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Reportage  Reportage: BMW TrackTrainer

Ein bisschen Schumi



Immer im Kreis rum - das kann doch nicht so schwer sein? Denkste. Auf die Ideallinie kommt es an. BMW hat ein neues Schulungs-System entwickelt. Der TrackTrainer bringt den Fahrer auf Linie – zentimetergenau.

 
 BMW TrackTrainer
  
 BMW TrackTrainer  - Foto: Hersteller  BMW TrackTrainer - Foto: Hersteller  BMW TrackTrainer - Foto: Hersteller  BMW TrackTrainer - Foto: Hersteller  BMW TrackTrainer - Foto: Hersteller  BMW TrackTrainer - Foto: Hersteller

Tatort: Hockenheimring. Mit quietschenden Reifen rast der BMW 330i durch die Mobil 1-Kurve. In der Ferne taucht schon die Sachs-Kurve auf. Jetzt bloß nicht die Konzentration verlieren. Vollgas geben, leicht nach links, dann in einer sauberen Linie auf den rechten Kurvenrand zu. Der Adrenalinpegel steigt, der Tacho klettert auf 100. Runterschalten, bremsen. Nur nicht den Einlenkpunkt verpassen!

Wie ein Tonband laufen in meinem Kopf noch die letzten Ermahnungen des Fahrtrainers ab: "Zu früh innen, zu früh außen – draußen!" Aber diesmal haut es tatsächlich hin. Der Beweis: Die roten Lämpchen am Armaturenbrett bleiben aus, das Lenkrad vibriert nicht, kein Signalton schrillt durchs Cockpit. Ich habe die Ideallinie perfekt getroffen – für dieses Mal. Aber zum Jubeln bleibt keine Zeit. Am Ausgang des Motodroms wartet schon die nächste Kurve, und bei der lag ich bis jetzt jedes Mal daneben ...

Die Ideallinie ist sowas wie die heilige Kuh jedes Rennfahrers. Sie exakt zu treffen, ist für Profis ein Muss und für Amateure zumindest ein Erfolgserlebnis. BMW will ab dem nächstem Jahr in das Fahrer-Training für Fortgeschrittene ein Hightech-System integrieren, mit dem die Trainingsteilnehmer genau für diese Ideallinie geschult werden.

Rote Leuchtdioden zeigen an, ob man die Linie erwischt hat - oder zu weit links oder rechts liegt. Für jede Seite gibt es jeweils drei Dioden, die auf dem Armaturenbrett vor der Windschutzscheibe angebracht sind. Blinken drei rote Lichter, ist man deutlich daneben. Bei zwei roten LEDs wird es schon wärmer. Eine ist schon nicht schlecht - doch erst wenn gar nichts leuchtet, kann man sich ein bisschen wie ein Profi-Rennfahrer fühlen.

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Jäger der verlorenen Linie
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Aber woher weiß der silbergraue Dreier mit dem breiten "Training"-Schriftzug an der Seite so genau, wo sich die Ideallinie befindet? Hat Schumi persönlich seine Hand auf die Haube gelegt und das Schulungs-Auto zum Kurvenkünstler gesalbt?

Nicht ganz. BMW ließ Profi-Testfahrer mehrmals die Ideallinie fahren und hat diese Daten gespeichert. Neben der Linie haben die BMW-Ingenieure dabei auch Parameter wie Querbeschleunigung, Lenkeinschlag oder Gaspedalstellung registriert. Der Trainings-Dreier erkennt die Ideallinie bei jeder neuen Runde selbständig wieder – per GPS. Das eingebaute System ist dabei wesentlich feinfühliger als das Reise-Navi aus dem Kaufhaus. Bei der Jagd um den Rundkurs geht es schließlich um Zentimeter.

