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Mini Cooper S  Praxistest: Mini Cooper S

Inklusive Powerplate



Der Mini ist gewachsen, hat an Kraft zugelegt und Gewicht verloren. Schneller, erwachsener und wertiger soll er sein - kurz einfach besser! Schauen wir uns den Bayern aus Oxford genauer an.

 
MINI Cooper S
  
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[+] Gutes Platzangebot vorne, saubere Verarbeitung, bequeme Sitze, hohe Agilität, quirliger Motor, exakte Schaltung, große Konnektivität
[-] Straffes Fahrwerk, Antriebseinflüsse im Lenkrad spürbar, kaum Platz im Fond, kleiner Kofferraum, eingeschränkte Übersicht

Zugegeben: Das Zur Markenseite MiniMini-Gefühl auf der linken Spur hat schon was. Wenn voraus eine bemühte Diesel-Mittelklasse-Limousine fährt und versucht, den nervigen Kleinwagen abzuhängen - und das einfach nicht gelingen will. Kein Wunder: Mit einer Höchstgeschwindigkeit von 235 km/h und einer Zeit von 6,8 Sekunden von null auf hundert ist der neue Mini Cooper S keine rollende Schikane. Ganz im Gegenteil: Der Druck des Turbomotors lässt nie wirklich nach.

Bei so viel PS-Power und Vergnügen, das auch die dritte Generation bereitet, wenn es auf Landstraßen zur Sache geht, ist ein Durchschnittsverbrauch von 8,4 Litern pro 100 Kilometer noch akzeptabel. Das sind zwar 2,6 Liter mehr als der angegebene Normverbrauch. Aber das muss bei artgerechter Bewegung mit viel Fahrspaß schon mal drin sein. Zumal der Mini mit einer knackigen Handschaltung ausgestattet ist und der Motor nichts gegen Drehzahlen hat. Außerdem macht das Wechseln der Fahrstufen nicht nur Puristen viel Spaß.

Doch die Längsdynamik kommt nicht ohne Nebenwirkungen. Zwar ist der Mini mit 3,85 Metern nun gut zehn Zentimeter länger als bisher. Der Radstand ist aber nur um knapp drei Zentimeter gewachsen. Bei schneller Autobahnfahrt auf holprigen Untergrund schüttelt es die Insassen dank der straffen Fahrwerksabstimmung so durch, dass man sich Powerplate-Übungen im Fitness-Studio eigentlich schenken kann.

Da ist es sicher vernünftig, in adaptive Dämpfer (Aufpreis 500 Euro) zu investieren. Die Fahrmodi Green (Öko), Mid (Normal) und Sport bei einem Modell mit Handschaltung beeinflussen lediglich die Kennlinie des Gaspedals und die Lenkung. Immerhin gibt es für diese 290 Euro Aufpreis noch etwas auf die Ohren, da der Motorensound mittels zweier Lautsprechern aufgepeppt wird.

Die Kehrseite der straffen Abstimmung ist eine Agilität, die bei einem Mini per Definition ganz oben im Lastenheft steht. Mithilfe des erweiterten ESP pfeift auch der Neue leichtfüßig um die Ecken. Dabei ist es den Ingenieuren gelungen, die Lenkradeinflüsse zu minimieren - aber ganz verschwunden sind sie nicht. Bei engen, schnell genommenen Kurven stößt auch das gut abgestimmte Fahrwerk an seine Grenzen. Und die Einschränkungen des Frontantriebskonzeptes zeigen sich, wenn der 1.2-Tonner anfängt, über die Vorderräder zu schieben.

Mini Cooper S, Praxistest
Der grüne Ring auf dem Knopf in der Mittelkonsole suggeriert eine ähnliche Sicherheit wie die Schutzschilder des Raumschiffs Enterprise
Mini Cooper S, Praxistest

Wer verwegen das ESP deaktiviert, der merkt, dass der Mini Cooper S mit seinen 192 PS störrischer ist, als man vermutet. Da ist es ganz gut, dass der Lenkradkranz satt in der Hand liegt und die Sportsitze einen guten Seitenhalt vermitteln. Allerdings ist der Abstand zwischen der Oberschenkelauflage und den Beinen zu groß, was sich auf langen Strecken bemerkbar macht. Beim Kurventanz fällt der gute Seitenhalt des Gestühls auf.

