammen mit Doktorrand Michael Bär von der Universität Aachen an einer Lösung, die längeren Strecken den Schrecken nimmt.

Zusammen mit Audi hat er ein Fahrwerkskonzept entwickelt, das der Fliehkraft per Neigetechnik ihren Schrecken nimmt. Der Selbstversuch mit verbundenen Augen auf dem Beifahrersitz ist eindrucksvoll. Auf dem kurvenreichen Autobahn-A9-Teilstück südlich von München scheint es so, als seien die Kurven über Nacht aus der Landschaft herausgebügelt worden. Der große Aufkleber "Achtung Messfahrt!" auf dem dunkelroten Audi soll dem umliegenden Verkehr zeigen, dass dieser A5 mehr ist als ein Serienmodell. Der A5-Prototyp, den Michael Bär mit Tempo 120 lenkt, kann sich in die Kurve legen wie ein Motorradfahrer oder ein Wasserskifahrer.

Der Beifahrer mit den verbundenen Augen hat in jeder Hand einen Druckknopf. Wenn er meint, dass eine Kurve beginnt, soll er den Knopf so lange drücken, bis es seiner Meinung nach wieder geradeaus geht. Nach ein paar Kilometern gibt die Bordelektronik im Kofferraum ein ernüchterndes Bild: Der Copilot hat kaum mal die Taster betätigt - weil er kaum Kurven gespürt hat. Michael Bär ist sichtlich zufrieden. Er hat innerhalb des vergangenen Jahres mehr als 20.000 Kilometer in dem Prototypen zurückgelegt. Die Ergebnisse ähneln sich. Kurven kann der Audi A5 bis 130 km/h komplett wegbügeln.

Rund 20 Prozent aller Autoinsassen wird auf längeren Autobahnfahrten übel. Michael Bär erinnert sich noch gut daran, wie es beim ihm auf der Rückbank des väterlichen Autos war. "Besonders Personen unter 25 Jahren wird im Auto regelmäßig schlecht", erklärt er. "Bei Frauen geschieht das besonders leicht."

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Carving auf der Autobahn
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Nach dem ersten Probelauf auf der A9 gibt es eine zweite und dritte Schleife. Mal mit Augenbinde, mal ohne. Der rote Audi A5 fährt sanft in die Rechtskurve auf der Autobahn ein, Passagiere in einem daneben fahrenden Toyota Corolla trauen ihren Augen nicht und zeigen irritiert auf den Prototypen. Wie ein Motorrad legt sich der mit Neigetechnik ausgestattete A5 in die Kurve. Optisch erinnert die Fahrt an einen Skifahrer, der mit stark taillierten Carvingski die Piste herunterfährt indem er sich gekonnt in die Kurve legt und sein Körpergewicht die ganze Arbeit machen lässt.

Möglich wird die ungewöhnliche Neigetechnik durch ein elektronisches Fahrwerk mit entsprechendem Dämpferraum nach oben und unten. "Wir haben an der Radaufnahme an den Aktoren einen Hubweg von fünf Zentimetern nach oben und unten", erklärt Bär. Am äußeren Rad stehen somit bis zu sieben Zentimeter plus oder minus zur Verfügung, mit denen der A5 in der Kurve angehoben oder abgesenkt werden kann. In einer starken Rechtskurve federt das Prototypenmodell am rechten Vorderrad maximal ein, während der Dämpfer am linken Hinterrad maximal ausfährt. Für die Insassen wir die Kurve gefühlt so fast zu einer Geraden. Das Ganze sieht von außen nach einem kapitalen Dämpferschaden aus.

Entstanden ist das ungewöhnliche Projekt im Rahmen der Entwicklungen zum autonomen Fahren. Längst ist abzusehen, dass Autos übermorgen komplett eigenständig und ohne Zutun des Fahrers von München nach Nürnberg fahren oder unfallfrei den Weg von der Arbeit zurück nach Hause finden. Der Fahrer kann während solcher Fahrten am Computer arbeiten, Filme ansehen oder sich schlichtweg unterhalten.

Die Ablenkung vom Straßenverkehr sorgt bei vielen Passagieren jedoch für Übelkeit. Michael Bär weiß den Grund: "Dummerweise macht die Biologie vielen Menschen einen Strich durch die Rechnung. Wenn das Gesehene vom Gefühlten abweicht, reagieren sie mit Übelkeit bis zum Erbrechen."

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"Querkraftfreies" Fahren
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Das ist mit der Neigetechnik weitgehend vergessen. Beim "querkraftfreien Fahren" arbeitet das Fahrwerk deutlich mehr als sonst elektronische Dämpferregelungen und Wankstabilisierungen wie Dynamic Drive oder Active Body Control. Denn das System beginnt zu arbeiten, bevor die Kurve selbst beginnt. Die Computer im Kofferraum, die dem Audi A5 die Neigetechnik möglich machen, werden nicht nur über den Fahrer, sondern auch über eine Kamera im Innenspiegel mit Informationen gefüttert. "Erkennt das Kamerasystem, dass eine Kurve kommt, beginnt es bereits zu arbeiten und legt den Wagen sanft in die Kurve", sagt Michael Bär. "Zudem gleicht es die Informationen mit GPS-Daten und Navigationssystem ab."

Ist die Autobahnkurve maximal geschnitten, kann schon das Erprobungsmodell das subjektive Fahrgefühl durch seine Neigetechnik bis Tempo 130 komplett ausgleichen. Sind die Kurven nicht allzu eng, klappt es sogar bis 180 km/h. Sonst gibt es zumindest einen deutlichen Komfortgewinn. Für schnelle Wechselkurven auf Landstraßen ist die Neigetechnik nicht gedacht. Hier soll der Fahrer aktiv ins Geschehen eingreifen und den Fahrspaß genießen.

Eine etwaige Serienumsetzung ist noch in weiter Ferne. Bisher handelt es sich allein um eine Doktorarbeit, die Michael Bär erstellt. Sollte das System in Serie gehen, dürfte mindestens eine Fahrzeuggeneration mit mehr als sechs Jahren ins Land gehen. Gerade mit Blick auf die riesigen Limousinenmärkte in Asien und den USA dürfte sich das Neigefahrwerk aber als Option für Luxuslimousinen anbieten.

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Fotos: Grundhoff
Ort: Ingolstadt / Aachen

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