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Reportage  Reportage: 24-h-Rennen

Die Hölle grünt



Hubraum-Monster mit 500 PS gegen zahme Hybridautos – so etwas gibt es nur auf der Nordschleife. Das legendäre 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring war noch nie so bunt zusammengewürfelt wie in diesem Jahr.

 
 24-h-Rennen
  
 24-h-Rennen  - Foto: Hersteller  24-h-Rennen - Foto: Hersteller  24-h-Rennen - Foto: Hersteller  24-h-Rennen - Foto: Hersteller  24-h-Rennen - Foto: Hersteller  24-h-Rennen - Foto: Viehmann

"Männlich. Kraftvoll. Ehrlich" - so lautet der Firmenslogan von Dodge. Patrick Simon aber ist einfach nur fertig, fertig, fertig. Schweißgebadet sitzt er in der Box, noch in voller Rennfahrer-Montur, während draußen die PS-Ungetüme brüllend vorbeirasen. Simon hat bis eben die rote Dodge Viper pilotiert. Wie viele Runden er gefahren ist? "Ehrlich gesagt – keine Ahnung", schnauft Simon.

Die Rundenzahl wird in der Hitze des Renngefechts genauso zur Nebensache wie die Geschwindigkeit. Mit vier Piloten geht die rote Schlange des Dodge Viper Zakspeed Teams in der grünen Hölle an den Start. "Man hat seinen Drive, achtet nur auf den Verkehr und die nächste Kurve", sagt Simon: "Der Fokus liegt auf dem Überholen. Wenn der Vordermann ein klares Signal gibt, zieht man vorbei - auch an einer engen Stelle. Wenn man merkt, das ist ein unsicherer Fahrer, lässt man es besser bleiben", sagt der Profi-Rennfahrer.

Gemütlich hat er es nicht gerade in dem engen Viper-Cockpit: "Man spürt jede Bodenwelle. Alles, was man anfasst, ist heiß. Urwüchsiger geht es nicht – da ist nichts getürkt", sagt Simon. Kurz nach dem Start hatte sich auch noch der Trinkhalm gelöst, so dass seine Kehle nun so ausgedörrt ist wie das Death Valley in der Mittagssonne. Jetzt wird der Dodge-Pilot erstmal viel trinken, etwas essen, eine Massage bekommen und duschen. Denn in wenigen Stunden muss er wieder auf die Piste - immer im Wechsel mit seinen Kollegen Tom Romeo Coronel, Duncan Huisman und Christophe Bouchut.

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Fön-Frisur bei 300 Sachen
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"Im Cockpit fühlt man sich, als würde man vor einem Fön sitzen", weiß Stefan Rota von Zakspeed. Dämm-Material gibt es nicht – allein die Pedale erreichen Temperaturen bis 100 Grad. "Wir wollten eigentlich noch eine Klimaanlage einbauen, aber wir hatten die Zeit nicht mehr", erläutert Rota. Denn die Zakspeed-Entwickler hatten alle Hände voll zu tun, um den eigentlich 8 Liter großen Zehnzylinder der Viper GTS-R an das Renn-Reglement für die Klasse SP 8 anzupassen. Die Lösung: Zwei Zylinder laufen einfach "leer" mit und werden geschmiert - es wird aber kein Kraftstoff eingespritzt.

Mit vielen Tricks und Kniffen im Motormanagement holen die Zakspeed-Leute aus den verbleibenden nur noch 6,2 Litern Hubraum 510 Pferdestärken heraus. Die Beschleunigung ist stattlich – nach 3 Sekunden zeigt die digitale Tachoanzeige 100 Km/h.

Bei den Motorentests haben sich drei Aggregate verabschiedet – "insgesamt 285.000 Euro waren damit futsch", sagt Rota. Falls während des Rennens etwas schief geht, sind die Mechaniker gut gerüstet: Alle Ersatzteile bis hin zum Austauschmotor sind vorhanden. Zur Not kann das Sechsganggetriebe in 15 Minuten gewechselt werden. Rota: "Nur wenn der Rahmen etwas abbekommt, ist Feierabend."

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Ab ins Öko-Lager
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Auf alle Eventualitäten ist auch das Team von Honda Europe vorbereitet. Neben einem NSX und einem Civic Type-R wagt sich auch ein Civic Hybrid in das gnadenlose Asphaltgetümmel.

Im Leistungsvergleich mit der Viper stinkt der Honda ziemlich ab: Gerade mal 150 PS stehen dem Hybrid-Team zur Verfügung. Im Vergleich zum Serien-Hybrid ist der Civic trotzdem ordentlich gepimpt. Statt 20kw leistet der Elektromotor 30kw. Die Kraftübertragung übernimmt nicht das stufenlose CVT-Getriebe mit seinem berüchtigten Gummiband-Effekt, sondern eine Fünfgang-Handschaltung. "Wir wollen testen, wie sich der Hybrid unter Extrembedingungen schlägt", sagt Markus Thomas, technischer Betreuer des Hybrid-Teams. In Japan sei der Sprit/Strom-Kombinierer schon bei 10-Stunden-Rennen erfolgreich eingesetzt worden.

Der 1080 Kilogramm leichte Öko-Renner wurde von Honda in Japan zusammengebaut. Ein paar Techniker hat die sportliche Nippon-Connection gleich mit an den Nürburgring geschickt. Auch wenn der Civic (Qualifikationszeit: fast 12 Minuten) keine Chance auf eine nennenswerte Platzierung hat - er fährt nicht nur als rollender PR-Gag mit. "Die Fahrer achten nicht auf den Verbrauch – da wird immer volle Pulle gefahren", weiß Thomas.

Trotzdem verbraucht der Hybrid-Honda pro Runde nur rund 3,8 Liter Sprit. Die Viper des Dodge Zakspeed-Teams schluckt ungefähr das Vierfache - ist bei der Hatz um die Nordschleife aber auch mehr als drei Minuten schneller.

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Das 18-h-Rennen
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Auch andere Spritsparer sind beim 24-Stunden-Rennen vertreten. Es gibt sogar eine eigene Klasse für die Super Plus-Verweigerer. In der Klasse "alternative Antriebe" starten neben diversen Dieselfahrzeugen zum Beispiel ein mit Bioethanol betankter Volvo oder ein VW Polo GTI mit Erdgasantrieb.

Am Ende eines der turbulentesten 24-Stunden-Rennen der letzten Jahre, das infolge von Wetterkapriolen nicht nur zwei Stunden später gestartet werden musste, sondern in der Nacht wegen Nebels auch sechs Stunden angehalten wurde, haben trotzdem die traditionellen Spritschlucker die Nase vorn: Das Team von Olaf Manthey auf einem Porsche 911 GT3 RSR setzte sich letztlich gegen die großen Konkurrenten auf der Zakspeed Dodge Viper durch, die Platz zwei belegte. Die Porsche-Piloten von Land Motorsport wurden als Dritte abgewinkt.

Die Ökos landeten in der Gesmtwertung zwar unter ferner liefen – aber sie sorgten für interessanten grünen Zündstoff.

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Fotos: Viehmann

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