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Fotos: Porsche/Markus Leser
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Unser Autor: Jürgen Wolff

Goodwood Festival of Speed 2013  Reportage: Goodwood Festival 2013

Gartenparty



Nie wieder ein abfälliges Wort über englisches Wetter, über englisches Essen oder englische Freundlichkeit - das Goodwood Festival of Speed 2013 versöhnte in diesem Jahr mit einfach allem.

 
 Goodwood Festival
  
 Goodwood Festival  - Foto: Porsche/Markus Leser  Goodwood Festival - Foto: Wolff  Goodwood Festival - Foto: Porsche/Markus Leser  Goodwood Festival - Foto: Porsche/Markus Leser  Goodwood Festival - Foto: Wolff  Goodwood Festival - Foto: Wolff

Ein wolkenlos blauer Himmel über West Sussex, Temperaturen um die 30 Grad, von Fish 'n Chips bis Lachs und Kaviar alles, was dem Gaumen schmeichelt bis hin zu freundlichen Stewards, die geduldig den Weg zu den diversen Marken-Zelten erklärten - Britain at it's Best. Und vor allem: Autos, Bikes und Düsenjäger - alles, was viel PS hat und möglichst viel Krach macht.

Die Briten haben nach wie vor ein eher lustbetontes Verhältnis zum Auto. Das mag zwar aus deutscher Sicht nicht gerade ökologisch korrekt sein - beschert dem Festival aber jedes Jahr neue Besucherrekorde. Rund eine halbe Million Zuschauer dürften sich an diesem Wochenende auf dem weitläufigen Gelände getummelt haben.

Seit 1993 findet das Festival of Speed, das eigentlich ein Festival of Speed and Sound ist, jeden Sommer in der Nähe von Chichester im Südosten von England statt. Ringsum eine Bilderbuchlandschaft mit sanften Hügeln, verwunschenen Wäldern und Hecken, mit knurrigen Gasthöfen und windschiefen Häusern. Jeden Moment erwartet man, dass ein Hobbit aus dem Schatten der Bäume tritt oder Harry Potter auf dem Nimbus 2000 vorbei fliegt. Selbst die Manufaktur von Rolls-Royce, nur einen Steinwurf weit entfernt, ist perfekt in die grüne Landschaft eingefügt.

Als der motorsportbegeisterte junge Charles Gordon-Lennox, Earl of March and Kinrara das Festival startete, bekam er gerade mal eine gute Handvoll Autos zusammen. "Alain Prost gewann seine vierte Weltmeisterschaft, Bill Clinton war gerade US-Präsident geworden und Google gab es noch nicht", erinnert sich der Earl. Seither ist das Goodwood Festival of Speed zu einer riesigen und gediegenen Freiluftparty rund ums Auto gewachsen - mit Staus bei der An- und Abfahrt, die auf den ebenso schmalen wie kurvigen Landstraßen ringsum kilometerweit ins Umland reichen.

Goodwood Festival of Speed 2013, Reportage
Das eigentliche Rennen ist für die Fahrer ein eher kurzes Vergnügen
Goodwood Festival of Speed 2013, Reportage

Es geht in Goodwood vor allem um schiere Kraft und um Geschwindigkeit. Entsprechend stehen rund ums Schloss des Earl of March auch die aktuellen Ikonen dieser Lust am Tempo. Peugeot etwa hat frisch aus dem US-Staat Colorado den 208 T16 mitgebracht, mit dem Rallyefahrer Sebastian Loeb gerade in der Rekordzeit von 8:13 Minuten zum Gipfel des Pikes Peak gestürmt war. Ein anderer Bolide muss seine Geschwindigkeit Ende des Jahres erst noch beweisen: Der Bloodhound SSC bringt es auf sagenhafte 135.000 PS und soll mit bis zu 1.600 km/h den Geschwindigkeitsrekord für Landfahrzeuge brechen.

Neben den zwei Boliden wimmelt es im Fahrerlager nur so von PS-starken Fortbewegungsmitteln. Formel-Rennwagen aus diversen Jahrzehnten sind dort zu finden, GT-Fahrzeuge, US-Stockcars, Supercars oder die Siegerautos von Le Mans. Mercedes hat so ziemlich alles über den Ärmelkanal geschifft, was gut, schnell und teuer ist und dazu das halbe Museum leergeräumt, um die Silberpfeile in Goodwood auf die Strecke zu schicken. Porsche zelebriert genüsslich das 50-Jahre-Jubiläum des 911er. Drei 911er davon zieren die Spitze der himmelstürmenden riesigen Plastik vor dem Goodwood House, die anderen sind zweimal am Tag bei einer Parade vor den Zuschauern unterwegs. Dazu weiße Zelte von Volkswagen, Audi, Ford, Opel/Vauxhall, Skoda - kaum ein Hersteller, der fehlt. Abt hat seine Fahrzeuge, darunter ein 620 PS starker Audi R8 GTR auf eigener Achse nach Goodwood geschafft.

