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Reportage  Reportage: Eos im Cabrioland

Göttin der Morgenröte



Kalifornien ist Cabrio-Land. Und der VW Eos debütierte auch dort erst spät - zu spät, um der etablierten Konkurrenz noch viel Kummer zu bereiten. An der Pazifikküste trafen wir mit ihm Freund, Feind und Ahnen.

 
 Eos im Cabrioland
  
 Eos im Cabrioland  - Foto: Grundhoff  Eos im Cabrioland - Foto: Grundhoff  Eos im Cabrioland - Foto: Grundhoff  Eos im Cabrioland - Foto: Grundhoff  Eos im Cabrioland - Foto: Grundhoff  Eos im Cabrioland - Foto: Grundhoff

Warme Temperaturen, grandiose Landschaften und endlose Highways - es gibt kein perfekteres Cabrio-Land als Kalifornien. Im Bundesstaat des ehemaligen Mucki-Königs Arnold Schwarzenegger kann man das offene Fahren wie kaum anderswo auf der Welt genießen.

Und hier sind nicht nur die einheimischen Cabriomarken Chrysler, Ford und Toyota stark - auch Volkswagen hat in dem autoreichsten Bundesstaat der USA eine besondere Historie. Nirgends sonst gibt es mehr Sonnenanbeter, die noch heute Cabrioversionen von Käfer, Kübelwagen, Golf oder Beetle fahren. Sogar einige offene VW-Bus-Umbauten gab es hier einst Dank lässiger Vorschriften. Und der VW-Bus war schon im "Summer of Love" 1968 eine Ikone der Hippie-Bewegung, die hier von San Francisco ausging.

Beim Start der Tour in San Francisco bekommt der hellblaue Eos bereits Gesellschaft: Auf dem überfüllten Highway 280 in Richtung Downtown rollt ein nahezu identischer Eos mit Frau am Steuer. Trotz sonniger 19 Grad Celsius fest verschlossen. Vielleicht ist sie nur noch nicht in einem der zahlreichen Staus zum Stehen gekommen. Einer der Nachteile am VW: Das vollelektrische Dach öffnet und schließt sich nur bei stehendem Fahrzeug.

Die breiten Highways zwischen San Jose und San Francisco scheinen dem Eos wie auf den Leib geschnitten. Der Fronttriebler ist kein Kurvenreißer, keiner bei dem das forsche Fahren lockt. Die Antriebskräfte in der Lenkung sind nervig. 200 PS und 280 Nm Drehmoment arbeiten gerade beim Anfahren spürbar am Volant. Daran ändert auch die überzeugende Doppelkupplung nichts.

Lust auf ein Windschott kommt nie auf. Die Strecke ins Spielerparadies Las Vegas ist lang. Und so geht es bereits nachts um halb drei über die Bay Bridge in östliche Richtung nach Oakland. Es ist kühl aber nicht kalt und die Sitzheizung tut ihr Bestes.

Auch bei geöffnetem Dach gibt es im Kofferraum genügend Platz für einen großen Koffer und zwei Taschen. Notfalls würde auch die Rückbank helfen - denn in der zweiten Reihe sollte man - abgesehen von sehr kurzen Kurzstrecken - niemanden ernsthaft unterbringen. Be- und Entladen kann man den Eos jedoch nur bei geschlossenem Dach. Sonst gibt es abgebrochene Fingernägel und kaputtes Gepäck.

Der Verbrauch des Vierzylinders hält sich im Rahmen. Modernster Motorentechnik mit Turbolader, Direkteinspritzung und den strengen US-Tempolimits sei Dank liegt der Verbrauch bei unter sieben Litern Super auf 100 Kilometern. Erst nach Sonnenaufgang steht das erste Tanken an. 3,16 Dollar für eine Gallone Super treiben einem angesichts der hohen Benzinpreise in Europa die Tränen in die Augen - die Tränen der Rührung.

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Eos trifft Sebring
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Bei warmem Wetter geht es weiter Richtung Mojave Wüste. Vorbei an der Edwards Airbase und an Barstow bis zum Staatenwechsel nach Nevada. Solche lange Touren machen Spaß. Lässig, ruhig und souverän lässt sich der Niedersachse mit Geburtsland Portugal auch in der US-Spielerstadt nicht aus der Ruhe bringen.

