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Reportage  Reportage: Paris-Peking 8

Stadtmauern & Wolkenkratzer



Warum Tallinn ein bisschen wie New York ist, wie man dort seine Parktickets bezahlt und weshalb uns morgen Wladimir Putin über den Weg laufen könnte: Eindrücke der Etappe von Riga nach Tallinn.

 
 Paris-Peking 8
  
 Paris-Peking 8  - Foto: Viehmann  Paris-Peking 8 - Foto: Viehmann  Paris-Peking 8 - Foto: Viehmann  Paris-Peking 8 - Foto: Viehmann  Paris-Peking 8 - Foto: Viehmann  Paris-Peking 8 - Foto: Viehmann

Unser morgendliches Ritual beginnt nun zum sechsten Mal: Gepäck ins Auto laden, Fotoapparat griffbereit auf den Rücksitz und die Lüftung auf volle Pulle, damit die Scheiben frei werden. Nicht zu vergessen das Wichtigste: Das Roadbook studieren. Aber mittlerweile können wir problemlos navigieren - selbst im Verkehrsgetümmel baltischer Großstädte, in denen jeder Straßenname klingt wie ein neues Ikea-Regal.

Wir verlassen Riga und steuern gen Norden. Die Landschaft erinnert an Schweden und Finnland, die Straßenführung nimmt schon fast australische Ausmaße an: Mehr als 100 Kilometer geht es stur geradeaus. Eine Fahrbahn, wie mit dem Lineal gezogen. Aus den Boxen schallt Country-Musik. Die CD haben wir in den letzten Tagen zwar schon ´zig mal gehört - aber wenn man stundenlang "on the Road" ist, gibt es einfach nichts Besseres.

Kurz vor der Grenze zu Estland kommen wir schließlich zum ersten Mal an die Ostsee. Lange Sandstrände, duftende Kiefernwälder - schöner ist die deutsche Ostseeküste auch nicht. Nur der an vielen Stellen im Wald abgekippte Müll trübt das Bild etwas. Wir lassen kurz die müden Füße im kühlen Meer baumeln und klemmen uns dann wieder hinters Steuer.

Der Grenzübertritt nach Estland geht reibungslos vonstatten. Und nach Tallinn ist es nicht mehr weit. Von Riga waren wir ja schon beeindruckt. Aber Tallinn setzt dem noch eins drauf. Etwa jeder vierte der rund 1,5 Millionen Einwohner Estlands wohnt in der Hauptstadt. Als wir in die Innenstadt kommen, staunen wir nicht schlecht - ein bisschen erinnert uns das an New York. Blitzblanke Hochhäuser recken sich in den Himmel, dazwischen eine kleine historische Kirche. Manchmal finden sich sogar alte Holzhäuser direkt neben der nagelneuen Glasfassade einer Bank. Tallinns Juwel ist jedoch der von Stadtmauern umgebene Altstadt-Kern. Im Mittelalter war Tallinn die am weitesten östlich gelegene Hansestadt. Die erhöht gelegene Altstadt wirkt, als seien die Jahrhunderte fast spurlos an ihr vorüber gegangen.

In Estland - etwa so groß wie Niedersachsen und kleinster der drei baltischen Staaten - ist von der ehemaligen Ostblock-Tristesse kaum noch etwas zu spüren. In Sachen Internet etwa ist die junge Republik fortschrittlicher als viele westeuropäischen Länder - Parktickets zahlt man mit dem Handy, das estnische Kabinett hält seine Sitzungen sogar per Computer-Netzwerk ab ("E-Government"). Als Estland 1991 unabhängig wurde, hätte man den russischen Soldaten am liebsten sofort Koffer und Raketen vor die Grenze gestellt. Doch erst 1994 ging der letzte Soldat zurück nach Russland. "Wir haben damals eine riesige Party gefeiert", erzählt uns eine junge Estin.

Es fällt uns schwer, das wunderschöne Tallinn morgen schon zu verlassen. Aber Mütterchen Russland wartet jetzt auch auf uns. Die Organisatoren von Mercedes haben uns schon vorgewarnt - der Grenzübertritt könnte Stunden dauern, wir dürfen nur in einer exakt festgelegten Reihenfolge passieren, Aussteigen und fotografieren sei eine ganz, ganz schlechte Idee. Und da die russische Polizei schon haarklein über uns informiert wurde, wird sie ihre Radarpistolen wohl bereits entsichert haben. Zu allem Überfluss soll morgen auch noch der russische Präsident Wladimir Putin in unserem Ziel St. Petersburg zu Gast sein - die Sicherheitsvorkehrungen dürften also enorm sein.

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Text:  Eine eMail an Sebastian Viehmann schicken Auf Artikel linken
Fotos: Viehmann

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