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Mercedes-Benz SL 500  Fahrbericht: Mercedes-Benz SL 500

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Wenn es an Optik und Fahrspaß eigentlich nichts mehr zu verbessern gibt - wie entwickelt man dann ein Auto weiter? Mercedes macht es beim facegelifteten SL vor allem mit mehr Power. Und endlich auch mit dem passenden Sound.

 
Mercedes-Benz SL 500
  
Mercedes-Benz SL 500 - Foto: Hersteller Mercedes-Benz SL 500- Foto: Hersteller Mercedes-Benz SL 500- Foto: Hersteller Mercedes-Benz SL 500- Foto: Hersteller Mercedes-Benz SL 500- Foto: Hersteller Mercedes-Benz SL 500- Foto: Hersteller
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Hans-Dieter Multhaupt hat keinen leichten Job: Als Entwicklungschef bei Mercedes-Benz ist es unter anderem seine Aufgabe, den SL noch besser zu machen. So wie jetzt, gut vier Jahre nach der Markteinführung der aktuellen Baureihe "230".

Nur: Wie macht man so ein Auto besser?

Antwort: gaaaanz behutsam.

Und indem man ihm gibt, was ihm bislang fehlte. Sound nämlich. Bisher galt eine sportliche Geräuschentwicklung bei Mercedes eher als unfein. Im Pflichtenheft stand der Geräuschpegel in umgekehrtem Verhältnis zum Kaufpreis (sieht man mal von dem Super-Renner SLR McLaren ab). Damit, so die Zielvorgabe, soll zumindest beim SL nun Schluss sein - er soll endlich auch so klingen dürfen, wie er aussieht. Viel Überzeugungsarbeit habe er nicht leisten müssen, sagt Multhaupt und grinst: "Die akustische Zurückhaltung der vergangenen Jahre haben unsere Ingenieure freudig aufgegeben." Mit entsprechend sonorem Röhren quittiert der SL künftig jeden Kick am Gaspedal - egal ob hinten eine 350, 500 oder 600 draufsteht. Beim gemächlichen Cruisen dagegen ist der Motor wie gewohnt kaum zu hören.

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Leistungsexplosion
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Weniger auffällig sind die Veränderungen an der Optik ausgefallen. "Never change a winning design," biegt sich Multhaupt eine alte Sportlerregel zurecht. Ob offen oder geschlossen - elegant und sportlich ist der SL seit je. Nun eben noch ein kleines bisschen mehr. Der Kühlergrill zählt jetzt drei Lamellen, der vordere Stoßfänger drei Lufteinlässe, ist stärker pfeilförmig ausgeformt und die Nebelscheinwerfer sind in Chrom gefasst. Hinten gibt es neue Heckleuchten mit rot-weißer Klarglasoptik. Innen muss man ebenfalls genau hinschauen, um die Veränderungen zu entdecken: Das Leder der Sitze ist weicher genarbt, die Hutze über den drei Rundinstrumenten neu gestaltet. Es gibt neue Innenfarben und einen praktischeren Schalter für das Faltdach. Im Kofferraum ist die Gepäckabdeckung nun herausnehmbar. Das sorgt nicht nur dafür, dass 22 Liter mehr Platz zur Verfügung stehen, sondern macht ihn auch bequemer beladbar.

Die wichtigsten Änderungen gab es unter der langen Motorhaube. Denn nicht nur optische Gründe sind verantwortlich für die größeren Lufteinlässe: Die drei neu entwickelten Motoren brauchen einfach mehr Luft zum Atmen. Der 3,5-Liter V6 im SL 350 bringt es mit seinen 200 kW/272 PS auf 27 PS mehr als sein Vorgänger - und schluckt mit 10,3 Liter gut einen Liter Kraftstoff weniger auf 100 Kilometer. In 6,6 Sekunden beschleunigt er auf Tempo 100 - mehr als eine halbe Sekunde schneller als sein Vorgänger.

