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Reportage  Reportage: Pebble Beach 2012

Fegefeuer



Der Concours d´Elegance in Pebble Beach ist die exklusivste Oldtimerveranstaltung der Welt. Knapp eine Woche lang wird im August der Golfplatz am Pazifik zu einer automobilen Oskarverleihung.

 
 Pebble Beach 2012
  
 Pebble Beach 2012  - Foto: Grundhoff  Pebble Beach 2012 - Foto: Grundhoff  Pebble Beach 2012 - Foto: Grundhoff  Pebble Beach 2012 - Foto: Grundhoff  Pebble Beach 2012 - Foto: Grundhoff  Pebble Beach 2012 - Foto: Grundhoff

Man ist auf den Golfplätzen und gesicherten Privatanwesen rund um die Spanish Bay südlich von Monterey das ganze Jahr möglichst unter sich. Wer den 17-Mile-Drive auf einer touristischen Erkundungstour befahren will, muss 9,75 Dollar Wegezoll in die Kasse der Kommune abliefern. Das hält die meisten der Touristen ab und die Einwohner der Edel-Enklave genießen die sonnig-neblige Ruhe des kalten Pazifiks. Das sieht in der dritten Augustwoche ganz anders aus.

Besucher sind dann herzlich willkommen - zumindest sofern sie sich für automobile Preziosen erwärmen können. Beim elitären Concours d'Elegance auf dem Golfplatz von Pebble Beach zeigen sich die teuersten Oldtimer der Welt einem fachkundigen Publikum und gut 80 Juroren, die über Einzigartigkeit, Restaurierung und Historie richten. Am Ende gibt es strahlende Sieger und Dutzende frustrierte Verlierer.

Alfa Romeo 6C 1750, Hispano Suiza H6C, Mercedes SSK 540, Talbot Lago T 150 oder Rolls-Royce Phantom I - in Pebble Beach gibt es alles zu bestaunen, was in der historischen Automobilwelt Rang und Namen hat. Die meisten Fahrzeuge sind von den Autosammlern an den Rand des erträglichen restauriert - und nicht selten weit darüber über hinaus.

Frank Barcelona ist seit drei Jahrzehnten mit von der Partie. "Hier sind die exklusivsten Oldtimer der Welt zu bestaunen", sagt der ehemalige Pebble-Beach-Juror, "Autos, die es nur einmal gibt, mit seltenen Aufbauten und noch beeindruckenderen Geschichten. Dieses Jahr gibt es eine Sonderausstellung über die Fahrzeuge der Maharadschas - einzigartig."

Der Concours d'Elegance ist weit mehr als ein Sonntagsausflug. Eine knappe Woche dreht sich in dem Dreieck Monterey, Carmel und Laguna Seca alles um die teueren Oldtimer. Während die einen auf dem Kurvengeschlängel von Laguna Seca in historischen Boliden um Sieg und Platz kämpfen, treffen sich die skurrilsten Autofans beim Concours de Lemons in Seaside, um die hässlichsten Autos aller Klassen zu küren. Autobahn-Afficinados zelebrieren derweil nur ein paar Meilen weiter südlich im Carmel Valley bei den "Legends of the German Autobahn" deutsche Automobilkunst vom Typ BMW M1, Porsche 911 oder Mercedes während die Teilnehmer des Concours d'Elegance über den 17-Mile-Drive strabanzen.

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Jahrelange Hinarbeit
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Die meisten Sammler arbeiten zusammen mit hoch bezahlten Restaurateuren jahrelang darauf hin, eines ihrer Schmuckstücke in Pebble Beach in Bestform zu präsentieren. "Der Sieg in den einzelnen Klassen ist bereits ein gigantischer Erfolg", erklärt Frank Barcelona, "doch der Gesamtsieg 'Best of Show' ist nie eine wirkliche Überraschung. Es gibt jeweils nur drei bis fünf Fahrzeuge, die dafür in Frage kommen. Bereits eingeladen zu werden ist eine große Auszeichnung."

Diesmal dauerte es besonders lange, bis ein Gesamtsieger gefunden war und die Juroren sich für den Besten der Besten entscheiden konnten. Letztlich siegte das texanische Ehepaar Paul und Judy Andrews mit einem seltenen Mercedes 680 S Saoutchik Torpedo von 1928. Mit nahezu demselben Fahrzeug war Aldi-Erbe Berthold Albrecht am Start.

Sieger oder Besiegter - das ist wie jedes Jahr Geschmacksache. Die lokalen Seilschaften der Veranstalter scheinen vergleichbar mit denen der Fifa oder dem Internationalen olympischen Komitee. Den Besuchern, die 225 Dollar Eintritt bezahlen, um ein paar Stunden auf dem grünen Parkett mitzutanzen, ist das einerlei. Wo sonst bekommt man den Mercedes 680 S oder den Rolls-Royce EX 17 Sports Tourer von Oldtimermäzen Alexander Schaufler zu sehen?

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Der teuerste Parkplatz der Welt
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Oder den 1930er Packard 740 von Margret Dunning. Die 102jährige Inhaberin ist zum ersten Mal in Pebble Beach dabei. "Ich besitze den Wagen seit 1949 und fahre ihn nach wie vor regelmäßig. Öl- oder Zündkerzenwechsel sind kein Problem. Mein Packard hat vier Gänge und ich fahre alle aus." Sieger der Herzen wurde die rüstige Autoexpertin im Handumdrehen.

Die Parade der besten Klassiker vor dem Clubhauses des elitären Golfclubs von Pebble Beach, wo Jack Nicklaus und Arnold Palmer vor einem halben Jahrhundert ihre größten Golf-Siege feierten, ist nur für Erstlinge der Höhepunkt der Veranstaltung. Einzigartig bleibt vielmehr Atmosphäre in den frühen Morgenstunden, wenn sich ab 5 Uhr in der Früh millionenschwere Oldtimer einen Weg durch die Villengegend bahnen, die Eigentümer nervös an Kleidung und Fahrzeug zetteln und sich der Morgennebel in der Spanish Bay mit Motorensound und spärlichem Scheinwerferlicht durchmischt. Innerhalb von weniger als zwei Stunden wird das Abschlussgrün des Golfplatzes zum teuersten Parkplatz der Welt.

Die meisten der Oldtimersammler sind mindestens zu einzigartig wie ihre automobilen Schätze. Man präsentiert sich, putzt sich heraus und schaut bei der Konkurrenz vorbei. Man kennt sich, schätzt sich, hasst oder akzeptiert sich. Pebble Beach ist Hollywood auf dem Rasen. Eine Mischung aus Wimbledon, der Oskar-Verleihung und dem Fegefeuer der Eitelkeiten.

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Fotos: Grundhoff
Ort: Pebble Beach/Monterey

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