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Reportage  Reportage: Tokio Motorshow

Ausfahrt verpasst



War das eine Messe - vor zwei Jahren. Die Tokio Motorshow schwang sich erneut zu internationaler Größe auf. Doch 2009 sieht es düster aus: Nur drei Hersteller kommen aus dem Ausland – international ein Trauerspiel.

 
 Tokyo Motorshow
  
 Tokyo Motorshow  - Foto: Grundhoff  Tokyo Motorshow - Foto: Grundhoff  Tokyo Motorshow - Foto: Grundhoff  Tokyo Motorshow - Foto: Grundhoff  Tokyo Motorshow - Foto: Hersteller  Tokyo Motorshow - Foto: Grundhoff

Schwere Zeiten für die japanische Autoindustrie. Die blühenden Geschäfte sind auch dort längst Vergangenheit. Der japanische Nachwuchs begeistert sich für ipod, Handy-TV, Spielzeug, Ausbildung und Beruf – das Auto als Fortbewegungsmittel und rollendes Lustobjekt kommt dagegen kaum noch an. Die einstige Signalwirkung der Tokio Motorshow ist längst von den asiatischen Konkurrenzmessen in Shanghai und Peking abgezogen worden. Den Rest erledigt die Krise.

Auf dem Wachstumsmarkt China will heute jeder vertreten sein. Da strahlen prachtvolle Karossen auf gigantischen Messeständen, sorgen berühmte Stars mit Live-Auftritten für Aufmerksamkeit und Applaus. Im Vergleich dazu kommt einem die 41. Tokio Motorshow vor, wie die Leistungsschau des Metzgereihandwerks in Oer-Erkenschwick.

Die heimischen Hersteller zaudern auf ihrer eigenen Hausmesse, füllen die Hallen mit Spielzeugfirmen, Zulieferern und unzähligen Themenausstellungen auf. Trotzdem sind viele Gänge breiter als die oft mickrigen Stände. Selten gab es so viel leeren Teppich zu sehen, wie im Messezentrum Makuhari. Dass Europäer, Amerikaner und Koreaner die Show in diesem Jahr komplett aus ihrem Terminplan geworfen habe, stellt sich schlicht als Katastrophe heraus. Die Auswirkungen dürften Jahre andauern.

Dabei kommt die japanische Autoindustrie nach schweren eineinhalb Jahren gerade erst mühsam wieder auf die Räder. Die Verkaufszahlen steigen leicht an – nach Monaten der Rezession. Dennoch ist die Stimmung auf der Tokio Motorshow kaum besser als auf den anderen Messen der jüngsten Vergangenheit. Das Bild ist so düster wie kaum je zuvor. Ein Konzept heraus aus der Automobilkrise hat keiner - auch wenn die von Messebauern effektvoll in Szene gesetzten Stromkabel an Ständen und Fahrzeugen den Besuchern etwas anderes vorgaukeln wollen.

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Kei-Cars boomen
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Der Marktanteil der kleinen Kei-Cars wird in Japan selbst immer größer und liegt mittlerweile bei über 30 Prozent. Immer weniger Leute haben genügend Geld, um es in teure Autos zu investieren. Und wenn schon schnell und teuer, dann soll es in den noblen Gegenden von Tokio, Yokohama oder Hiroshima etwas Europäisches sein. Doch Firmen wie Volkswagen, BMW, Mercedes und Porsche fehlen in den Messehallen ebenso wie die anderen bedeutenden Hersteller aus dem Ausland. So sind die echten Neuigkeiten der Show dann auch allein auf den japanischen Markt beschränkt.

Nissan-Chef Carlos Ghosn etwa ließ sich seinen großen Auftritt in dem Hightech-Kabinenroller Nissan Land Glider nicht nehmen und rief das Rennen um "Zero-Emissions" aus. Der Land Glider ist ein 3,10 Meter langes und 1,10 Meter breites Elektromobil, in dem zwei Insassen hintereinander Platznehmen können. So könnte 2010 die Zukunft in Tokios Innenstadt aussehen - hoffen Ghosn & Co..