Eine wahre Leistungsexplosion gibt es beim SL 500 zu vermelden. Satte 82 PS haben die Stuttgarter draufgepackt. Aus 5,5 Liter Hubraum holt er nun 285 kW/388 PS und ein Drehmoment von 530 Nm. Damit beschleunigt der 8-Zylinder den SL in 5,4 Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h. Der Vorgänger brauchte dafür noch 6,2 Sekunden. Beim Verbrauch, verspricht Mercedes, bleibt alles beim alten: 12,2 Liter auf 100 Kilometer - trotz einem Viertel mehr Leistung. Nicht ganz so drastisch ist der Leistungszuwachs beim V12-Biturbo im SL 600 ausgefallen. Der hat mit 380 kW/517 PS nun 17 PS mehr und ein sattes Drehmoment von 830 Nm. 4,5 Sekunden braucht der SL 600 damit von 0 auf 100 km/h.

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Genussmittel
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Fahrwerk, Lenkung und (Automatik-)Getriebe sorgen für eine zusätzliche Steigerung der Fahrfreude. Die im 350 und 500 serienmäßige 7G-Tronic schaltet butterweich zwischen den Fahrstufen. Gegen Aufpreis (290 Euro) kann sie im manuellen Modus auch über zwei Paddels am Lenkrad gesteuert werden. Der manuelle Gangwechsel funktioniert ohne merkbare Unterbrechung des Kraftflusses und um bis zu 30 Prozent schneller. Die Lenkung ist neu abgestimmt worden und hat nun eine wohltuend direktere Übersetzung.

Auch beim Active Body Control (ABC) Fahrwerk haben die Daimler-Ingenieure noch einmal nachgelegt. Die Wankbewegungen der Karosserie bei Lastwechseln sind gegenüber dem Vorgänger noch einmal um rund 60 Prozent reduziert. Gut, einen Porsche 911 kann man immer noch dynamischer um Kurven treiben als einen SL - aber den Mercedes gönnt man sich auch eher als Genussmittel denn als Rennfahrzeug mit Alltagsnutzen. Und da gehören satte Drifts nicht unbedingt zum Alltag.

Welcher SL darf's also sein?

Auch wenn es vermessen klingen mag: Der SL 500 reicht völlig. Das sehen die Kunden offenbar auch so: 62 Prozent aller verkauften SL tragen die 500 im Typenschild. Mit dem SL 350 ist man zwar auch schon flott unterwegs. Aber der V6 hat doch gelegentlich etwas Mühe, die knapp zwei Tonnen Sportler in Fahrt zu bringen. Beim Überholen oder auf kurvigen Strecken bergauf hat man schon gelegentlich das Gefühl: Hier fehlt mehr Power. Da passt der 5,5-Liter V8 einfach besser zu dem Wagen - er spielt souverän mit seiner Kraft, schafft immer ein Gefühl, dass es zur Not doch noch Reserven gibt. Und bei geringem Tempo - etwa in der Stadt - lässt er sich trotzdem höchst gefühlvoll dosieren.

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Urgewalt
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Der 12-Zylinder dagegen ist schon fast zu viel des Guten - auch, wenn die raketenartige Beschleunigung süchtig machen kann. Wer Vollgas gibt, muss einen Sekundenbruchteil warten bis der Biturbo reagiert. Dann aber drängt er so rabiat nach vorne, dass die Räder trotz ESP und viel Lenkgefühl die Kraft kaum auf die Straße bringen und das Heck ganz kurz ins Schwänzeln kommt - bevor es sich wieder fängt und der Wagen mit Urgewalt weiter nach vorne stürmt.

In der Realität werden diese Qual der Wahl ohnehin nur die wenigsten von uns haben. Schon der Preise wegen. Der Basispreis für den facegelifteten SL 350 liegt bei satten 81.548 Euro. Wer mehr will, muss für den SL 500 mindestens 102.544 Euro und für den SL 600 als Minimum 134.096 Euro überweisen. Die Aufpreisliste ist so üppig, das man mit diesen Summen ohnehin kaum auskommt - vor allem beim 350. Active Body Control für ihn kostet 3810 Euro extra - bei den anderen ist es serienmäßig. Nachrüstbar ist ansonsten alles, was das Leben als Mercedesfahrer (noch) bequemer macht: Vom Keyless-Go für 1183 Euro über Panoramadach (2088 Euro), Lederausstattung (3526 Euro) und Navi (2111 Euro) bis zum Garagentoröffner im Innenspiegel für 261 Euro. Traum-Preise für ein Traum-Auto.

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