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Kia Carnival 2.9 CRDI LX  Fahrbericht: Kia Carnival 2.9 CRDI LX

Schluss mit Billig



Kia schwimmt auf der Erfolgswelle: Über 40 Prozent Wachstum verzeichnete der koreanische Autobauer in Europa. Für manche Modelle gibt es gar Lieferfristen. Nun soll ein neu aufgelegter Carnival den Boom weiter fördern.

 
Kia Carnival 2.9 CRDI LX
  
Kia Carnival 2.9 CRDI LX - Foto: Hersteller Kia Carnival 2.9 CRDI LX- Foto: Hersteller Kia Carnival 2.9 CRDI LX- Foto: Hersteller Kia Carnival 2.9 CRDI LX- Foto: Hersteller Kia Carnival 2.9 CRDI LX- Foto: Hersteller Kia Carnival 2.9 CRDI LX- Foto: Hersteller
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Kia Carnival
[+] Breite Schiebetüren, viel Platz, echte dritte Sitzreihe, umfangreiche Ausstattung serienmäßig, sehr gute Verarbeitung, handlich und übersichtlich
[-] Partikelfilter nur gegen Aufpreis, Motor etwas schwachbrüstig im Vergleich zur PS-Zahl, überdurchschnittlicher Verbrauch

Kia will nicht mehr als Billig-Marke: Mit dem neuen Carnival hat Kia "vor allem die anspruchsvollen europäischen Kunden im Blick", sagt Haydan Leshel, Deutschlandchef der Marke. Entsprechend gründlich haben die Koreaner den zuvor eher barock-betulichen Carnival auf modern und livestyle getrimmt: "Kein einziges Karosseriebauteil", sagt Leshel, "hat der neue Carnival noch mit seinem Vorgänger gemeinsam". Entsprechend europäisch gestylt kommt er daher. Klar und modern sieht der Van aus, der ab dem 21. Juli in Europa bei den Händlern stehen. Kürzer als der alte, aber höher und breiter.

Dass die Karosserie weniger koreanisch denn europäisch wirkt, hat seinen Grund: Sie wurde maßgeblich Kia-Zentrum in Deutschland mit entworfen. Frische gestaltete Klarglas-Leuchten im Spot-Design prägen die Front. Die Seitenflächen klar strukturiert, die Felgen geben den Blick auf die Scheibenbremsen frei und vermitteln Sportlichkeit. Gelungen die zu einer optischen Einheit zusammengefassten Griffe für Vorder- und Schiebetüren. Das Heck wird dominiert von einer weit öffnenden großen Klappe und hohen Rückleuchten.

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Lauter Details
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Der Einstieg bereitet wenig Mühe: Die vorderen Türen öffnen weit, die - gegen Aufpreis elektrischen - Schiebetüren an beiden Seiten reichen für einen bequemen Durchstieg selbst in die dritte Sitzreihe. Der Carnival ist ein Siebensitzer. Ein echter: Zwei Plätze vorne, drei in der zweiten, zwei in der dritten Reihe. Alles Einzelsitze, alle verschieb-, klapp- und komplett ausbaubar. Und das mit wenig Kraftaufwand. Nach dem Ausbau hat man Platz satt: Von 241 Liter Stauraum bei voller Bestuhlung wächst der Raum auf bist zu 3050 Liter bei nur noch zwei Sitzplätzen.

Beim Sitzkomfort zeigt sich Licht und Schatten. Beispiel Fahrersitz. Der bietet zwar - wie es sich für einen Van gehört - eine gute Rundumsicht und läßt sich mehrfach verstellen - aber nie so weit nach hinten schieben, dass Fahrer mit mehr als 1,85 Meter Körpergröße wirklich bequem sitzen. Zudem läßt sich die Lenksäule nur in der Höhe, nicht aber in der Tiefe verstellen. Oder die zweite Reihe. Die bietet zwar auch bei ganz zurück geschobenen Vordersitzen ordentliche Kniefreiheit - aber die Sitze sind so niedrig über dem Boden, dass die Oberschenkel in einer auf Dauer unbequemen Haltung stehen. Anders als bei vielen Konkurrenten, die mit einer dritten Sitzreihe werben, die sich dann aber eher als Notsitz erweist, fällt die hintere Reihe im Carnival nicht schlechter aus als die zweite. Hier wie da ist jeder Sitz zusammengeklappt auch als Ablagetisch zu nutzen.

