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Reportage  Reportage: 24-h-Rennen am Nürburgring

David gegen Goliath



Unterschiedlicher könnte es kaum sein. Ein betagter BMW 318is gegen einen Werks-Maserati GranSport. 150 gegen 470 PS, Amateure gegen Profis – auch das ist das 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring.

 
 24-h-Rennen
  
 24-h-Rennen  - Foto: press-inform  24-h-Rennen - Foto: press-inform  24-h-Rennen - Foto: Hersteller  24-h-Rennen - Foto: press-inform  24-h-Rennen - Foto: press-inform  24-h-Rennen - Foto: Viehmann

Echte Rennsportfans zieht es nicht (nur) zur Formel-1 oder nach Le Mans. Höhepunkt des Jahres ist für viele eher das legendäre 24-Stunden-Rennen auf der Nordschleife des Nürburgringes. Kein Autorennen ist schwerer, keines materialfressender - und kein Rennen zeigt die Unterschiede zwischen den einzelnen Fahrzeugklassen deutlicher als die Jagd durch die Grüne Hölle.

Das Wetteifern von Maserati, Viper, Mini, BMW, Mercedes, Porsche, Lamborghini & Co. fand in diesem Jahr zum 34. Mal statt. Die knapp 200.000 Zuschauer konnten nach dem Wetterflop im vergangenen Jahr endlich wieder einmal grandiosen Sonnenschein genießen. Trotzdem gab es nicht nur spannende Wettkämpfe, sondern auch zahlreiche Un- und Ausfälle.

Das Engagement der Werksteams glich in diesem Jahr eher einem Trauerspiel. Opel, Mercedes, Audi oder BMW hatten sich lange vorher schon entschieden, dem Traditionsrennen mit ihrer ersten Garde den Rücken zu kehren. So mussten die Profi-Privatiers wie Alzen, Manthey oder Stuck die Kohlen aus dem Feuer holen.

Zum ersten Mal nahm Maserati mit zwei werksunterstützen GranSport an dem Ritt über die Eifel-Achterbahn teil. Besonders das 470 PS starke Erprobungsmodell eines Maserati GranSport Laboratorio wurde nicht nur wegen seines knalligen Sounds schnell zu einem der Publikumslieblinge. Am Steuer des schwarz-grünen Coupés sollten das Rennfahrertrio Michael Bartels, Andrea Bertolini und Eric van der Poele der etablierten Konkurrenz von Porsche, Dodge und BMW Angst machen. Zudem schickten die Italiener noch einen zweiten Wagen ins Rennen: Einen seriennahen GranSport Trofeo S - immerhin mit 425 PS unterwegs.

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Mit Vollgas durch die Grüne Hölle
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Auf der einen Seite das professionelle Werksteam mit Rennsporterfahrung - auf der anderen die engagierten Privatiers. Das ist seit 1970 der Reiz des 24-Stunden-Rennens. Der Anspruch der Privatfahrer von ROMI-Racing auf eine Top-Platzierung zum Beispiel war kaum kleiner als der von Maserati.

In der Gesamtwertung ist mit 150 PS und einem in die Jahre gekommenen BMW Coupé natürlich nicht sehr viel zu machen. Doch in der Klasse V2 wollte das Fahrerquartett, bestehend aus dem Studenten Sebastian Krell, dem Rechtsanwalt Hanjo Hillmann, Stefan G. Viehmann und Johann G. Riecker, vorne mitmischen. Eine hohe vierstellige Summe zahlt jeder von ihnen, um beim Rennen an den Start gehen zu dürfen. Den Rest schoss der Sponsor, der brasilianische Werkzeughersteller ROMI bei, mit dem Riecker geschäftlich verbandelt ist.

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Paralleles Universum
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Bei Profis wie Bartels, Bertolini und van der Poele ist die Sache klar. Doch warum schlagen sich ganz normale Menschen 24 Stunden auf der schwierigsten Rennstrecke der Welt um die Ohren - und zahlen auch noch drauf?

Sicher, die Atmosphäre beim 24-Stunden-Rennen ist mit nichts zu vergleichen. Aber die Grüne Hölle wird auch zu einer Flucht aus der Welt der Akten und Bilanzen in ein schwarz-weiß-geflaggtes Parallel-Universum. Eines, in dem sich kühle Rechner in heißblütige Rennfahrer mit Benzin im Blut verwandeln. "Oft habe ich noch Anzug und Krawatte an, wenn ich zum Ring komme", sagt Fahrer Stefan Viehmann, im bürgerlichen Leben Manager bei einem Logistikunternehmen. Sobald die Hobby-Piloten den Eingang zum Fahrerlager passieren, zählen nur noch der Sound der Motoren und der Geruch von Gummi. "Vielleicht sind wir ja alle ein bisschen bekloppt", gibt Teamchef Marco Keller zu und geht grinsend zurück in die Box.

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Familiensache
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Schon die beiden Trainingssitzungen zeigten nicht nur die zeitlichen Unterschiede zwischen Werksteam und Hobbypiloten. Während der Maserati Laboratorio an den Top Ten kratzen will, hatte man beim ROMI-Motorsport große Probleme: Das Triebwerk hat für eine schlaflose Nacht gesorgt. In einem Trainingslauf ist ein Ventil abgerissen. Motordefekt – das Aus schon 18 Stunden vor der Startflagge?

