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Mercedes-Benz SL 500   Fahrbericht: Mercedes-Benz SL 500

Den Wind im Haar



Der neue Mercedes-Benz SL 500 ist ganz der Alte – nur eben zwei Klassen besser. Entsprechend schwierig ist es denn, irgendwo anders einen besseren Luxusroadster zu finden als den neuen Benz.

 
Mercedes-Benz SL 500
  
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[+] Sehr gute Fahrleistungen, ausgewogenes und komfortables Fahrwerk, gutes Platzangebot, niedriges Geräuschniveau, hohe Verwindungssteifigkeit, präzise Lenkung, sicheres Fahrverhalten
[-] Dach lässt sich nur im Stand öffnen, mäßige Serienausstattung

Bei Mercedes-Benz wird man nicht müde zu betonen, dass der SL eine der großen Ikonen der Automobilgeschichte ist. Da haben sie Recht. Der Mercedes SL ist und bleibt ein Klassiker – mittlerweile seit einem halben Jahrhundert. Zum Frühjahr gibt es eine Neuauflage: optisch unspektakulär - doch wieder einmal höchst sehenswert.

Und wie es sich gehört, kommt er mit dem Besten, das Mercedes gerade zu bieten hat: neue Wankstabilisierung, Hightech-Wischsystem und alle erdenklichen Assistenzsysteme. Doch bei aller modernen Technik stehen beim Mercedes SL seine grandiosen Gene im Fokus. Er ist ein offener Luxuskreuzer, der jeglichen Komfort bietet und weltweit nach wie vor kaum einen echten Konkurrenten hat.

Sein Innenraum ist luxuriös, die Sitze haben schier grenzenloses Wohlfühlambiente und alles ist dort, wo man es sich wünscht. Man kann darüber streiten, was der Tempomat an einem nur ertastbaren Lenkstockhebel in Knienähe macht, ob die Schalter in der Mittelkonsole zu silbrig schimmern oder der Schaltknauf des siebenstufigen Automatikgetriebes allzu sehr einem Damenrasierer gleicht. Ernsthaft zumindest gibt es nichts zu meckern.

Nichts - außer, dass sich das vollelektrische SL-Klappdach nur im Stand bedienen lässt. Das ist wenig zeitgemäß und passt nicht zu einem 250 km/h schnellen Luxusroadster, der ansonsten nahe an der Perfektionslinie gleitet. Schön, wenn sich das Dach per Fernbedienung öffnen lässt oder die Kofferraumklappe bei einem imaginären Tritt unter die Heckschürze nach oben fährt? Alles vergessen, wenn einem beim Ampelstopp die Zeit ausgeht, das Dach zu öffnen oder zu schließen und die Nachhut hupt.

Doch das Klappdach, optional auch aus verdunkelbarem Hartglas zu bekommen, ist bei einem Roadster nicht alles. Nicht, wenn man diesen SL einmal ein paar Kilometer bewegt hat. Mehr als 110 Kilogramm hat die Abmagerungskur der Karosserie aus Aluminium gebracht. Das macht sich nicht erst, aber besonders im Grenzbereich bemerkbar. Dort liegt der 4,61 Meter lange SL 500 satt, aber nie träge auf der Straße.

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Beeindruckender V8
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Dabei verwöhnt der 1,8 Tonnen schwere Luxus-Zweisitzer seine Insassen mit Komfort. Bodenunebenheiten oder Fugen werden nahezu spurlos weggebügelt, die Lenkung ist präzise und die Bremsen sind hungrig. Auch im Sportmodus mimt der SL nicht den Kurvenjäger. Dazu bekommt er seine opulente Motorleistung von 320 kW/435 PS gerade bei engen Kehren nicht eindrucksvoll genug auf die Straße. Werden die Kurvenradien enger, tut sich der SL 500 schwerer, schwänzelt auch im Komfortmodus überraschend engagiert mit dem Heck ohne dabei unsicher zu wirken. Der Unterschied zwischen den beiden Modi Komfort und Sport ist dabei zu gering.

Dabei ist der aufgeladene Achtzylinder mit seinen 4,7 Litern Hubraum trotz aller Stärke von Fahrwerk, Komfort und Fahrzeug die an sich beeindruckendste Neuerung im SL. Im Normzyklus soll sich der mindestens 117.096 Euro teure Mercedes SL 500 mit gerade einmal 9,2 Litern Super zufrieden geben. Wer die Leistungsschübe von bis zu 700 Nm ab 1.800 U/min und das Spurtpotenzial von 0 auf 100 km/h in 4,6 Sekunden einmal gespürt hat, der verschenkt keinen Gedanken daran, sich für den Sechszylinder-Sauger SL 350 mit seinen vergleichsweise müden 306 PS zu entscheiden.

Der Mercedes SL 500 ist bei aller Raffinesse ein Gefährte für jeden Tag. Er macht optisch auch mit geschlossenem Dach eine klasse Figur und lässt sich selbst bei mäßigen Temperaturen Dank ausfahrbarem Windschott (595 Euro Aufpreis), Sitzheizung und Nackenfön (654 Euro) offen fahren. Bei geöffnetem Dach reduziert sich das Gepäckvolumen deutlich von 504 auf 364 Liter. Wenn der Platz in dem elektrisch erreichbaren Laderaum nicht langt, ist hinter den beiden Sitzen nochmals Zusatzvolumen für zwei Taschen oder einen Kleidersack.

Das dürfte mit der Serienausstattung anders sein. Dort bietet selbst das aktuelle Topmodell SL 500 bemerkenswerte Lücken. Schwer zu erklären, dass bei einem über 100.000 Euro teuren Luxusroadster im Jahre 2012 Standarddetails wie anklappbare Außenspiegel, Digitalradio, USB-Schnittstelle, Becherhalter oder eine auf dem Armaturenbrett thronende Analoguhr nennenswert Aufpreis kosten.

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Ort: Marbella

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