Je mehr man hinschaut, desto mehr positive Details entdeckt man innen im Carnival. Zwar hat man all das auch schon anderswo gesehen. Aber selten so als stimmiges Gesamtpaket. Das beginnt mit dem ausklappbaren Innenspiegel, mit dem man die lieben Kleinen von Fahrer- und Beifahrersitz aus immer unter Kontrolle hat. Und es geht weiter über den ausklappbaren Haken für Handtaschen und Einkaufstüten im Fußraum des Beifahrersitzes bis zu den Schmutzfängern an allen Radkästen und der Leuchte in der Heckklappe, die beim nächtlichen Beladen Licht spendet. Ablagen? Reichlich. Der Carnival ist für durstige Insassen - verteilt über alle drei Sitzreihen finden sich allein zehn Halter für Getränkedosen und -flaschen.

Die Instrumentierung ist logisch und konsequent - abgesehen vielleicht von den Schaltern für die elektrischen Schiebetüren und die Heckklappe, die im Dachbereich beim Rückspiegel zu finden sind. Gewöhnungssache. Die Rundinstrumente liegen gut im Sichtfeld des Fahrers. Mit der Klimaautomatik lassen sich drei Zonen eigenständig regeln: Zweimal vorne, einmal hinten. Und was die Materialien angeht: alles Plastik - aber mit einem hochwertigen Eindruck, sauber verarbeitet und angenehm strukturiert.

Zur Markteinführung wird es den Carnival mit zwei Motorisierungen geben: Dem komplett überarbeiteten 2,7-Liter V6-Benziner mit variabler Ventilsteuerung und 189 PS sowie dem 4-Zylinder-Turbo-Diesel, der aus 2,9 Liter Hubraum 136 Kw/185 PS holt und eine moderne, variable Turbinengeometrie mitbringt. In Deutschland rechnet Kia für die Diesel mit einem Verkaufsanteil von bis zu 95 Prozent.

185 PS klingt besser als es tatsächlich ist. Denn das zulässige Gewicht von bis zu knapp drei Tonnen Auto will erst mal in Schwung gesetzt werden. Da helfen auch die 343 Nm Drehmoment nur bedingt weiter, die zwischen 1500 und 3500 Umdrehungen/min. anliegen. Die Höchstgeschwindigkeit liegt laut Kia bei 197 km/h. Über die Beschleunigung von 0 auf 100 km/h machen die Koreaner keine Angaben. Vom Fahreindruck her ist die Kraftausbeute nicht wirklich üppig, reicht aber für einen Van völlig aus.

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Bemüht
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Was den Verbrauch angeht, ist der Carnival nicht gerade ein Sparwunder: Laut Kia braucht er im Mix 7,8 Liter Diesel auf 100 Kilometer. Zum Vergleich: Ein VW-Sharan mit 2,0-Liter TDI-Motor, gut 40 PS weniger und dennoch fast ähnlichen Fahrwerten kommt auf sparsamere 6,6 Liter im Schnitt.

Angeboten wird der Diesel-Carnival serienmäßig mit 5-Gang-Handschaltung oder als Option mit einer 4-Stufen Automatik. Klare Ansage: Die Handschaltung passt besser. Die fünf Stufen der Automatik zeigen sich im Diesel doch sehr bemüht und schaltfaul. Erfreulicher Weise läßt sich die Automatik aber auch in Handarbeit sequenziell schalten. Die manuelle Schaltung, griffgünstig auf der Mittelkonsole plaziert, ist präzise zu bedienen. Und die Abstimmung der Stufen passt bei ihr zum Motor.

