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Reportage  Reportage: Autokauf von Morgen

Locken und verführen



Autos verkaufen ist kein leichtes Geschäft – fragen Sie mal den Händler um die Ecke. Damit der Rubel rollt, entdecken die Hersteller immer neue Wege: Sie bezaubern, locken, verführen und informieren. Image ist alles.

 
 Autokauf heute
  
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Einfach nur rein ins Geschäft und vor dem Schreibtisch des Verkäufers einen Neuwagen bestellen wie ein paar Jeans - das ist für die meisten unvorstellbar. Viele Kunden fühlen sich über den Tisch gezogen, falsch informiert und schlichtweg nicht verstanden. Besonders jüngere Kunden informieren sich umfassend, bevor sie einen Kaufentschluss fassen. Das haben auch die Hersteller rund um den Erdball erkannt.

Besonders in den Wirtschaftsnationen wird der Kampf zwischen den Herstellern immer härter. Ein gutes Produkt allein reicht da schon lange nicht mehr. Und nur mit Schnäppchen-Angeboten und Sonderaktionen kann man auch längst keinen mehr hinter dem Ofen hervorholen.

Für einen ungewöhnlichen Weg hat sich Mercedes-Benz entschieden. Weil der Smart Fortwo in den USA nicht nur verkauft sondern zeitgleich auch als neue Trendmarke eingeführt werden soll, bedient man sich neben den bekannten Vertriebsformen auch Guerilla-Taktiken.

Über Websites und eine üppige Roadshow machte Smart-Vermarkter Penske Stimmung für den Winzling aus Europa. Dabei heraus kamen 50.000 Testfahrten, 30.000 ernsthafte Interessenten - und ein sehenswerter Eingang an Bestellungen.

Damit sich der Smart Fortwo als Trendfahrzeug positioniert, gibt es in der Nähe von Los Angeles, im leicht links-alternativen Szenevorort Venice, ein "Smart-Haus". Der Besuch überrascht: Kein Autotempel mit mächtiger Werbung, sondern ein eher unspektakuläres Reihenhaus auf der Flaniermeile. Weiß getüncht und mit einem gelben Smart auf dem Dach zieht es schon beim Vorbeifahren Blicke auf sich.

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Szene-People
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Das Haus ist modern und hebt sich so von den Holzhäusern, Cafés und Blumenläden der Umgebung ab. Es gibt weder Vorhänge noch Vorbehalte. Wer will, kommt rein und schüttelt Marcus die Hand. Der Kölner ist hier in der überdimensionalen Smart-Lounge der Hausherr – spezielle gecastet selbstverständlich.

"Die Leute kommen rein und schauen sich einfach um", erzählt Marcus Lynch, wie er mit vollem Namen heißt. "Viele haben schon vom Smart gehört. Andere sehen den Wagen zum ersten Mal.“ Das Wohnhaus ist für jedermann geöffnet und ein lokales Refugium für lässige Szene-People. Eine coole Lounge zum Abhängen und sich unterhalten. Ganz nebenbei kann jeder auch auf Testfahrt gehen. Hinter dem Haus stehen zwei bunte Smarts, mit denen man die Region rund um Venice Beach erkunden kann.

Gastgeber Marcus freut sich dann und wann sogar über ein paar L.A.-Promis. "Zuletzt waren Geena Davis, Brandon Boyd und Jessica Biel hier“, erzählt er. In den lässigen Sofaecken wird sich oft verquatscht. Marcus Lynch: "Die meisten bleiben eine halbe Stunde, aber manche haben hier den ganzen Tag verbracht. Ich lebe in und mit dem Haus. Das meiste ist bei den Partys los."

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Nissans Gallery
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Ganz anders und deutlich zurückhaltender verläuft das gleiche Geschäft in Tokio. Auf der Haupteinkaufsmeile Ginza haben sich längst auch Autohersteller niedergelassen. Nur fünf Meter vom turbulenten Straßengeschehen entfernt, schildert eine chic gekleidete Business-Dame in der modern gestylten Nissan Gallery Ginza die Vorzüge des neuen Nissan Skyline.

Das schnittige Coupé ist in den USA als Infiniti G 37 auf dem Markt und soll nun auch die Herzen der gut betuchten asiatischen Großstädter erfreuen. Wer etwas auf sich hält, ist dort derzeit zumeist mit einem deutschen Premiummodell unterwegs.

Die Nissan Gallery ist kein Verkaufsraum, sondern ein schlichter Informations- und Imageort. Hier kann man sich die Vorteile der neuen Modelle wortreich vorbeten lassen. Die zahlreichen Besucher kommen und gehen, nicken höflich und hängen an den Lippen der Moderatorin. Sie zeigt, was der Skyline kann und untermalt ihre Ausführungen durch filigrane Gesten und Hinweise auf den mächtigen Großbildschirmen.

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Cyber-Benz
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Wem das noch zu persönlich ist, der besucht vom eigenen Computer aus die Online-Plattform Second Life. Die virtuelle Mercedes-Benz Second Niederlassung hat dort bereits ihre Tore geöffnet: Die Mercedes–Insel liegt im edlen District South West und hat die Koordinaten 128.128.11.

Über mangelndes Interesse der Second Life-Community können sich die deutschen Autobauer einstweilen nicht beklagen: Die Einweihungsparty der Cyber-Dependance war ein großer Erfolg. Die künstlichen Welten sind ein immer wichtiger werdendes Marketing-Segment: "Mit Second Life nutzen wir eine neue Kommunikationsplattform, um weiterhin konsequent auf unsere bestehenden und potentiellen Kunden zuzugehen", sagt Olaf Göttgens, der für die Markenkommunikation bei Mercedes-Benz Pkw zuständig ist.

Wie ernst man die Cyber-Kundschaft nimmt, macht auch der so genannte "Avator" deutlich. Diese virtuelle Figur arbeitet täglich zu den Hauptnutzungszeiten ihren Dienst auf der Mercedes-Insel und kümmert sich um die Besucher, beantwortet alle Fragen, hilft bei Orientierungsproblemen.

In Second Life hat Mazda den Anfang gemacht. Die Japaner haben ihre virtuelle Insel "Nagare-Island" genannt. Nagare heißt soviel wie "Fluss" oder "Bewegung" und bezeichnet Mazdas neue Formensprache. Natürlich ist es nicht nur die schöne Landschaft, die das Cyber-Volk nach Nagare locken soll. Autofans in Second Life sind eingeladen, eine Probefahrt im Mazda Hakaze zu machen. Im wirklichen Leben ist das Auto noch ein Konzeptfahrzeug. Hier im Cyberspace ist man einen Schritt weiter.

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Text:  Eine eMail an Stefan Grundhoff schicken Auf Artikel linken
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