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Reportage  Reportage: CES in Las Vegas

Digitaler Jahrmarkt



Einmal im Jahr wird Las Vegas zum Mekka des digitalen Zeitalters - dann, wenn auf der Consumer Electronics Show die neuesten Entwicklungen präsentiert werden. Auch in der Automobilbereich.

 
 CES in Las Vegas
  
 CES in Las Vegas  - Foto: Wolff  CES in Las Vegas - Foto: Wolff  CES in Las Vegas - Foto: Wolff  CES in Las Vegas - Foto: Hersteller  CES in Las Vegas - Foto: Wolff  CES in Las Vegas - Foto: Wolff

Es ist schon ein überschaubares Grüppchen von Ausstellern aus dem Automobilbereich, das sich da in Halle 8 Nord auf dem Messegelände in Las Vegas versucht, gegen die Übermacht der 3D-Flachbildschirme, der Invasion der iPad-Konkurrenten, der PCs und Notebooks, der Spielekonsolen, High-End-Mediaanlagen und der elektronisch gesteuerten Fußmassagegeräte durchzusetzen. Die Electric Vehicle Techzone der Consumer Electronics Show (CES) nimmt selbst hier in der "North Hall" nur einen kleinen Bereich in Beschlag.

Es sind denn auch vor allem die kleinen Stände der Hi-Fi-Tuner, die hier zu finden sind: Sie vertickern Endstufen von imposanter Größe und Leistung, Tiefton-Lautsprecher, die nur noch mit dem Werkstattkran zu heben sind, Lightshows für die 32 vollverchromten Lautsprecher im Heck der Show-Cars. "Hinter dieser Wand finden sie die lautesten Car-Audio-Ideen der CES 2011" lautet das Versprechen am Stand von Kenwood.

Entsprechend krawallig geht es bei den meisten Ausstellern denn auch zu: Showeffekt und Lautstärke stehen im Vordergrund. Der Nutzwert ist eher nachrangig - etwa bei Vans, in denen schon die Verstärker-Bausteine den halben Laderaum einnehmen und die Lautsprecher den Rest. Wären da nicht die nach Las Vegas-Style relativ knapp bekleideten und mit Silikon getunten Hostessen - man könnte sich fühlen wie auf der Essen Motor Show.

Autohersteller sind in der Halle gerade mal drei vertreten - jeweils mit einem Stand, der angesichts der üppigen Präsentationen in Genf, Frankfurt, Paris oder Leipzig sehr bescheiden ausfällt. General Motors zeigte als Vierter im Bunde im Freigelände einmal mehr sein Elektroauto-Konzept EN-V.

Audi etwa hat eine Art leuchtendes weißes Zeltdach aufgestellt, unter dem sich zwei Autos, ein halbes Dutzend Demo-Displays und jede Menge Besucher finden. Der Audi A8 und der R8 e-tron sind dort ebenso umringt, wie die Exponate von HeadUp-Display, MMI Touch oder 3D-Navigation. Gedrucktes Informationsmaterial gibt's nicht - wer mehr wissen will, liefert seine Visitenkarte ab und bekommt die Prospekt per Post oder eMail. Über den schicken Stand weht beständig der Duft des benachbarten Imbiss-Standes mit chinesischer Wok-Küche.

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Blauer Link
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Etwas weiter hat Hyundai einen Stand und präsentiert dort vor allem sein "Blue Link"-Konzept. Vernetztes Fahren - das gehört nicht nur bei Audi zu den Visionen für die Zukunft. Die Koreaner sind auch in den USA längst in den Premium-Bereich vorgestoßen und haben ihre Limousinen elektronisch aufgerüstet.