Dank der zum Vorgänger deutlich breiteren Spur und der geringeren Gesamtlänge ist der neue Carnival agiler und handlicher. Einen großen Beitrag dazu leistet auch das Fahrwerk mit Einzelradaufhängung. Hinten wurde die bisherige Starrachse durch ein Platz sparendes Mehrlenker-System ersetzt. Der Wendekreis etwa ist nun mit 11 Metern 1,8 Meter enger als beim Vorgänger.

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Fünf US-Sterne
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Das Fahrwerk selbst ist straff abgestimmt, der Federungskomfort aber durchaus komfortabel. Fahrbahnunebenheiten werden problemlos weggebügelt. In Kurven neigt der Carnival gutmütig und auch für ungeübte Fahrer beherrschbar zum Untersteuern. In der Not helfen das (abschaltbare) ESP und die Traktionskontrolle. Die Bremsen packen kräftig zu und werden unterstützt durch ABS und elektronische Bremskraftverteilung. Nicht ganz los geworden sind die Ingenieure die merkbaren Wankbewegungen der Karosserie, deutlich vor allem in flott gefahrenen Kurven.

Die Lenkung ist ausreichend direkt und präzise eingestellt. Sie gibt dem Fahrer eine ordentliche Rückmeldung, drängt aber mit Nachdruck immer wieder in den Geradeauslauf zurück.

Für die passive Sicherheit sorgen unter anderem sechs Airbags (vorne Front- und Seitenairbags, dazu durchgehende Kopfairbags vorne und hinten). Dazu kommen aktive Kopfstützen und Gurtstraffer vorne. Die Werte im EuroNCAP-Crashtest stehen zwar noch aus. Aber Kia verweist schon mal stolz auf die amtlichen amerikanischen Crash-Ergebnisse: Da gab es mit 5 Sternen eine Bestnote sowohl beim Frontal- wie auch beim Seiten- und beim Heckaufprall.

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Gehobener Bereich
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Billig ist der Carnival nun nicht mehr. Je nach Ausstattungslinie (LX, EX Basis, EX) ist er zwar von Hause aus gut bestückt. Aber auch der Grundpreis bewegt sich schon im gehobenen Bereich. Das Basismodell 2.9 CRDI LX wird 27.490 Euro kosten - mit Partikelfilter 550 Euro extra. In der EX-Version kostet der Diesel jetzt 31.190 Euro, den V6-Benziner gibt es nur als EX und dann zum Preis von 31.135 Euro.

Kia selbst stellt den Carnival in eine Reihe mit Opel Zafira, Ford C-Max, VW Touran & Co. Mit denen kann der Kia nun zumindest vom Preis her mithalten. Der Zafira etwa kommt als stärkster 1.9 CDTI mit 150 PS und in der Basisausstattung auf 26.340 Euro. Für den Ford C-Max werden in der 136-PS-starken 2.0-TDCi-Grundversion 24.100 Euro fällig, der sportliche S-Max kostet mit 140-PS-Diesel 27.475 Euro. Und auch der Mazda 5 ist mit 24.400 Euro deutlich günstiger als der Carnival. Und bei all denen ist ein Partikelfilter schon dabei.

Und noch etwas fällt auf: Die Konkurrenten haben zwar durchweg deutlich weniger PS aufzuweisen - aber was die Leistung angeht, können sie durchaus mithalten - mindestens. Der Mazda 5 etwa kommt mit 40 PS weniger auch auf die gleiche Höchstgeschwindigkeit von 197 km/h und schafft den Spurt auf 100 km/h in 10,4 Sekunden. Dafür verbraucht er aber auch 1,5 Liter Diesel weniger. Selbst, wenn man die durchweg bessere Serien-Ausstattung des Kia berücksichtigt: Vom Preis her ist der Neue keineswegs mehr ein Schnäppchen.

Kia Carnival 2.9 CRDI LX
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Fotos: Hersteller

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