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Kia Magentis 2.0 CRDi  Fahrbericht: Kia Magentis 2.0 CRDi

Der Europäer aus Fernost



Das Ziel ist klar: "Kia," sagt Deutschlandchef Haydan Leshel, "soll eine europäisch-asiatische Marke werden". Ein wichtiger Baustein an diesem neuen Image soll der neue Magentis werden. Hat er aber auch das Zeug dazu?

 
Kia Magentis 2.0 CRDi
  
Kia Magentis 2.0 CRDi - Foto: Hersteller Kia Magentis 2.0 CRDi- Foto: Hersteller Kia Magentis 2.0 CRDi- Foto: Hersteller Kia Magentis 2.0 CRDi- Foto: Hersteller Kia Magentis 2.0 CRDi- Foto: Hersteller Kia Magentis 2.0 CRDi- Foto: Hersteller
Kia Magentis 2.0 CRDi
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Kia Magentis 2.0 CRDi
[+] Günstig in der Anschaffung, gutes und sicheres Fahrwerk, kräftige und kultivierte Motoren, gute Verarbeitung, ordentliches Platzangebot, umfangreiche Serienausstattung, günstiger Verbrauch
[-] Billig wirkende Materialien innen, Im Testwagen zu weiche Sitze mit zu wenig Seitenhalt

Wenn der Magentis ab dieser Woche bei den Händlern steht ist klar, mit wie viel Nachdruck Kia diesen Imagewandel betreibt. Zumindest äußerlich ist nicht mehr viel übrig von dem klassischen Magentis, den wir bisher kannten - und auf den ersten Blick als Korea-Import er-kannten. Das komplett überarbeitete Mittelklasse-Flaggschiff der koreanischen Hyundai-Tochter wird zwar nach wie vor in Südostasien, im Kia-Werk Hwasung 3, gebaut. Entwickelt wurde er jedoch von Teams vor allem auch in Deutschland und den USA. Und für den europäischen Markt haben die Ingenieure aus dem hessischen Kia-Entwicklungszentrum noch einmal besonders Hand angelegt, was Fahrwerk und Innenraum angeht.

Das Außendesign hat nicht mehr viel zu tun mit der klassisch langweiligen Optik des Vorgängers. Sicher: Ein ausgesprochener Eycatcher ist auch der Neue nicht - kaum jemand wird sich an der Ampel nach ihm umdrehen. Klarglasscheinwerfer, ein markanter Kühlergrill, integrierte Stoßfänger, eine klare Seitenlinie, und ein klar gegliedertes Heck - das ist zwar noch nicht die "dynamische, prägnante Erscheinung", wie Kias Marketingabteilung schon frohlockt. Aber doch ein guter Schritt auf dem Weg dahin. "Rational denkende, wertorientierte Mitvierziger", von Kia als Hauptzielgruppe ausgemacht, dürften an der äußeren Erscheinung durchaus Gefallen finden.

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Ziemlich leer
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Ob sich das beim ersten Probesitzen fortsetzt, bleibt die Frage. So sehr Kia außen in der europäischen Mittelklasse angekommen ist - innen bleibt noch einiges zu tun. Positiv ganz sicher das Platzangebot. Der 4,74 Meter lange Magentis ist außen leicht gewachsen - und damit auch innen. Das macht sich weniger bei den Gesamtabmessungen bemerkbar: Der Längenzuwachs beträgt gerade mal 0,5 cm, das Plus in der Breite 1,5 cm. Aber in der Höhe gibt es 7 cm mehr - was der Kopffreiheit zugute kommt. Und der um zwei Zentimeter verlängerte Radstand sorgt für etwas mehr Bewegungsfreiheit vor allem auf den hinteren Plätzen. Und auch der Kofferraum ist etwas gewachsen.

Das zu den positiven Entwicklungen. Noch ein gutes Stück entfernt vom Mittelklasse-Standard europäischer Konkurrenz-Modelle ist Kia allerdings, wenn es um die Materialien im Innenraum geht - immerhin ein nicht ganz unwichtiger Faktor oberhalb der Kompaktklasse. Die Armaturen könnte man je nach philosophischer Grundausrichtung als sparsam-dezent möbliert bezeichnen - oder aber als ziemlich leer. Sicher, nicht jede Mittelkonsole muss so aussehen wie eine Computertastatur - aber zu viel unstrukturierte Fläche ist auch nicht unbedingt prickelnd. Immerhin sorgt die selbstverordnete Kargheit dafür, dass der Magentis auf Anhieb bedienbar ist. Kein Schalter, der Rätsel aufgibt, kein Knopf, den man groß suchen muss.

Wie bei Autos aus Korea leider üblich, wirkt auch im Magentis das Radio nachträglich reingepfropft. Kein Wunder - genau das ist es auch. Aus technischen Gründen wird es erst eingebaut, wenn das Fahrzeug auf europäischem Boden steht. Dafür bietet das Soundsystem CD, MP3 und sogar ein iPod-Interface - und einen Klang, der sich durchaus hören lassen kann.