Das eigentliche "Rennen" ist für die Fahrer ein eher kurzes Vergnügen. Erst einmal warten sie in ihren Autos bis zu einer Stunde, bis sie überhaupt erst mal damit vom Paddock an den Start rollen dürfen. Dann dauert es dort noch einmal eine halbe Stunde, bis es wirklich losgeht. Los heißt: Eine 1,87 Kilometer lange "Bergstrecke" mit sehr mäßiger Steigung und gerade mal fünf Kurven hinter dem Pace Car (stilecht: ein Rolls-Royce) hinauf, Auto abstellen und noch einmal eine halbe Stunde warten, bis man wieder zurück zum Paddock rollen kann. Reine Fahrzeit: Weniger als eine Minute.

Goodwood Festival of Speed 2013, Reportage
Was Goodwood so besonders macht, das ist die Nähe zu den Fahrzeugen, die hier möglich ist
Goodwood Festival of Speed 2013, Reportage

Aber was für eine Minute: Links und rechts der Strecke winkende, jubelnde und fotografierende Zuschauer, freundlich nickende Streckenposten - und ein Gefühl, auf der schmalen, komplett von Strohballen gesäumten Strecke 50 Jahre in der Zeit zurückversetzt zu sein. Auf diesem kurzen Stück Asphalt sind vier Tage lang die legendärsten, teuersten schönsten oder einfach auch nur irrsten Fahrzeuge unterwegs, die dieser Planet zu bieten hat - bis hin zum von Pferden gezogenen römischen Streitwagen oder zum Dragster, für den sich die fünf Kurven des "Hill Climb" eher als Stop-and-Go-Veranstaltung erweisen. Sehr zur Freude des Publikums, das jedes neue, von infernalischem Motorenlärm begleitete Beschleunigen der Dragster mit frenetischem Applaus belohnt.

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Was das Festival rund ums "Goodwood House" für die Besucher so besonders macht ist nicht nur, dass sie kaum je irgendwo sonst auf der Welt so viele so legendäre Automodelle gleichzeitig sehen können, umrahmt von Flugvorführungen etwa der Düsenjägerstaffel Red Arrows, von Stunts auf dem Motorradgelände oder spektakulären Sprüngen auf dem Rallye-Parcours. Was Goodwood auch so besonders macht, ist die Nähe zu den Fahrzeugen, die hier möglich ist. Mal ins offene Cockpit eines Le Mans-Boliden fotografieren, Hans Herrmann, Lewis Hamilton, Nelson Piquet, David Coulthard oder Sir Stirling Moss die Hand schütteln, das Vibrieren des Bodens gleich neben einem Formel 1-Rennwagen zu spüren - so ist das nur in Goodwood möglich.

Da sich das Festival in Goodwood längst zur heimlichen Automobilausstellung auf der britischen Insel gemausert hat, präsentieren immer mehr Hersteller dort auch ihre neuen Automodelle. Skoda zum Beispiel ist nicht nur der Sponsor der Rallye-Strecke ganz oben im Norden des Geländes - im Vorfeld des Festivals hatten die Tschechen auch ihren neuen Octavia RS mitgebracht und unter anderem ein paar Runden über die Rennstrecke gescheucht. Peugeot hatte die R-Version des RCZ im Gepäck, Citroën eine Kombination aus DS3 Racing und DS3 Cabrio. Erstmals in voller Fahrt zu sehen: der 4C von Alfa Romeo.

Goodwood Festival of Speed 2013, Reportage
In einem Zelt hinter dem Goodwood House versteigert Bonhams automobile Kostbarkeiten
Goodwood Festival of Speed 2013, Reportage

Vor allem für die britischen Hersteller ist Goodwood aber ein Heimspiel: Jaguar zeigte den Projekt 7 und Aston Martin seinen CC 100 Speedster. Bentley feierte sein Comeback im Rennsport und ließ den Continental GT3 auf die Strecke. Auch noch in der Premieren-Liste: der Caterham Seven 620R mit 312 PS und der 285 PS starke Vuh105 aus Mexiko.

So ganz nebenbei hat sich hier auf dem Goodwood Festival auch eine der bedeutendsten Oldtimer-Börsen der Welt etabliert. In einem großen Zelt direkt hinter dem Goodwood House versteigert Bonhams automobile Kostbarkeiten. Da stehen dann - trotz der "Do not touch"-Schilder sehr real zum Anfassen - vergammelte Scheunenfunde mit allem Rost am Rahmen und Moos am Fenster neben einem Jaguar E-Type, der so frisch aussieht, als sei er gerade vom Band gerollt. Daneben eine offene Staatskarosse des jugoslawischen Ex-Präsidenten Tito oder ein bestens restaurierter Rolls-Royce, dessen Kühlerfigur man vorsichtshalber gleich festgebunden hat.

Prunkstück in diesem Jahr war der W196 Silberpfeil aus dem Jahre 1954, mit dem Juan Manuel Fangio einige seiner Siege eingefahren hat. Der Wagen ist noch genau so erhalten, wie er zuletzt über die Ziellinie gerollt ist. Er brachte in der Versteigerung einen neuen Rekordpreis: Ein unbekannter Bieter erhielt den Zuschlag bei 19.601.500 Pfund - umgerechnet 22,7 Millionen Euro.

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Fotos: Wolff Goodwood Festival of Speed 2013 http://goo.gl/tOFdv
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