Zwar hat das Team ein Ersatzaggregat mit. Aber auf einen kompletten Motorwechsel sind die Schrauber nicht eingestellt. Schnell wird das Team-Zelt zur Behelfswerkstatt umfunktioniert. Den Mechanikern fehlt ein Motorkran. "Zum Glück ist die Hilfsbereitschaft der anderen Teams enorm. Das ist wie einen Riesen-Familie hier", sagt Marco Keller. Der Motorwechsel klappt, bis morgens um vier wird ohne Pause geschraubt. Dann geht es mit einer roten Nummer auf eine kurze Testfahrt durch die Eifel: Die Maschine läuft.

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Totalschaden
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Der Start steht bevor. Die Anspannung wächst spätestens dann, wenn es in die Startaufstellung geht. Die ersten zwei Stunden wird zumeist ohne großes Risiko gefahren. Läuft der Wagen ideal? Kann man das Tempo der Konkurrenz mitgehen? Gibt es technische Probleme? In den Boxen von Maserati und ROMI-Racing blickt man nach den ersten Stopps nur in lachende Gesichter. Die Zeiten sind gut.

Hightech in der Werksschmiede, die professionell die Telemetriedaten des Erprobungswagens ausliest und den Piloten wechselt. Beim Privatteam mit dem weißen BMW 318is geht es rustikaler zu. Die Fahrer tauschen sich beim Boxenstopp kurz aus. Reifenabrieb, Abstimmung und Wassertemperatur – alles im grünen Bereich. Es geht weiter.

Der Maserati hat sich bereits seit dem Training nicht nur bei den Fans, sondern auch bei der Konkurrenz einen Namen gemacht. Nach dem ersten Stopp wurden die Top Ten im Gesamtklassement geknackt. Kurze Zeit später ist man bereits auf Platz fünf – vor Platzhirschen wie Dodge Viper und Porsche 996 GT3. Auf dem Weg zum Podium läuft alles prächtig, als es bei einer Überrundung vor Breitscheid zu einem folgenschweren Überholmanöver kommt. Der Maserati mit Eric van der Poele am Steuer und ein Golf kommen sich die Quere – beide Autos erleiden einen Totalschaden. Die Stimmung von Italienern und Maserati-Fans an der Strecke ist am Boden.

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Renn-Dreier
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Derweil zieht das ROMI-Team in aller Ruhe seine Runden. "Wir können nicht mal eben einen neuen Motor einfliegen lassen", sagt Marco Keller, Teamchef von ROMI Racing. "Bei uns muss alles Low-Budget sein." Das Team geht mit einem BMW 318is Coupé von 1995 und einem 18 Jahre alten M3 an den Start. "Das 3er Coupé war ein echtes B-Auto, hatte 150.000 Kilometer auf der Uhr", sagt Keller, der einen Kfz-Meisterbetrieb in Eschweiler führt. So wurde der "is" mit dem 150 PS-Vierzylinder zu einem Renn-Dreier, mit dem ROMI-Racing Langstreckenpokal und 24-Stunden-Rennen fährt.

Die kurz aufgekeimten Hoffnungen auf eine Reparatur des Maserati GranSport Laboratorio sind schnell verflogen. Der komplette Vorderwagen ist verzogen, das ganze Chassis ebenfalls stark beschädigt. "Wir haben großartig performt, obwohl wir den Wagen nur einmal kurz auf dem Adria-Race-Track testen konnten", kann der deutsche Pilot Michael Bartels seine Enttäuschung nicht unterdrücken: "Ohne Ausfall wäre ein Platz unter den ersten fünf in jedem Fall drin gewesen."

In der Firmenzentrale von Maserati gibt es bereits Überlegungen, beim 24-Stunden-Rennen im nächsten Jahr wieder zu starten. "Ein Start im nächsten Jahr ist durchaus möglich. Wir haben gezeigt, dass wir mit dem GranSport absolut konkurrenzfähig sind", sagt Maserati-Pressesprecher Andrea Cittadini: "Wir wollten ins Ziel kommen und so insbesondere unsere Zuverlässigkeit unter Wettkampfbedingungen unter Beweis zu stellen. Das hat zumindest mit dem zweiten Fahrzeug geklappt."

In der Tat: Am Ende kommt der zweite Maserati ohne Probleme ins Ziel. Unterm Strich steht im Gesamtklassement mit 125 Runden ein 37. Platz. In seiner Klasse erreicht er Platz 5. Trotz des Unfalls ist man damit nicht unzufrieden bei den Norditalienern.

Auch bei ROMI-Racing knallen die Korken. Man ist froh, nach harten 24 Stunden ins Ziel gekommen sein. Im Gesamtklassement belegte man mit dem 3er-Coupé nach insgesamt 116 Runden Platz 71. In der Klasse V2 der Fahrzeuge bis 1,8 Litern Hubraum langte es zu einem sehr guten 6. Platz.

Sowas macht auch hier Lust auf eine Fortsetzung im nächsten Jahr.

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Text:  Eine eMail an Sebastian Viehmann / Stefan Grundhoff schicken Auf Artikel linken
Fotos: Viehmann

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