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Reportage  Reportage: Außenstellen in Kalifornien

Am Puls der Zeit



Auf die Frage, wo in wirtschaftlicher Sicht gerade so richtig die Post abgeht, kommen den meisten wohl asiatische Staaten in den Sinn. Doch seit Jahr und Tag werden wichtige Trends ins besondere in Kalifornien geboren – Marken wie BMW, Mercedes und Mazda haben mit ihren Entwicklungslaboren ein Ohr an der Tür.

 
 Außenstellen in den USA
  
 Außenstellen in den USA  - Foto: Hersteller  Außenstellen in den USA - Foto: Grundhoff  Außenstellen in den USA - Foto: Hersteller  Außenstellen in den USA - Foto: Hersteller  Außenstellen in den USA - Foto: Hersteller  Außenstellen in den USA - Foto: Hersteller

Wäre Kalifornien ein eigenes Land, würde es unter den zehn bedeutendsten Staaten der Welt einen grandiosen achten Platz belegen. Das Bruttosozialprodukt ist mit 1,6 Billionen US-Dollar auf Rekordniveau und rund 20 Prozent der am schnellsten wachsenden US-Firmen sitzt zwischen San Diego und San Francisco. Dabei liegt der Focus klar im Bereich Hightech, von bedeutender Autoindustrie fehlt jede Spur – zumindest auf den ersten Blick. Doch genau darum haben deutsche Premiumhersteller wie BMW und Mercedes seit den frühen 90er Jahren eine Außenstelle in Kalifornien. Auch der sportlichste Japaner, Mazda, lässt an seinem Design im Sonnenstaat an der Westküste feilen. Während Mazda und Mercedes in Irvine südlich von Los Angeles Designstudios unterhalten, residiert BMW zusammen mit einer Außenstelle es Bundeslandes Bayern in Palo Alto, 45 Minuten südlich von San Francisco. Am südlichen Ende der San Francisco Bay tummeln sich im weltbekannten Silicon Valley unter anderem Firmen wie Google, Intel, Apple, Ebay, Cisco und Yahoo.

Das BMW-Gebäude ist unscheinbar und nur ein paar Schritte vom durchaus sehenswerten Zentrum entfernt. Keine Spur vom übermächtigen Gebäude des Vierzylinders am Petuelring oder dem immer noch jungen Münchner Entwicklungszentrum FIZ in integrierter Kegelbauweise. „Wir arbeiten hier in unmittelbarer Nähe zu den zahlreichen kleineren und größeren Hightech-Firmen“, erzählt Bernhardo Lopez, der den Stützpunkt seit ein paar Jahren leitet. „Besonders wichtig ist die Nähe zu den Universitäten, mit denen wir bei kleineren Projekten immer wieder zusammenarbeiten“, erzählt er und verweist auf gemeinsame Anstrengungen mit Firmen wie Intel, Google oder Apple. „Manche technische Sachen sehen die Kollegen in München einfach nicht“, unterstreicht er, „genau dafür sind wir hier.“

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Arbeit im kleinen
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Bei einem der aktuellen Projekte geht es um die Fahrzeugsoftware, die bei älteren Gebrauchtwagen zukünftig leichter auf den neuesten Stand gebracht werden kann. So sollen neben der Motorelektronik auch Navigations- und Unterhaltungssysteme immer aktuell sein. Unter anderem wurde in Palo Alto das 7er-Bedienkonzept oder die stimmungsvolle Innenraumbeleuchtung des Mini mit dem hintergründigen Namen „Moonlightning“ entwickelt. Doch es geht auch inhaltsvoller. So arbeiten die BMW-Entwicklung rund um David Bloom und Bernhardo Lopez daran, Individualverkehr und Leitsysteme intelligent unter einen Hut zu bringen. An der Kreuzung 82. Straße und El Camino gibt es in Palo Alto die wohl intelligenteste Ampelanlage Amerikas. Via W-Lan weist sie den Fahrer des Erprobungs-5ers auf die aktuelle Verkehrssituation und die entsprechende Verkehrsregelung hin.

Wann wird die Ampel rot? Darf abgebogen werden oder kommt Gegenverkehr? Notfalls könnte der Wagen von der Ampel zu einer Vollbremsung gezwungen werden. Die Vernetzung macht es möglich. „Der Staat Kalifornien hat hierzu die technische Infrastruktur an der Kreuzung geliefert“, erklärt David Bloom, „mit ihr arbeiten auch andere Hersteller wie Mercedes, VW und Toyota.“ In keinem anderen Staat der USA ist man derart aufgeschossen wie in Kalifornien. Der Landesfürst Arnold Schwarzenegger will seinen Staat als weltweiten Öko- und Hightech-Staat positionieren – wie es scheint mit Erfolg. Der Großteil der knapp 40 Millionen Einwohner des amerikanischen Sonnenstreifens steht hinter ihm.

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Der erste Smart
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Während die Bayern in Palo Alto auf Hightech setzen, steht bei der Mercedes-Außenstelle in Irvine, südlich von L.A., das Design im Vordergrund. So stammen die ersten Entwürfe für Smart-Erstling aus den USA. „Wir haben unsere Arbeit hier im Mercedes-Designstudio im Jahre 1991 aufgenommen“, erzählt Benjamin Dimson, Chef-Designer im Advanced Design Center in Irvine, „unser erstes Projekt war der Vorläufer des ersten Smart.“ Abseits des etablierten Mercedes-Designcenters in Sindelfingen sollten Entwickler frei sein für neue Ideen. Die gab es am einfachsten in Kalifornien. Was heraus kam, kann sich gerade mit Blick auf die heutige Zeit sehen lassen. Das Konzept des praktischen Zweisitzers mit kompakten Abmessungen, Platz für zwei Personen, wenig Kofferraum und der Möglichkeit, quer parken zu können, wurden zukunftsweisend mit dem schwarzen Eco Sprinter umgesetzt.

Der ebenfalls in Irvine entwickelte gelbe Zwillingsbruder Eco Sprinter trug kalifornisches Lebensgefühl in sich, ließen er sich durch Demontage der beiden Dachhälften zum Kleinwagen-Cabriolet umbauen. Die Erwartungen innerhalb des jungen Designteams aus Irvine an den Smart-Vorläufer waren ehemals groß. Doch dann kam die Schreckensmeldung. „Wir waren damals alle unglaublich enttäuscht, als wir Mitte der 90er Jahre hörten, dass der Smart nicht in die USA kommen würde“, erzählt Benjamin Dimson, „umso schöner zu sehen, dass der neue Smart zu uns kommt und die Nachfrage derart groß ist.“

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Hightech eingebaut
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Auch Mazda hat Kalifornien zu seinem Lieblingsziel in den USA gemacht. Im Advanced Design Center in Irvine entstehen zahlreiche Konzeptautos für die Messen. Im Sommer kommt mit dem amerikanischen Mazda6 der größere Bruder des europäischen Modells, das gerade seine Premiere feierte. Größer, stärker und einen Hauch amerikanischer wurde das Design des US-Sechser auch in Irvine gefinisht. Da die Einbindung von elektronischen Systemen, neuer Batterietechnik und Unterhaltungskomponenten in den nächsten Jahren deutlich zunehmen dürfte, wird Kalifornien und das Silicon Valley eine immer größer werdende Bedeutung bekommen – auch in der Autoindustrie.

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