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Reportage  Reportage: Messerundgang Detroit 2008

So tickt Amerika



Die wichtigste US-Automesse hat ihren Tore geöffnet und zeigt bis zum 17. Januar wie Amerika künftig fährt. Leistung und Energiesparen liegen im Trend - der Diesel kommt zögerlich, Elektro ist in aller Munde. Und kaum einer will auf Pickup und SUV verzichten.

 
 Detroit Auto Show
  
 Detroit Auto Show  - Foto: Grundhoff  Detroit Auto Show - Foto: Grundhoff  Detroit Auto Show - Foto: Grundhoff  Detroit Auto Show - Foto: Grundhoff  Detroit Auto Show - Foto: Grundhoff  Detroit Auto Show - Foto: Grundhoff

Eines darf man nicht vergessen: Die USA sind weder mit Asien noch mit Europa zu vergleichen. Die Autos sind größer, sparsame und drehmomentstarke Diesel schier unbekannt und SUV und Pickups für viele eben schlichtweg praktisch. Keine Gefahr also, dass die Detroit Motor Show zum Start des Automobiljahres 2008 zu einer reinen Ökomesse geraten könnte.

Doch angesichts der stark gestiegenen Kraftstoffpreise rührt sich auch im Land der unbegrenzten Möglichkeiten etwas – bei den Kunden und bei den Herstellern. Hersteller wie General Motors, Chrysler und Ford haben wenig erfreuliche Jahre hinter sich. Japaner und Koreaner geben gleichermaßen Gas und schlagen die Amerikaner auf dem Heimatmarkt mit deren eigenen Waffen.

Doch so langsam scheint den ins Straucheln gekommenen US-Giganten ein Licht aufzugehen. Wie man in den Messegängen der Detroiter Cobo-Hall hört, geht das Interesse an der Entwicklung überdimensionierter Achtzylinder zurück. Sie sollen zwar für Topmodelle der SUV und Luxuslimousinen nicht ganz verschwinden, aber an Bedeutung deutlich verlieren.

An ihre Stelle sollen zunächst kleine und deutlich effizientere Sechszylinder mit Benzindirekteinspritzung und in einem weiteren Schritt mit kombinierter Turboaufladung treten. Neidisch schauen viele Firmen nach Europa, wo die ersten kleinvolumigen Vier- und Sechszylinder zeigen, dass sich Leistung, Fahrdynamik und ein geringerer Verbrauch nicht ausschließen.

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Ford lernt sparen
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Flächendeckenden Einzug halten auf der NAIAS 2008 die so genannten Mild-Hybrid-Komponenten. Während Voll-Hybriden bei Fahrten auf Highways und über Land kaum nennenswerte Verbrauchsvorteile bringen und in erster Linie in den Innenstädten punkten können, ist die Implementierung von Boost-Systemen und Start-Stopp-Automatiken deutlich einfacher.

Verbrauchseinsparungen von bis zu 20 Prozent soll eine neue Motorenfamilie der Ford Motor Company bieten, die auf der NAIAS erstmals vorgestellt wurde. Frisch entwickelte "EcoBoost"-Vier- und Sechszylindermotoren kombinieren eine Benzin-Direkteinspritzung mit der Turbo-Aufladung. Die EcoBoost-Motoren werden zunächst auf dem nordamerikanischen Markt in Modellen von Ford, Lincoln und Mercury zum Einsatz kommen.

"Die hoch moderne EcoBoost-Technologie von Ford ist aus Kunden- wie aus Umweltsicht gleichermaßen von großer Bedeutung", erläutert Derrick Kuzak, als Vize-Präsident der Ford Motor Company verantwortlich für die globale Produktentwicklung. "EcoBoost kommt künftig in unterschiedlichen Motoren bei einer großen Bandbreite von Modellen zum Einsatz, die vom Kleinwagen bis hin zu unseren großen Pickups reicht."

Ab 2013 will Ford in Nordamerika jährlich mehr als eine halbe Million Fahrzeuge mit diesen Motoren produzieren. Ihr Debüt feiert die Boost-Technologie im neuen Lincoln MKS. Das Lincoln-Flaggschiff kommt 2009 auf den nordamerikanischen Markt und wird über einen 3,5 Liter großen V6 mit Twin-Turboaufladung verfügen, der voraussichtlich eine Leistung von 340 PS sowie ein maximales Drehmoment von 461 Nm entwickelt.

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Mild-Hybrid für 800 Kilometer
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Vorerst außen vor bleiben die Hightech-Motoren bei der neuesten Generation des Ford F-150, dem meistverkauften Fahrzeug der USA. Der erfolgreiche Pick Up erlebt in Detroit ebenso seine Weltpremiere wie der neue Dodge RAM, der außer mehr Leistung und einer verbesserten Ausstattung nicht viel Neues mitbringt.

Während Dodge auf Bewährtes und Ford auf Turbopower setzt, hat sich der GM-Konzern nicht erst seit der viel beachteten Detroit-Studie Volt auf das Thema Elektroantrieb kapriziert. Der Crossover Cadillac Provog gibt zwar nur einen Ausblick auf die weiterentwickelte E-Flex-Architektur. Doch der Saturn Vue Green Line ist deutlich realer.

In Europa ist der Vue leicht modifiziert als Opel Antara auf dem Markt. Während in Europa für ihn derzeit nur Benzin- und Dieseltriebwerke verfügbar sind, ist der allein als Fronttriebler verfügbare US-Vue Green Line mit einem modernen Benziner ausgestattet. Der 3,6 Liter große V6-Benziner mit Direkteinspritzung und variablem Ventiltrieb wandelt auf BMW-Spuren und ist zudem mit einem Mild-Hybrid-System ergänzt, das die Reichweite auf beeindruckende 800 Kilometer wachsen lässt.

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Super-Passat und Super-Diesel
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Die Vorstellung der deutschen Hersteller beeindruckte nicht nur die amerikanischen Messebesucher. Eines der schönsten Autos auf der Show ist der Passat CC, eine höchst sehenswerte Sportlimousine, die dem Mercedes CLS nicht nur nacheifert, sondern in punkto Design auch erreicht. So schön kann ein Volkswagen sein.

Auch Konzernschwester Audi hat auf der NAIAS einen imposanten Aufschlag. Nicht nur, dass der von Brian Adams live eingeführte 272 PS starke Audi TTS schon für genug Applaus sorgte. Da erdreisten sich die Ingolstädter auch noch, von dem sagenhaften Supersportler Audi R8 eine Vision mit V12-Diesel vorzustellen - Le Mans lässt grüßen. Ein Diesel in einem Supersportler - da verstehen die meisten Amerikaner die Welt nicht mehr. Und die Japaner wundern sich.

Würde es den 500 PS und 1000 Nm starken R8 V12 TDI auf der Messe nicht geben, hätte der Ferrari F 430 das grüne Feigenblatt verdient: Der Renner aus Maranello wirbt in Detroit selbstbewusst mit einem für ihn ungewöhnlichen Bio-Fuel-Slogan. Die Zeiten ändern sich.

Mit BioPower wirbt auch die neue Studie des Saab 9-4x: So sieht die nächste Saab-Generation aus, die wohl im nächsten Jahr auch nach Europa kommt.

Über noch mehr Aufmerksamkeit konnte sich der neue Mercedes GLK freuen, der ab Spätsommer auf beiden Seiten des Atlantiks zu einem Publikumsrenner werden dürfte und in den harten Wettstreit zwischen BMW X3 und VW Tiguan eintritt.

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Fotos: Grundhoff

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