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Ratgeber  Ratgeber: Die Fahrräder der Autobauer

Strampeln statt tanken



Graziöse Rennräder von Alfa Romeo, Kinder-Bikes von BMW und Hybrid-Fahrräder mit iPod-Steuerung von Porsche: Immer mehr Autohersteller entdecken die Lust am modernen Drahtesel.

 
 Fahrräder der Autobauer
  
 Fahrräder der Autobauer  - Foto: Viehmann  Fahrräder der Autobauer - Foto: Viehmann  Fahrräder der Autobauer - Foto: Hersteller  Fahrräder der Autobauer - Foto: Hersteller  Fahrräder der Autobauer - Foto: Viehmann  Fahrräder der Autobauer - Foto: Hersteller

Abzocke an der Tankstelle, Schreckgespenst Maut, überfüllte Züge und wegen Vulkanasche stillgelegte Flughäfen - Mobilität ist in diesem Tagen nichts, was auch nur den Hauch von Freude bereitet. Da bleibt bei frühlingshaften Temperaturen nur der Griff zum Fahrradlenker. Und solange sich die Politik keine Strampel-Steuer einfallen lässt, ist wenigstens Radfahren entspannend und kostenlos.

Rund 67 Millionen Fahrräder gibt es nach Informationen des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) in Deutschland. In jedem Jahr kommen mehr als 4,5 Millionen Drahtesel dazu. Ein gutes Fahrrad lassen sich die Deutschen etwas kosten: Im Schnitt würden sie 570 Euro für ein neues Rad auf den Tisch legen, hat der Club in einer Studie herausgefunden. Manche Käufer würden sogar deutlich mehr als 1000 Euro hinblättern.

"Da ist noch Potenzial im Markt, wenn die Händler ihre Kunden von der guten Qualität der Fahrräder überzeugen können", meint der ADFC-Bundesvorsitzende Karsten Hübener. "Im Gegensatz zum Automarkt, wo die Abwrackprämie ja vor allem billige Autos gefördert hat, steigt der Durchschnitts-Verkaufspreis für Fahrräder jetzt an."

Kein Wunder also, dass auch Autobauer hochwertige Drahtesel im Angebot haben und damit quasi die Zahlungsbereitschaft für klangvolle Markennamen von vier auf zwei Räder hinüber retten wollen. So werden zum Beispiel im Alfa Romeo-Designzentrum Centro Stile elegante Rennräder entworfen. Das Alfa Romeo Competizione mit seinem Karbonrahmen soll an den Sportwagen 8C erinnern und laut Hersteller starke Emotionen vermitteln – genau wie die Autos der italienischen Marke. Allerdings muss man für das schicke Rennrad auch rund 4800 Euro auf den Tisch legen.

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Tradition
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Zweiräder haben bei vielen Autoherstellern sogar eine lange Tradition. Die berühmte Marke NSU verdiente einst ihre Brötchen mit der Massenproduktion von Fahrrädern, Opel verkaufte bis 1940 Drahtesel. Bei Peugeot gehörten die Räder schon immer fest zur Produktpalette. Rund ein Dutzend Modelle vom Mountainbike bis zum Kinderrad haben die Franzosen im Angebot und gewähren auf ihre Velos zwei Jahre Garantie.

BMW setzt mit dem Kidsbike schon zweieinhalbjährige Nachwuchs-Piloten in den Sattel. Das Rad wächst mit seinem Fahrer mit: Für Kleinkinder dient es als reines Laufrad, später lassen sich die mitgelieferten Pedale anbringen. Als Nebeneffekt erhofft sich BMW wahrscheinlich eine frühe Markenprägung der lieben Kleinen auf Blauweiß. Genau wie bei ihren vierrädrigen Modellen bieten die Autohersteller für ihre Velos reichlich Zubehör an, alles im Markendesign natürlich – so können Radfahrer sich schon einmal an die Aufpreispolitik gewöhnen, wenn der Kauf eines Autos ansteht.

Michael Macht, seines Zeichens Chef des Sportwagenbauers Porsche, hat ebenfalls ein Faible für Zweiräder und ließ seine Ingenieure ein Hybrid-Fahrrad entwickeln. Das Mountainbike Porsche Hybrid RS hat einen leichten Karbon-Rahmen und einen elektrischen Nabenmotor mit Direktantrieb, der ohne zusätzliches Getriebe bis zu 450 Watt auf das Hinterrad bringen kann. Die Energie liefert ein Lithium-Mangan-Akku, der anstelle der Trinkflasche am Rahmen angebracht ist. "Die Hybrid-Technik wirkt als Reichweiten-Verlängerer und erlaubt generös kalkulierte Routenplanung", sagt Porsche-Chef Macht.

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iPhone als Regler
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Der Antrieb wird per Drehmoment-Sensierung geregelt: Sobald man in die Pedale tritt, liefert der Motor zusätzliches Drehmoment und verstärkt damit die reine Muskelkraft des Fahrers. Das fühlt sich in etwa so an, als würde man Tandem fahren. In der Praxis kann man damit mühelos selbst steile Hänge erklimmen und, wie sich das für einen Porsche gehört, sehr rasante Touren unternehmen. Die elektrische Unterstützung reicht rund 50 Kilometer.

Beim Downhill-Fahren wird der Antriebsmotor zum Generator und baut ein elektrisches Bremsmoment auf. Die Motor-Unterstützung ist in verschiedenen Stufen wählbar und wird über ein iPhone geregelt, das man in eine Halterung an den Lenker steckt: Die Porsche-Software verbindet sich dann mit der Elektronik-Box des Fahrrades. Noch handelt es sich bei den Porsche-Rädern um Prototypen, über eine Serienfertigung ist nicht entschieden.

Was Porsche etwas hochtrabend als Hybrid-Bike präsentiert, ist im Prinzip natürlich ein alter Hut: Elektrisch unterstützte Fahrräder, kurz Pedelecs - die Abkürzung steht für Pedal Electric Cycle – werden immer beliebter. Vor allem Senioren freuen sich über die Möglichkeit, auch ohne die Ausdauer eines Tour de France-Piloten ausgedehnte Radtouren zu unternehmen. Ein typisches Pedelec verbraucht pro 100 Kilometer im Schnitt ungefähr 1 kWh Strom. Die Reichweite beträgt zwischen 30 und 80 Kilometern, je nachdem, wie sehr der Motor belastet wird und wie das Gelände beschaffen ist. Bei einer Radtour durchs Gebirge muss man natürlich früher den Akku wechseln - oder einfach mit reiner Muskelkraft weiter fahren.

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Fotos: Hersteller

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