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Reportage  Reportage: SEMA 2006

American Way of Drive



Mit fast 400 Ausstellern ist die Offroad-Etage in der Messehalle Süd von Las Vegas schon fast eine Ausstellung für sich - und die größte Verkaufsmesse in den USA für alles, was mit vier angetriebenen Rädern zu tun hat.

 
 SEMA 2006
  
 SEMA 2006  - Foto: Wolff  SEMA 2006 - Foto: Wolff  SEMA 2006 - Foto: Wolff  SEMA 2006 - Foto: Wolff  SEMA 2006 - Foto: Wolff  SEMA 2006 - Foto: Wolff

Ein Aufwand, der sich lohnt: Fast jedes zweite in den USA verkaufte Auto rollt unter der Kategorie SUV, Offroader oder (leichter) Truck über den American Way of Live.

Im ersten Stock der Ausstellungshalle herrscht Patriotismus pur. Auf den Ständen gehört die amerikanische Nationalflagge zum Standard-Equipment. Oder wahlweise die der Südstaaten. Und so manches patriotische Spruchband: "Made With Pride In The USA - Mit Stolz gebaut in den USA". Die künstlichen Spinnweben drumrum sind sicher nicht satirisch gemeint.

Ein anderer Hersteller verkauft Spritsparen als revolutionären Akt: "Fight Back" steht auf seinen PickUps, gleich unter dem Wappen des amerikanischen Adlers. Das geht gegen die Ölmultis. Auch in den nicht gerade grün angehauchten USA haben sie mit ihren Spritpreis-Politik für viel Feind und wenig Ehr gesorgt. Zurückschlagen sollen die PickUp-Fahrer - mit Planen für die Ladeflächen. Die, so die Logik des Herstellers, machen die kantigen Kleinlaster windschlüpfriger und damit verbrauchsgünstiger. Zehn Prozent der Benzinkosten lassen sich so planvoll einsparen. Das entspricht 60 Millionen Gallonen Sprit, die den gierigen Multis pro Jahr am Mengen-Umsatz fehlen.

Kunterbunt die Vielfalt an Farben und Motiven, mit denen die schnöden Ackergäule auf ihren vier Breitreifen zu fahrenden Kunstwerken für die Mainstreets zwischen Kalifornien und Florida werden. Giftige Anacondas schauen einen an, spärlich bekleidete Babes lächeln von Tür und Motorhaube. Oder die kräftige Lackierung sorgt dafür, dass man im tristen Wüstenrot nicht unauffällig bleibt. Selbst die Federbeine kommen hier noch metallic-lila oder -grün daher. Ins Extrem gesteigert haben diese amerikanische Sucht nach teurem Kitsch die Felgenhersteller: Von ziselierten Scheibenfelgen aus Edelstahl bis zu rosa Rändern mit ausgeschnittenen Herzen ist alles zu haben. Solange man es bezahlen kann. Der teuerste Satz Felgen kostet hier eine Million. Dollar.

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Melrose Avenue
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Durchgehend in der amerikanischen Offroad-Szene ist seit Jahren der Trend zum nachgerüsteten Fahrwerk. Kaum ein Offroader hier, der noch die normale Flughöhe hat. Oder sich nicht extrem verwindend durch engstes Gelände schlängeln kann. Die Motoren sind meist viel zu schade, um sie unter breiten Hauben zu verstecken - verchromt und bunt lackiert und so bullig, dass man jedes Mehr-PS zu sehen scheint. Und wem der originale Jeep-Motor nicht reicht, für den gibt es IVECO-Lkw-Triebwerke zum Austausch.

Schier unüberschaubar auch das Angebot an Stauboxen, Bullenfängern, Axt- und Gewehrhaltern, Motorwinden oder anderen (über)lebenswichtigen Anbauteilen für das gelegentliche Leben in der Wildnis. Innen dominiert Hightech, edelstes Leder - oder gewichtsoptimierte Kargheit. Und warum nicht mal Flügeltüren wie beim Lamborghini? Vielleicht nicht das Richtige für das Lagerfeuer in der Prärie - wohl aber für den Restaurantbesuch in der Melrose Avenue, West Hollywood.

Ansonsten mischt sich in der Messehalle Kantiges mit Monströsem, Nützliches mit Ausgefallenem, Robustes mit eher Schrottigem. Knapp 400 Aussteller präsentieren sich in der Halle. Hier haben die Mädels, die mit Hingabe die Ausstellungsstücke polieren, wenig an und das Firmenlogo auf dem Oberarm tätowiert. Und die Autos heißen "Suicide Sally", "Bully Dog", "Anaconda", "Skyjacker" oder "Poison Spider".

Passt.

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Text:  Eine eMail an Jürgen Wolff schicken Auf Artikel linken
Fotos: Wolff

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