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Ratgeber  Die frechsten Extras

Inkasso



Was ist schon ein Auto ohne die Annehmlichkeiten aus der Aufpreisliste? Nachdem um den Basispreis erbittert gefeilscht wird, kassieren die Hersteller hier fürstlich ab. Oft ohne Sinn und Verstand.

 
 Freche Extras
  
 Freche Extras  - Foto: Hersteller  Freche Extras - Foto: Grundhoff  Freche Extras - Foto: Wolff  Freche Extras - Foto: Viehmann  Freche Extras - Foto: Wolff  

Auch wenn die Serienausstattungen in den vergangenen Jahren immer umfangreicher geworden sind - die Listen mit den Sonderausstattungen wurden nicht kürzer. Manche Hersteller können den Buchcharakter der Optionsliste nur dadurch vermeiden, dass sie Extras und Preise in Kleinschrift drucken. Der Einfallsreichtum kennt dabei kaum Grenzen. Premium- oder Volumenhersteller, Luxus- oder Kreisklasse, In- oder Ausland - bei allen gibt es schwarze Schafe.

Besonders ärgerlich wird das bei den Navigationssystemen, die den Shell-Atlanten von einst längst den Rang abgelaufen haben. Exzellente Routiers gibt es im Zubehörhandel schon ab rund 150 Euro – für ganz Europa, inkl. neuestem Kartenmaterial und Stauumfahrung. Die Auto-Hersteller lassen sich die Bildschirmsysteme dagegen mindestens 1.700 Euro kosten. Einige Hersteller ziehen ihren Kunden für die digitalen Wegweiser mehr als 2.500 Euro aus der Tasche – das grenzt fast an Wucher.

Doch es wird noch besser. Bestellt man einen Mercedes ML 350 CDI zum Beispiel mit dem fraglos guten und rund 2.800 Euro teuren Bildschirmnavigationsystem Command APS mit Bluetooth-Kompatibilität, so kann man damit keineswegs gleich eine Verbindung zu seinem Mobiltelefon herstellen und telefonieren. Dafür muss noch einmal extra ein Bluetooth-Adapter bestellt werden. Ein solcher Adapter kostet im Computerladen zwischen 10 und 30 Euro – die Autohersteller verlangen für die gleiche Technik zwischen 200 und 700 Euro.

Produzenten von Vans und Kombis verweisen zu gern auf die grenzenlose Variabilität ihrer Autos, die kaum Grenzen kenne. Eine verschiebbare Rückbank, Zurrösen und ein sinnvolles Gepäckkonzept kostet jedoch ebenfalls unangenehme Aufpreise. Schnell ist ein halber Tausender beisammen – nur damit der Kombi das kann, was er können soll: laden.

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Mehe Watt, mehr Euro
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Doch es sind nicht nur die teuren Extras, die einem beim Studium der Bestelllisten den Nerv rauben. BMW verlangt wie viele andere für die Abschaltfunktion des Beifahrerairbags unglaubliche 40 Euro. Fiat möchte da nicht zurückstehen und berechnet seinen Kunden beim Kompaktklassemodell Bravo für eine praktische 12-Volt-Steckdose im Kofferraum 30 Euro.

Auch Volumenhersteller Ford, der mit Stolz und Nachdruck auf seine kompletten Serienausstattungen verweist, gibt sich zahlreiche Blößen. Eine geringfügig verstärkte Batterie schlägt bei kleineren Modellen schon einmal mit 75 Euro zu Buche. Ein Aschenbecher kostet - wie bei vielen anderen auch - zehn Euro Aufpreis. Einen zweiten Fahrzeugschlüssel mit Funkfernbedienung lassen sich Kölner mit 50 Euro vergolden.

Der Szene-Hersteller Mini liefert seine Autos ab Werk nahezu nackt aus. Schon die Klebefolien, mit denen man den Kleinen ein wenig farblich aufpeppen kann und die einen Einkaufspreis von wenigen Euro haben, kosten bei Mini selbst schnell ein paar hundert Euro. Wer noch 20 Euro übrig hat, kann sich noch für die gesicherten Radmuttern entscheiden. Dass ESP, beheizbare Spiegel und Klimaanlage trotz üppiger Basispreise trotzdem extra kosten, sei nur am Rande erwähnt.

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Tüchtig kurbeln
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Ganz nebenbei: Die teuren Extras haben noch keinen Mini-Kunden abgeschreckt. "Der typische Mini-Käufer gibt sich nicht mit dem Modell von der Stange zufrieden. Er will sein Fahrzeug individualisieren. Das fängt bei der Außenfarbe mit Sport-Stripes an und geht weiter bis hin zu einer Checkered Flag für die Außenspiegel oder einem Union Jack für das Dach", sagt Mini-Sprecher Cypselus von Frankenberg: "Es gibt fast unendlich viele Möglichkeiten seinen Mini persönlich zu gestalten. Dafür ist der Kunde auch gerne bereit etwas mehr zu investieren."

Wer denkt, dass sich nur deutsche Hersteller Selbstverständlichkeiten teuer bezahlen lassen, der irrt. Peugeot etwa schreckt selbst davor nicht zurück, für die seit vielen Jahren etablierten elektrischen Fensterheber des neuen 308 Tendance an den hinteren Türen 260 Euro extra zu verlangen – sonst gibt es auf den hinteren Plätzen nur billige Fensterkurbeln.

Selbst um Fußmatten muss beim Neuwagenkauf oft noch hart gefeilscht werden. Matten vorne und hinten sind je nach Hersteller kaum unter 80 Euro zu bekommen. Smart verlangt bei seinem knuffig-trendigen Fortwo sogar für die Cockpituhr und den Drehzahlmesser 145 Euro Aufpreis. Da fällt es kaum noch ins Gewicht, dass ein abschließbares Handschuhfach, das seinen Durchbruch in den frühen 70er Jahren feierte, nach wie vor mit 30 Euro berechnet wird. Das Basismodell hat nicht einmal elektrische Fensterheber.

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Text:  Eine eMail an Stefan Zaumseil schicken Auf Artikel linken
Fotos: Wolff

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