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Lernfähig
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Nach wie vor nicht standesgemäß für eine europäische Mittelklasse-Limousine sind - von den Ausstattungsvarianten in Leder mal abgesehen - die verbauten Materialien. Das sieht, vom Türgriff bis zum Armaturenbrett, nicht nur nach billigem Plastik aus - das fühlt sich inklusive Lenkrad auch so an. Da helfen auch die paar auf Carbonlook getrimmten Verblendungen nicht mehr viel. All das ist um so unverständlicher, als sich schon allein mit einer etwas liebevoller geprägten Oberflächenstruktur viel verbessern ließe.

Wenig überzeugend sind auch die Vordersitze: Viel zu weich und mit nur wenig Seitenhalt. Das hat auch Kia Deutschland erkannt. In den Testwagen seien Sitze aus der Vorserienproduktion, räumt Leshel ein. Allerdings werden sich auch die Käufer der ersten Magentis hierzulande mit diesen Sitzen begnügen müssen - zumindest ein paar Monate. Dann, so verspricht Leshel, wechselt Kia die weichen Sofas gegen straffere Möbel mit mehr Seitenhalt aus: "Wir haben gelernt."

Damit ist die Liste mit den gröbsten Minuspunkten am neuen Magentis allerdings auch schon so ziemlich abgearbeitet. Innen finden sich erfreulich viele und sinnvolle Ablagen - bis hin zu einem klappbaren Taschenhaken im Fußraum des Beifahrers. Die Motoren - zwei Benziner und erstmals ein Diesel - machen einen durchaus guten ersten Eindruck. Der 2,0-Liter-Diesel ist eine Eigenproduktion zusammen mit Hyundai und verwandt mit dem CRDi-Motor des SUV Sportage. Der Common-Rail der zweiten Generation verfügt über einen Turbolader mit variabler Turbinengeometrie und wird serienmäßig mit Partikelfilter geliefert. All das ist gut für 103 kW/140 PS und ein Drehmoment von 305 Nm schon ab 1800 U/min.

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Straff, nicht sportlich
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Beim Fahren erweist sich der Motor als durchaus flott und kultiviert. Über die Beschleunigung schweigt sich Kia in den technischen Daten zwar aus - aber für zügige Bergfahrt und stressfreie Überholmanöver im Alltag reicht es allemal. Nach oben heraus allerdings ist der Diesel alles - nur kein Sprinter. Die 201 km/h Spitzengeschwindigkeit erreicht er nur mit langem Anlauf. Aber abseits der linken Autobahnspur geht der Diesel absolut in Ordnung. Und wer mehr Wert auf Speed denn auf Sparsamkeit legt, sollte sich ohnehin besser gleich den V6-Magentis mit seinen 220 km/h Spitze ansehen. Immerhin begnügt sich der Diesel laut Werksangabe mit 6,0 Liter Durchschnittsverbrauch. Der V6 will 9,6 Liter Super. Euro-4 erfüllen alle Motoren.

Das Fahrwerk des Magentis, ist der Mittelklasse angemessen: Ausreichend straff, ohne aber gleich zu sportlich zu werden. Dabei jedoch bequem genug abgefedert, um auch mit etwas raueren Straßenoberflächen fertig zu werden, ohne gleich jeden Kiesel an die Bandscheiben der Passagiere durchzumelden. Serienmäßig wird der Diesel mit 6-Gang-Handschaltung geliefert. Aber auch die Automatik zeigte sich gut an die Motorcharakteristik angepasst - obwohl sie etwas altertümlich mit nur vier Stufen daherkommt.

Ab 21.300 Euro ist das Basismodell Magentis 2.0 EX zu haben. Mit einer durchaus schon beachtlichen Ausstattung. So gehören allein sechs Airbags rund um die Insassen ab Werk dazu. Oder aktive Kopfstützen. Oder Klimaanlage, elektrische Fensterheber vorn und hinten und beheizbare Außenspiegel. Der 2.0-Diesel kostet in der Basisversion 22.990 Euro, der V6 ist mit 27.470 Euro der teuerste Magentis. Dass der sich vor allem über den Preis verkaufen wird, das weiß man auch bei Kia. Acht bis zehn Prozent unter den Preisen der Wettbewerber sei man im Preisgefüge, sagt Leshel. Mitbewerber? Das sind in seinen Augen VW Passat, Ford Mondeo, Toyota Avensis und Renault Laguna. Zumindest bislang und bei den anderen Modellen ging die Kia-Rechnung auf: 2005 wurden bundesweit 49.820 Kia neu zugelassen - 47 Prozent mehr als im Jahr zuvor.

Kia Magentis 2.0 CRDi
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