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Reportage  Reportage: 60 Jahre VW Bus

Bulli-Parade



Packesel, Familienkutsche, Behörden-Fahrzeug, Hippie-Höhle: Der VW Bulli ist seit 60 Jahren ein Auto für alles und jeden. Eine schillernde Fan-Gemeinde sorgt dafür, dass viele Bulli-Rentner noch immer im Einsatz sind.

 
 60 Jahre VW Bus
  
 60 Jahre VW Bus  - Foto: Viehmann  60 Jahre VW Bus - Foto: Hersteller  60 Jahre VW Bus - Foto: Viehmann  60 Jahre VW Bus - Foto: Viehmann  60 Jahre VW Bus - Foto: Viehmann  60 Jahre VW Bus - Foto: Viehmann

Mit viel Tamtam und einem großen Bulli-Treffen in Hannover hat VW den 60. Geburtstag seines Kultautos zelebriert. Dutzende perfekt restaurierter Klassiker standen auf dem Präsentierteller, die Alt-Rocker und bekennenden Bulli-Fans von "The Who" heizten den Besuchern ein. Die größten Highlights standen jedoch auf dem Freigelände nebenan: Tausende Bulli-Fans aus aller Herren Ländern waren mit ihren Bussen und Campern aufs Expo-Gelände gekommen.

So wie Familie Reglin aus Hamburg. Vater Raphael ist mit seiner Frau Yvonne und den Kindern Merle und Simon in einem T3 Synchro Baujahr 1989 auf Achse. Auf dem Bulli-Treff haben die Kinder ein Pappmodell von Papas Bulli gebastelt. "Der Bus war früher bei der Polizei. Als ich ihn für 2500 Euro gekauft habe, war er aber schon umlackiert – die Polizei hatte ihn in seinen letzten Dienstjahren zum Blitzen benutzt", erzählt Reglin. Und als Zivilfahrzeug: "Wir sind mit acht Leuten plus Gepäck zu einem Musikfestival gefahren", berichtet er weiter. Und er habe sich gewundert, warum der 95 PS-Bulli "selbst bei 140 Sachen noch so gut zieht". Des Rätsels Lösung: "Die Polizei-Bullis hatten keinen Drehzahlbegrenzer."

Für den Hamburger musste es unbedingt ein T3-Bus sein. "Die sind nicht nur erschwinglich, sondern von der Qualität her besser als die frühen T4-Bullis. Außerdem kann man die meisten Reparaturen noch selber machen", sagt Reglin. Der Bulli soll noch lange in Familienbesitz bleiben. Im nächsten Urlaub wollen die Reglins mit ihm nach Schweden und Norwegen fahren.

Auch Stefan Brooks aus Leicester in England kann sich kein anderes Familienauto als den Bulli vorstellen. Er hat aus Kalifornien ein besonders rares Exemplar importiert: Einen T2 Riviera, Baujahr 1978. In den 60er und 70er Jahren gingen Bullis mit Westfalia-Campingaufbau in den USA weg wie warme Semmeln. Um den Bedarf zu decken, rüstete der VW-Händler Riviera Motors aus Oregon einfach selbst Bullis zu Campern um. Stefan Brooks Wohnmobil mit dem aufstellbaren Dachzelt ist im Zweifarbton Panama Braun/Achatbraun lackiert, den es damals nur gegen Aufpreis gab und der perfekt zum schreiend-schönen 70er-Jahre-Interieur des Campers passt.

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Originalzustand ist wichtig
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"Der Bulli fährt sich einfach fantastisch", schwärmt Brooks. Der Wagen hat die Komplettausstattung der damaligen Zeit, darunter einen Tempomat und eine Klimaanlage, die allerdings "extrem viel Sprit schluckt", wie Brooks sagt.

Seine Frau sowie seine 6 und 9 Jahre alten Töchter haben sich sofort in den alten VW-Camper verliebt. "Als er bei uns auf dem Hof stand, haben die Kinder den ganzen Tag im Dachzelt gespielt", sagt Brooks. Seitdem hat der Bulli die englische Familie schon quer durch England und ins Disneyland Paris kutschiert. Als nächstes steht ein Trip durch die schottischen Highlands an.

Stefan Brooks ist zwar kein abergläubischer Mensch, aber vielleicht sei es ja eine übernatürliche Fügung, dass seine Familie ausgerechnet diesen Bulli bekam, meint er: "Der Wagen wurde an einem 22. März gebaut – das ist der Geburtstag meiner Frau. Und die Vorbesitzer haben ihn am Geburtstag meiner Tochter zugelassen. Das kann ja wohl kein Zufall sein." Kleinere Beulen und paar Roststellen an seinem Bulli stören den Engländer nicht. "Schließlich ist es kein Show-Car, sondern ein Alltagsfahrzeug", sagt Brooks. Aber er ist stolz darauf, dass der Wagen im Originalzustand ist – bis hin zu den Polsterstoffen und Walnuss-Schränken.

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Die Bulli-Kommune
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Als Jeronimo Taibl seinen T2-Bulli vor sechs Jahren gekauft hat, konnte von Originalzustand keine Rede sein. "Da hat gar nichts gestimmt – falscher Motor, eine zusammen geschusterte Innenausstattung, der Fahrersitz vom Golf GTI – kaum etwas war original", erinnert er sich. In mühevoller Kleinarbeit hat er den 33 Jahre alten Camper wieder in den Urzustand versetzt. "Ich wollte unbedingt einen T2 mit Westfalias Malaga-Ausbau haben, weil ich in Malaga geboren wurde", erzählt der Lehramts-Student. Bei der Restaurierung hat die studentische Haushaltkasse natürlich Grenzen gesetzt. Aber Kontakte sind in der Bulli-Szene das A und O: "Wenn jemandem deine Nase nicht passt, sind die Teile eben teurer", sagt Taibl.

Sein Bulli hat Schlafaugen über den Scheinwerfern und nur eine Nebellampe. "Das ist eigentlich nicht erlaubt - aber da drückt die Polizei schon mal ein Auge zu", sagt Taibl. Er habe sogar einmal für zwei Semester in seinem Bulli gewohnt, weil in der Studentenstadt akute Wohnungsnot herrschte: "Wir haben mit mehreren Bulli-Fahrern damals sozusagen eine Kommune gebildet, in den Bussen übernachtet, abends gegrillt – es war eine coole Zeit", erinnert sich Taibl.

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Text:  Eine eMail an Sebastian Viehmann schicken Auf Artikel linken
Fotos: Viehmann

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