Deutlich realitätsnäher ist das schon der Nissan Leaf, der als erstes Großserien-Elektromobil Ende 2010 auch nach Europa kommen soll. Mit seinem 80 Kilowatt starker Elektromotor hat der Golf-Konkurrent eine Reichweite von immerhin 160 Kilometern.

Konnte man bei der Messe vor zwei Jahren noch Studien des Audi A1, des BMW 1er Tii oder des VW Space Up bewundern, so kommt aus Deutschland diesmal nur eine winzige Gesandtschaft. Die eine gehört zum BMW-Tuner Alpina, der in den luftigen Messehallen von Tokio die Langversion des B7 BiTurbo zeigt. "Das sind wir unseren lokalen Kunden schuldig", sagt Verkaufsleiter Günther Schuster. "Schließlich feiern wir in diesem Jahr unseren 30. Geburtstag auf dem japanischen Markt. Wir erwarten auf der Messe viele treue Kunden."

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Inspektionstrupp aus Wolfsburg
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Auch Volkswagen wollte sich die ehemals wichtigste Messe auf dem asiatischen Kontinent nicht völlig entgehen lassen. So inspizierte VW-Entwicklungsvorstand Dr. Ulrich Hackenberg die neuen Konkurrenzmodelle von Toyota, Daihatsu, Mitsubishi & Co. aufmerksam zusammen mit seinem Team. Besonders groß war das Interesse der Reisegruppe aus Wolfsburg am Daihatsu-Stand. Ist das kleine Gelände-Cabriolet mit Namen Basket kaum mehr als eine nette Spielerei, so dürfte die schmucke Studie e:s mehr Realitätsbezug haben. Der japanischen Kleinwagen in der Machart eines Mini Cooper will die beiden Begriffe "eco" und "smart" umsetzen. Dank eines kleinvolumigen Triebwerks mit Start-Stopp-System soll der 700 Kilogramm schwere Daihatsu e:s nur rund drei Liter Kraftstoff auf 100 Kilometern verbrauchen.

Ein Designtrend ist auf der 41. Tokio Motorshow klar abzulesen: Für den heimischen Markt müssen es kleine Autos mit einer maximalen Raumausnutzung sein. Das Design von Microvans wie Daihatsu Deca Deca oder dem Tanto ist boxy und fernab aller aerodynamischen Finessen. Doch die Japaner stehen drauf.

Deutlich sehenswerter auch für europäische Augen zeigt sich der neue Nissan Fuga, der nahezu identisch im kommenden Jahr als Infiniti M auch nach Europa kommen wird. Mit einer Länge von 4,95 Metern ist er zwischen 5er und 7er BMW platziert. Angetrieben wird der Fuga in Japan von Sechs- und Achtzylinder-Benzinern.

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Stark - oder günstig
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Noch eindrucksvoller ist der Auftritt des neuen Lexus LF-A. Nachdem der Supersportwagen mit seinem 560 PS starken Zehnzylinder jahrelang nur als Messemodell zu sehen war, feiert er in Tokio seine offizielle Weltpremiere. 325 km/h Spitze muss man mit 375.000 Euro jedoch teuer bezahlen.

Etwas günstiger dürfte das künftige kleine Schwestermodell aus dem Hause Toyota werden. Die Studie des Toyota FT 86 könnte in zwei bis drei Jahren sportliche Realität werden. Für den Antrieb sorgt ein Boxermotor aus dem Hause Subaru.

Honda zeigt auf der Tokio Motorshow einmal mehr die Studie des sportlichen Hybriden CR-Z, den die meisten bereits als Serienversion erwartet hatten. Eine schmucke Mischung aus Elektromobil und Autobianchi A112 ist der Honda EV-N, der die Vision eines Pendlerfahrzeugs von Übermorgen darstellt. Auf Elektroantriebe setzt auch Mitsubishi mit dem PX-MIEV Concept sowie Subaru mit dem futuristischen Hybrid Tourer.

Neuigkeiten über moderne Benzintriebwerke mit Turboaufladung, die Leistung und Verbrauch unter einen Hut bringen, gibt es allein bei Mazda: Die neue Motorengeneration "SKY" soll 2011 auch nach Europa kommen.

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Fotos: Grundhoff
Ort: Tokyo

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