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Reportage  Reportage: AMI 2007

Alles wieder gut



Mit Vernunft kann man Autos verkaufen- aber keine Marke. Bei der Leipziger Automesse sind wie gehabt PS-starke Schlitten die Stars. Sparsame Autos gibt es auch – man muss nur in die zweite Reihe schauen.

 
 AMI 2007
  
 AMI 2007  - Foto: Wolff  AMI 2007 - Foto: Wolff  AMI 2007 - Foto: Wolff  AMI 2007 - Foto: Viehmann  AMI 2007 - Foto: Wolff  AMI 2007 - Foto: Wolff

Sie wollen die AMI besuchen? Dann bringen Sie Ihren Führerschein mit. Denn auf der Leipziger Automesse ist nicht nur Schauen angesagt. Hier kann man viele neue Autos auch Probe fahren, bei Chevrolet oder Hyundai zum Beispiel. Auf einer festgelegten Route zwar und mit einem Begleiter auf dem Beifahrersitz – aber welche Messe hat schon diesen Mitmach-Charakter? Auch eine Offroad-Strecke oder Fahrsicherheits-Trainings warten auf die Besucher.

Die Zahl der Premieren hält sichdagegen wie erwartet in engen Grenzen. Das war schon immer so, denn die Autostadt Ost bekommt meist nur die Häppchen zugeworfen, die man nicht schon in Genf, Detroit oder New York verfrühstückt hat. Das Publikum kennt die Autos schon lange aus dem Internet - aber in Leipzig kann man die schicken Schlitten endlich einmal in Natura sehen. Und das ist doch auch schon was.

Hier und da sind dann aber doch ein paar interessante Novitäten eingesprenkelt. Renault beispielsweise zeigt den Scénic Conquest. Der Minivan mit der SUV-Optik ist so offensichtlich ein Konkurrent des VW CrossTouran, dass die Franzosen für das Premiermodell sogar fast die gleiche Farbe gewählt haben – einen rötlichen Kupferton. Wie der Wolfsburger Widerpart ist auch der Conquest ein Blender: Die Offroad-Optik ist nur Show, Allradantrieb oder Unterfahrschutz gibt es nicht. Unter der Haube stecken ein 2,0-Liter Benziner oder ein 1,9-Liter Dieselmotor mit 130 PS. Immer mehr Hersteller springen auf den "Pseudo-SUV"-Zug auf. Hyundai zum Beispiel stellt seinen Winzling Getz in Leipzig als Cross-Variante mit erhöhter Bodenfreiheit und kerniger Optik vor.

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Das Stufenheck ist wieder da
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Ein kleiner Messe-Trend, den wohl keiner so recht erwartet hat, ist das schon vergessen geglaubte Stufenheck. Der Fiat Linea zum Beispiel ist zum ersten Mal auf einer Messe zu sehen. Die Stufenheck-Version des Grande Punto wird in der Türkei gebaut und kommt im Sommer nach Deutschland. Als Motorisierung stehen zunächst nur zwei 1,4-Liter Benziner mit 90 oder 120 PS sowie ein 1,3-Liter Dieselaggregat mit 90 PS zur Verfügung. Wie aus Fiat-Kreisen zu erfahren ist, dürften aber auch stärkere Motorvarianten folgen. Besonders interessant wären sicher die kräftigen und sparsamen Dieselmotoren aus dem neuen Fiat Bravo.

Mit dem klassischen Knick im Heck kommt auch der Suzuki SX4 als Limousinen-Version. Das knuddelige Kompaktauto soll Ende 2007 auf den Markt. Der SX4 1.6 hat einen 107 PS-Motor mit Fünfgangschaltung.

Neues gibt es auch aus Russland. Lada hat seine ganze Palette an Kompakt-Autos mitgebracht. Neben dem schon reichlich angestaubten 2110 wirken die Kompaktmodelle 1118 und 1119 richtig modern. Demnächst soll es den kleinen Russen auch als Kombi-Version geben – in Leipzig ist er schon zu sehen. Die Stufenheck-Version 1118 ist ab 7990 Euro zu haben und damit preislich ein ernsthafter Konkurrent zum Dacia Logan.