Hier gibt es auch den ersten nennenswerten Fremdkontakt mit US-Kollegen aus der Frischluftzunft. Mehrere Chrysler Sebring Cabriolets werden im Laufe des ersten Vormittags passiert. Der noch junge Sebring ist in den USA der gefährlichste Eos-Gegner und gilt als das meistgebuchte Mietcabrio. Das Platzangebot bei ihm ist üppiger als im auch schon geräumigen Eos.

Die Mietwagen sind durchweg mit einem preiswerten PVC-Dach ausgestattet. Für "echte" Kunden gibt es die Wahl zwischen schickem Stoff und einem vollelektrischen Aludach. Der Sebring setzt zumindest in den USA auf solide V6-Technik mit rund 180 PS. Zum Cruisen auch keine schlechte Wahl.

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Au weia
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Ein paar Meilen weiter Richtung Wynn-Hotel begegnet der VW Eos seinem Vor-Vorvorgänger – zumindest in geschlossener Form. Der beigefarbene Käfer hat schon bessere Zeit gesehen - aber sein Boxer rasselt noch rüstig vor sich hin. Zweifelhaft, ob der Eos auch einmal so ein Klassiker wird. Ehe es zurück geht an die Westküste, gibt es weitere offene Begegnungen - mit dem Ford Mustang Cabrio etwa und dem alles andere als überzeugenden Toyota Solara, der nur in den USA auf dem Markt ist.

Konnte der VW Eos schon an der San Francisco Bay, in der Wüste Nevadas und auf den langen Verbindungsstrecken überzeugen, so schlägt seine große Stunde in Los Angeles. Nirgends sonst in den USA findet man mehr alte Volkswagen. Vom T1-Bully bis zum neuesten Touareg V8 ist alles vertreten.

Im südlich gelegenen Marina del Rey ein kurzer Halt an einem dunklen VW Golf I Cabrio. Au weia, dem ist kaum noch zu helfen. Ein paar Meter weiter ein ehemals dunkelgrüner Classic Line. Sein Dach ist geöffnet. Innen gibt es beiges Leder und die in Deutschland seltene Klimaanlage. Mehr war Anfang der 90er Jahre nicht zu bekommen. Sein Dach war wohl Jahre nicht mehr geschlossen - und das Leder ist selbst von Westcoast Customs nicht mehr zu retten.

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Halbe Ewigkeiten
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Es geht weiter nach Venice. Hier wohnen bevorzugt Szene-People, ein paar Promis und die Alternativen von Los Angeles. Endlich das erste Käfer Cabriolet – in verblichenem gelb mit geöffnetem Dach und undefinierbarer Laufleistung. Schwarze Kunstledersitze und ein kaputtes Pioneer-Radio zeigen, dass der Besitzer Surfbretter lieber mag als seinen Käfer. So sahen die Cabriolets in den frühen 70er Jahren aus. Der Unterschied zum aktuellen Eos: Mehr als eine halbe Ewigkeit.

Beim letzten Tanken in Venice Beach gibt es den ersten echten Dämpfer. Nach ansonsten viel Anerkennung während der vergangenen Tage kommt eine Mittvierzigerin auf den Eos zu und fragt in aller Unschuld: "Sieht gut aus. Ist das der neue Jetta?"

Beim zweiten Hinsehen kann man ihr noch nicht einmal Böse sein - eine gewisse Ähnlichkeit liegt in der Familie. Ändert aber nichts daran: Der VW Eos ist gerade mit dem 2.0-TFSI-Triebwerk eine echte Verlockung für Cruiser. Doch das Design dürfte beim besten Willen etwas schärfer sein. Darüber kann der Eos im Heimatland der Cabriolets noch einiges lernen.

Der VW Eos ist seit seiner Markteinführung das Lieblingscabriolet der Deutschen. Ohne lange zu hadern hat die Klappdachversion die Vorgängermodelle VW Beetle Cabrio und den offenen VW Golf III deutlich hinter sich lassen können. Und auch in den den USA ist der Eos auf dem besten Weg zu einem der erfolgreichsten Cabriolets zu werden. In den ersten fünf Verkaufsmonaten in 2006 verkaufte man bereits 14.200 Fahrzeuge. In diesem Jahr stehen die Chancen gut, den durchaus erfolgreichen US-Beetle hinter sich zu lassen.

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Fotos: Grundhoff

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