Opel Astra Caravan 1.9 CDTI
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Opel Astra  Praxistest: Opel Astra Caravan

Biedermann als Brandstifter



So richtig ins Schwärmen gerät man auch heute noch nicht, wenn es um den Opel Astra Caravan geht - dabei hat er optisch und technisch erheblich zugelegt. Und richtig Platz hat er auch. Wo also liegt das Problem?

 
Opel Astra Caravan 1.9 CDTI
  
Opel Astra Caravan 1.9 CDTI- Foto: Wolff Opel Astra Caravan 1.9 CDTI- Foto: Wolff Opel Astra Caravan 1.9 CDTI- Foto: Wolff Opel Astra Caravan 1.9 CDTI- Foto: Hersteller Opel Astra Caravan 1.9 CDTI- Foto: Hersteller Opel Astra Caravan 1.9 CDTI- Foto: Wolff
[+] Sehr viel Platz, viel Gepäckraum, harmonischer Motor, gute Verarbeitung, hervorragendes Fahrwerk
[-] Etwas unübersichtlich nach hinten

Allenfalls tief drin in der Psyche aller Zweifler. Denn der Astra Caravan macht alle richtig - bis auf eines: Er ist immer noch nicht spektakulär. Er fesselt nicht. Er reißt nicht mit. Er taugt weder für "himmelhoch jauchzen" noch für "zu Tode betrübt". Er hat einen hohen Vernunft- aber nur einen beschränkten Spaßfaktor. Immerhin: Er ist auf dem richtigen Weg.

Fangen wir mit den nackten Zahlen an. Die bei Opel traditionell "Caravan" genannte Kombi-Version des Astra hat mit 2703 mm einen knapp neun Zentimeter längeren Radstand als die Limousine, ist mit 4515 mm Länge um 26 Zentimeter ausladender und hat mit bis zu 1590 Litern maximalem Ladevolumen 90 Liter mehr Platz als der alte Astra Caravan. Kurz: In seiner Klasse gehört er zu den absoluten Lademeistern. Schon in der Normalstellung bringt er es auf satte 505 Liter - das ist fast so viel wie der Mégane als Klassenbester und deutlich mehr als die anderen Konkurrenten aus Frankreich und Schweden. Ordert man den Opel gar mit verschiebbarer Rückbank, bootet er mit 540 Litern gar den Mégane aus.

Viel Grips investiert

Dass so viel Raum im Astra Caravan besonders gut zu nutzen ist, hat mit dem Grips zu tun, den die Opel-Ingenieure in ihr Auto investiert haben. Ein Beispiel: Außer der obligat im Verhältnis 60:40 umklappbaren Rückbank läßt sich auch eine Version ordern, die sich im Verhältnis 40:20:40 klappen läßt - wenn auch etwas fummelig. Dazu kommt die schon erwähnte Möglichkeit, eine um 10,5 Zentimeter verschiebbare Rückbank zu bestellen. Und ein "FlexOrganizer-Paket" (120 Euro), das im Gepäckraum seitliche Schienen, Trenn-Netz und verschiebbare Befestigungen für Gepäckhalter mitbringt. Die Ladekannte ist angenehm niedrig, der Laderaum-Boden glatt. Das erleichtert das Beladen.

Außen erscheint der Biedermann fast schon als dynamischer und attraktiver Lifestyle-Kombi, mit stilistischen Anklängen an seinen großen Bruder Vectra. Die Opel-Falte zieht sich von den Frontleuchten bis zu den Heckstahlern markent über die ganze Wagenlänge. Die Dachlinie fällt nach hinten schwungvoll bis zur markanten D-Säule ab.

Fürstlich Platz

Auch der Innenraum sorgt mit dafür, dass der Astra Caravan langstreckentauglich ist. Nicht nur für das Gepäck sind die Platzverhältnisse geradezu fürstlich: Auch für die Passagiere ist reichlich Raum vorhanden. Vorne fürstlich und hinten haben auch große Mitfahrer genügend Luftraum über den Köpfen und vor den Knien. Ansonsten vergibt Opel gerade hier die größten Chancen. Alles hier ist übersichtlich, geradlinig, ergonomisch - und eben unspektakulär. Elegant - aber nüchtern. Die Verarbeitung ist gut (ja, Opel ist auch da längst wieder besser als sein Ruf), die Materialien wirken angemessen und nirgends billig. Knöpfe, Tasten und Instrumente sind übersichtlich angeordnet. Anfangs irritieren Blinker- und Wischerhebel etwas - sie haben keinen Arretierpunkt mehr.

Der 1.9-Selbstzünder mit 150 PS kann nicht zuletzt wegen seines hohen Durchzugs von 320 Nm, die schon bei 2000 Umdrehungen anliegen, sehr schaltfaul gefahren werden. Er dreht ohne nennenswertes Turboloch schnell hoch und nimmt willig an, was der Gasfuß ihm vorgibt. Trotz seiner rund 1,3 Tonnen Lebendgewicht bewegt sich der Astra Caravan agil und handlich. Der Topspeed liegt laut Opel bei - wie unser Test zeigt realistischen - 207 km/h, der Spurt aus dem Stand auf Tempo 100 ist in 9,2 Sekunden absolviert. Den Durchschnittsverbrauch geben die Rüsselsheimer mit 5,9 Litern auf 100 Kilometer an. Das ist wohl etwas arg optimistisch - bei unserem Test waren es eher 8,7 Liter, meist allerdings zugegeben ziemlich stramm gefahren. Auch in Sachen Lautstärke steht der Astra mit dem CDTI bestens da: Wenn es ab Tempo 160 etwas lauter wird, liegt das nicht am Motor sondern an den Windgeräuschen. Die Sechs-Gang-Handschaltung funktioniert präzise und mit kurzen Wegen.

Auf Knopfdruck Sport

Auch das Fahrwerk des Opel ist ausgewogen und nahezu perfekt. Treibt man es zu bunt, sorgt das schnelle und sensibel ansprechende ESP dafür, dass Heck und Fahrzeug schnell wieder in Fahrtrichtung zeigen. Der Astra steckt jede Bodenwelle lässig weg, nur auf wirklich schlechten Straßen poltert die Hinterachse ein wenig allzu stark über die Schlaglöcher. Eine spezielle Sport-Taste, die sich mit dem IDS Sportfahrwerk (190 Euro) ordern lässt, macht das Fahrwerk des Astra auf Knopfdruck bockelhart, strafft die Lenkung und erhöht die Drehzahlcharakteristik - Muttis Familienkombi mutiert mit einem Mal zu Vatis Sportkombi. Die Lenkung ist präzise und spricht sensibel an.

Der Opel Astra bietet quer durch alle Disziplinen fast schon Oberklasse-Qualitäten. Dazu kommen ebenso moderne wie nützliche Extras - adaptives Kurvenlicht zum Beispiel (1150 Euro), das nachts in Kurven um die Ecke leuchtet. In der preiswertesten Version "Edition" ist er ab 21.840 Euro zu ordern. Die Liste der Sonderausstattungen ist allerdings opeltypisch reichlich ausgefallen.

 Technische Daten
MotorReihe
Hubraum (cm³)1910
Zuladung(kg)525
0-100 km/h (s)9,2
Verbrauch (L/100 km)5,9
Grundpreis (€)23.525
Mehr Daten & Preise finden Sie in unserem  Katalog

 Text: Jürgen Wolff Eine eMail an Jürgen Wolff schickenStand: 22.04.2005
 Fotos: Wolff Auf Artikel linken
  
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