Zu den Blue Link-Features gehören unter anderem Hilfssysteme im Falle eines Unfalls - automatisch oder über einen SOS-Knopf werden Rettungsdienste alarmiert und mit genauer Ortsangabe dirigiert, bei einer Panne lässt sich mit einem Knopfdruck der Service rufen, bekommt gleich Fahrzeugdaten und Fehlerdiagnose geliefert und natürlich die Ortsangabe. Einmal im Monat gibt es per eMail einen Bericht über den technischen Zustand seines Autos an den Besitzer. Über eine kostenlose Handy-Nummer lassen sich morgens schon mal aus dem Haus heraus Scheinwerfer, Heizung und Motor starten, die Alarmanlage ruft beim Besitzer an, sobald jemand versucht, in das Auto einzubrechen. Aus dem Internet werden Wetterinformationen gezogen, Benzinpreise der Tankstellen in der Umgebung, Points of Interest, Restaurantbewertungen und mehr. Und wer will, kann seinen Standort direkt aus dem Auto an seine Fans in den sozialen Netzwerken weitergeben.

Mit dem Motion Sensor Mousestick auf der Mittelkonsole hat Hyundai zudem ein alternatives Bedienkonzept für die Bordelektronik vorgestellt - eine Mischung aus Computermaus und Joystick.

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Reifendruck auf´s Handy
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Ford macht auf der CES den dritten Autohersteller im Bunde. Neben Audi-Chef Rupert Stadler, der als erster Vertreter eines ausländischen Automobilbauers zu einer Keynote eingeladen war, gehört auch Ford CEO Alan Mulally zur Liste der Redner, die mit Microsoft-Chef Steve Ballmer beginnt. Auf dem Ford-Stand war es vor allem die zusammen mit Microsoft entwickelte Sprachsteuerung "Sync", die im Blickpunkt stand. Viel Spaß hatten die Standbesucher bei der Präsentation des programmierbaren Schlüssels - nicht gerade neu bei Ford aber augenscheinlich gehört es zu den rudimentären Wünschen vieler Amerikaner, dem Nachwuchs Höchstgeschwindigkeit oder maximale Lautstärke des Radios vorzugeben, wenn man ihm schon das Auto leiht.

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Von den auch in Deutschland relevanten Herstellern von Zubehör haben nur wenige den Weg nach Las Vegas gefunden. Continental zum Beispiel. Auch dort stehen die Vernetzung des Autos und neue Apps im Vordergrund. So gibt es zum Beispiel die App "Filling Assistant", die Informationen und Empfehlungen des Reifendruck-Überwachungssystems TPMS in Realzeit auf dem Smartphone ausgibt. Wer beim Nachfüllen der Reifen nicht weiß, wann der richtige Druck erreicht ist - ein Blick aufs Handy genügt. "AutoLinQ" nennt sich das Konzept dahinter, das Continental zusammen mit der Telekom, Navigon, Navteq und anderen entwickelt.

Oder Garmin. Der US-Hersteller von Navigationssystemen zeigt mit dem nüvi 2460 LT erstmals ein neues Navigationsgerät mit einem besonders großen Bildschirm von 12,7 Zentimeter Diagonale. Personalisierbare Sprachsteuerung, fotorealistische Darstellung von komplexen Kreuzungen gehören ebenso dazu wie Bluetooth oder die erweiterte Planung und Berechnung von Routen. Ausgewertet bei der Routenberechnung werden so zum Beispiel nicht nur aktuelle Baustellen- und Staumeldungen, sondern zum Beispiel auch historische Daten zum Verkehrsaufkommen, die in Relation zu Uhrzeit und Wochentag gesetzt werden. Über Zusatzoptionen lässt sich das Navi zu einem erweiterten Bordcomputer hochrüsten, der zum Beispiel über 4000 Fehlercodes aus der Bordelektronik auslesen und darstellen kann sowie diverse Motor- und Telemetriedaten anzeigt. Dazu wird ein Adapter an die OBD II-Schnittstelle des Autos angeschlossen, der dann die Daten per Bluetooth an das Gerät überträgt.

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Text:  Eine eMail an Jürgen Wolff schicken Auf Artikel linken
Fotos: Wolff
Ort: Las Vegas

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