Das Training läuft in drei Stufen ab. Zuerst setzt man sich mit einem Trainer in ein spezielles Demo-Fahrzeug. Das umrundet den Kurs völlig selbständig, so dass man sich die Ideallinie schon mal einprägen kann. Dass Autos mit GPS-Technik wie von Geisterhand fahren können, hat auch VW schon mit seinem Fahrroboter "53+1" bewiesen. Beim Demo-Dreier von BMW beeindruckt die Geschwindigkeit: Mit einem Affenzahn rast der Wagen um die Kurven. Der Trainer hält die Hände zwar immer leicht am Lenkrad – man weiß ja nie – aber das Auto findet von allein seinen Weg.

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Eins, zwei, drei
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Die zweite Trainingsphase läuft in den "Feedback-Fahrzeugen" ab. Die fährt man selber. Aber die Wagen haben schon die LEDs an Bord. Sie leuchten, sobald der Wagen von der Ideallinie abweicht. Alternativ kann man sich auch durch eine Vibration am Lenkrad, ein akustisches Signal oder alle drei Systeme zusammen korrigieren lassen. Dazu reicht ein Knopfdruck auf einer kleinen Box vor dem Schaltknüppel.

Diese Box dient auch als Datenspeicher – jeder Schüler bekommt einen kleinen Speicherchip, der minutiös jede Fahrt aufzeichnet. Ein Fahrtrainer kann dann am PC die Daten auswerten – das ist dann die dritte Trainingsphase. Ein kleiner Film mit Pixel-Autos und eingezeichneter Ideallinie zeigt genau, an welchen Streckenabschnitten man noch arbeiten muss.

Die Fahrleistung wird in Prozentpunkten bewertet. Über 70 Prozent Ideallinie getroffen ist schon nicht schlecht. Bei 80 bis 90 Prozent gibt man einen guten Testfahrer ab. Auch Ausreden wie "Ich war nicht zu schnell" oder "Da hab ich aber gar nicht zu spät gebremst" ziehen beim Co-Piloten Computer nicht. Das System merkt sich sogar genau, wann das Auto im Grenzbereich gefahren wurde oder wie oft das ESP eingreifen musste.

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Stückchenweise besser
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Nach der Auswertung geht’s wieder zurück zur Phase Zwei: Rein ins Auto und ab auf die Strecke. Und da liegt der enorme Spaß- und Emotionsfaktor. Man sieht bei jeder Fahrt, wie sich die Leistung stückchenweise verbessert. Wenn man die Angst-Kurve dann doch wieder verhauen hat, möchte man am liebsten anhalten und sich heulend im Kiesbett wälzen. Aber da muss man durch. Skifahren lernt man schließlich auch nicht an einem Tag. Zwischendurch kann man sich auch einen menschlichen Fahrtrainer auf den Beifahrersitz holen. Denn den kann auch ein noch so ausgefeiltes System nicht ganz ersetzen.

"Die Idee ist schon etwas verrückt. Aber wenn etwas verrückt ist, sollte man es auch machen", sagt Raymond Freymann, Forschungsleiter bei BMW, über den TrackTrainer.

Die Bayern wollen ihren Strecken-Fundus für die elektronischen Linien-Lehrer nach und nach weiter ausweiten. Schließlich findet das Perfektions-Training nicht nur auf dem Hockenheimring, sondern auch auf dem Nürburgring und auf anderen europäischen Rennstrecken statt. Auf der Nordschleife allerdings wird es den GPS-Trainer vorerst nicht geben – sie ist einfach zu komplex.

Eine ordentliche Portion Ehrgeiz muss schon dabei sein, wenn man sich auf das Abenteuer Ideallinie einlässt. Das versteht freilich nicht jeder. "Du bist doch kein Rennfahrer – wieso musst du denn unbedingt diese blöde Linie treffen?" fragte neulich ein kopfschüttelnder Kollege. Blöd ist nicht die Linie, blöde ist die Frage. Warum klettern Bergsteiger auf den Mount Everest? Weil er da ist. Wenn das nicht Grund genug ist ...

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Text:  Eine eMail an Sebastian Viehmann schicken Auf Artikel linken
Fotos: Hersteller

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