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Neues aus Russland
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Und sogar ein völlig neues Modell sei in der Mache, lässt ein Lada-Manager mit Anzug und dunkler Sonnenbrille über seinen Dolmetscher verlauten. Der Lada "Priora" soll größenmäßig in der Golf-Klasse rangieren, wird aber vorerst nur in Russland verkauft. Wahrscheinlich auch als Stufenheck, denn diese Karosserievariante ist in osteuropäischen Ländern nach wie vor sehr beliebt. Warum das so ist, kann sich der Lada-Manager selbst nicht erklären: "Wir Russen haben unser Gepäck eben schon immer so eingeladen, das ist irgendwie unsere traditionelle Mentalität".

Apropos Tradition: Wer glaubte, dass die Hersteller nach der heiß geführten Klima-Diskussion in Leipzig nun vor allem ihre umweltfreundlichen Modelle in den Vordergrund stellen, hat sich getäuscht. Die Rangordnung auf vielen Messeständen ist klar definiert: Die Starken nach vorne, die Sparsamen nach hinten.

Bei Audi zum Beispiel dreht sich der knallrote S5 auf dem Präsentierteller, flankiert vom Q7 4.2 TDI quattro mit 326 PS. Den A4 2.0 TFSI e dagegen hat man weit hinten geparkt. Die e-Modelle beim A3 und A4 sorgen mit reduziertem Gewicht, veränderter Getriebeübersetzung und einer Schaltempfehlungs-Anzeige für weniger Verbrauch. Mit 7,2 Litern auf 100 Kilometern soll sich zum Beispiel der 170 PS starke 2.0 TFSI e begnügen. Der A3 mit 1,9-Liter Dieselmotor soll sogar nur 4,5 Liter verbrauchen und weniger als 120 Gramm CO2 ausstoßen.

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Jurassic Park am Messestand
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Beim Konzernbruder VW stehen Vernunft und Laster dicht nebeneinander. Star der Messe ist der VW Passat BlueMotion (105 PS, Durchschnittsverbrauch 5,1 Liter Diesel). So mancher Besucher wird sich aber eher am Passat R36 satt sehen wollen, der 300 PS auf die Straße bringt. Oft verkauften dürfte sich der rasende Pampersbomber wohl nicht – und damit auch nicht die Umweltbilanz der VW-Palette verhageln. Aber auf PS-starke Imageträger wollen nun mal weder die Hersteller noch viele ihrer Kunden verzichten.

Wie eine Szene aus "Jurassic Park" dagegen mutet gar ein Stand an, auf dem ein Importeur seine SRT-Modelle von Dodge präsentiert. Die Ausstellungsfläche platzt aus allen Nähten, so dass die riesigen Pickups ein Stück über den roten Teppich hinausragen.

Keinen Preis in Sachen Alltagstauglichkeit dürfte auch der Porsche Cayenne Transsyberia gewinnen - aber dafür ist er auch nicht gedacht. Er wurde auf Basis des Cayenne S als Fahrzeug für Langstrecken-Rallyes entwickelt. Seinen ersten Einsatz wird er im August bei der "Transsyberia Rallye" haben, die über Offroadpisten von Moskau quer durch Sibirien bis in die Mongolei führt. 26 Fahrzeuge werden für die Rallye gebaut und von Kundenteams besetzt.

Und am Abend haben die Zuffenhausener sogar noch Konkurrenz bekommen. "Was Porsche kann, können wir auch", verkündete man munter bei Suzuki auf der Party nach der Show: Außer den Porsche sollen auch zwei Suzuki Grand Vitara quer durch Sibirien mitfahren. Dahinter steckt wohl auch ein wenig Überschwang der Gefühle. Tags zuvor war der Grand Vitara von einer großen Fachzeitschrift zum SUV des Jahres gekürt worden. Das spornt an.

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Text:  Eine eMail an Sebastian Viehmann schicken Auf Artikel linken
Fotos: Wolff

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