Die - für einen Mini - relativ hohe Sitzposition hilft zwar bei der Übersicht, nervt aber auch, da die seitlichen Sonnenschutzblenden sich zu nahe am Kopf befinden. Auch die Sicht nach hinten inklusive zu kleinem Rückspiegel ist nicht überragend. Da hilft es beim Rangieren, dass der Mini eine Rückfahrkamera (350 Euro extra) verbaut hat.

Das Thema Assistenzsysteme ist bei Mini hin und wieder etwas speziell. Der kamerabasierte adaptive Tempomat lässt sich nur bis 140 km/h einstellen. Auch suggeriert der grüne Ring auf dem Knopf in der Mittelkonsole eine ähnliche Sicherheit wie die Schutzschilder des Raumschiffs Enterprise. Doch ein Toter-Winkel-Assistent ist weder für Geld noch für gute Worte erhältlich. Und die Parksensoren vorne und hinten schlagen noch einmal mit 790 Euro zu Buche. Für das "Driving Assistant Paket" mit einem City-Notbremsassistenten, Fernlichtassistenten, Verkehrszeichenerkennung und eben dem adaptiven Tempomaten sind noch einmal 990 Euro fällig. Übrigens lässt sich Mini auch das aufklappbare Head-Up-Display mit 500 Euro bezahlen.

Wer seinem Auto noch das John-Cooper-Works Aussehen inklusive protzigem Heckspoiler verpassen will, der sollte 1.240 Euro locker haben. Dazu kommt natürlich noch der Grundpreis für einen Mini Cooper S von 24.000 Euro. Da fehlen aber noch solche Kleinigkeiten wie Nebelscheinwerfer und eine Klimaautomatik. Die sind Teil der Ausstattungspakete Salt und Pepper. Mit dem fast schon obligatorischen Chilli-Paket, das ein paar Extras bietet, erreicht der Obolus für einen einigermaßen ausgestatteten Mini Cooper S 26.950 Euro.

Mini Cooper S, Praxistest
Auch wenn der Mini deutlich gewachsen ist, kommen die Ausmaße nicht konsequent im Innenraum an
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Mini-Käufer müssen ohnehin ein Faible für Manga-Comics haben - denn viele Funktionen werden mit kleinen Symbolen oder Zeichnungen unterstützt. Dass viele Aktionen mit Farbtönen im runden Ring um das Kombiinstrument mit verschiedenen Farben - zum Beispiel rot für warme Temperaturen und blau für kälter - untermalt werden, ist nicht jedermanns Geschmack. Gottseidank kann man diese Lichtorgel abschalten.

Was nichts daran ändert, dass die Konnektivität im Mini genauso gut ist wie in einem BMW: Smartphones, egal ob Apple oder mit Android-Betriebssystem können ohne große Probleme integriert werden, spezielle Apps sorgen für Web-Radio-Empfang, die Anbindung an soziale Netzwerke wie Twitter ist ebenso kinderleicht, wie das Darstellen von Kalendereinträgen. Da wird es bei einem Stau nicht langweilig.

Auch wenn der Mini deutlich gewachsen ist, kommen die Ausmaße nicht konsequent im Innenraum an. Der Kofferraum hat jetzt 211 Liter Fassungsvermögen. Dazu müssen die Rücklehnen mit einem etwas fummeligen Prozedere in die sogenannte Cargo-Position gebracht werden, stehen dann senkrecht und machen ein Sitzen im Fond unmöglich. Der variable Ladeboden ermöglicht nicht nur zusätzlichen Stauraum, sondern erleichtert auch das Beladen, bei dem das Gepäck über die hohe Kante gewuchtet werden muss. Am Boden des Extrafachs zeigt die wenig wertige Abdeckung für die Ablage, in der sich die Bordwerkzeuge befinden.

Doch das vergisst man, wenn man in einem Mini Cooper S um die Kurven feuert - das kann er immer noch am besten. Ach ja, unser Vertreter-Freund im karierten Hemd hat noch etliche Kilometer versucht, am Heck des Mini zu kleben. Erfolglos. Als die PS-Kraft des Gefährts des Handelsreisenden erlahmte, zog er nach rechts und ward nicht mehr gesehen. Gut möglich, dass der Mann mit dem akkurat gezogenen Seitenscheitel sich jetzt ein Tattoo stechen lässt und in einem neuen Mini Cooper S auf Kundenjagd geht.

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Fotos: Hersteller Mini Cooper S http://goo.gl/ICJic4
Ort: München

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