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Honda Civic 2.0 Type R  Praxistest: Honda Civic Type R

Krawallbruder



In der Kompaktklasse genießt Hondas Civic Type R einen Ruf wie Donnerhall. In vielen Dingen auch zurecht. Doch abseits von Rennstrecke und schneller Kurvenhatz zeigt der Sportler aus Japan deutliche Schwächen.

 
Honda Civic 2.0 Type R
  
Honda Civic 2.0 Type R - Foto: Hersteller Honda Civic 2.0 Type R- Foto: Grundhoff Honda Civic 2.0 Type R- Foto: Hersteller Honda Civic 2.0 Type R- Foto: Grundhoff Honda Civic 2.0 Type R- Foto: Grundhoff Honda Civic 2.0 Type R- Foto: Grundhoff
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Honda Civic R
Honda Civic R auf der Rennstrecke Estoril
[+] Sportliche und agile Fahrleistungen, straffes Fahrwerk, präzise Lenkung, gute Serienausstattung, ordentliches Raumangebot, großer Laderaum
[-] Hoher Verbrauch, unkomfortables Fahrwerk, keine Sicht nach hinten

Der aktuelle Honda Civic ist schon ein paar Jahre auf dem Markt. Doch noch immer sorgt man mit ihm für Aufsehen. Auf dem Parkplatz, in der Hauseinfahrt oder an der Ampel kann man sich regelmäßig neugieriger Blicke sicher sein. Die starke Keilform passt gut zu einem kompakten Sportler wie dem Type R - doch nur Freunde macht sich der Civic damit nicht. Er polarisiert in einem Volumensegment wie kaum ein anderer.

In der Kompaktklasse gibt es eine Reihe von sportlich ambitionierten Konkurrenten. VW Golf GTI, Mazda 3 MPS, BMW 130i, Audi S3 oder Ford Focus ST/RS bieten bei ähnlichen Abmessungen das gleiche Modell: rund 4,20 Meter Länge, jede Menge Power und eingebauten Fahrspaß.

In Sachen Motorleistung steht der Civic Type R mit seinem hoch drehenden Vierzylinder jedoch ungewöhnlich weit hinten an. 148 kW/201 PS sind in der Liga der sportlichen Dünnbrettbohrer das unterste der Gefühle. Die meisten Konkurrenten bieten 30 bis 50 PS mehr, einige sogar über 100.

Der Type R als Nachfolger des fast schon legendären Honda CRX hält an seinem bekannten Konzept fest: Zwei Türen, Frontantrieb und einen bissigen Vierzylinder, der willig bis an die 8.000-Touren-Grenze dreht. Macht auf der kurvenreichen Landstraße immer wieder eine helle Freude. Auf der Autobahn fallen einem dagegen schier die Ohren ab. Denn während sich die meisten anderen Hersteller um eine größtmögliche Spreizung zwischen Alltagstauglichkeit und Sportpotenzial bemühen, scheint dem Japaner jeglicher Komfortanspruch weitgehend schnurz zu sein.

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Nerviges Armaturenbrett
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Er zerrt bei forscher Gangart gerne am Lenkrad wie ein Großer und hat nicht nur in engen Kehren nennenswerte Probleme, seine Leistung entsprechend in Szene zu setzen. Die harte Federung rüttelt einen durch. Stimmig sitzt man in echten Rennstühlen, die trotz aller Straffheit bequem sind - jedoch eine Spur zu hoch. Die Seitenwangen sind stramm und geben einem auch im Grenzbereich das nötige Vertrauen. Dazu kann man den Fahrbahnbelag durch die präzise Lenkung feinfühlig ertasten.

Leider haben die Innenraumingenieure des Honda Civic einen fragwürdigen Job erledigt. Nichts gegen Extravaganz und Individualität - doch dieses zerklüftete Armaturenbrett hat in einem Auto der Neuzeit nichts zu suchen. Der Verstellbereich des Lenkrades ist ebenso deutlich zu klein wie der Spielraum der Sitze. Groß gewachsene Fahrer freuen sich über die bequeme Sitzposition und viel Platz zum Dachhimmel - können den Drehzahlmesser und das Zentraldisplay jedoch nur zum Teil einsehen.

Schon der Startvorgang nervt. Erst wird rechts der Schlüssel gedreht und vermeintlich gezündet. Der Motor röhrt jedoch erst nach einem Druck auf den roten Starterknopf an der linken Seite. So etwas braucht kein Mensch. Wenn schon Starterknopf dann bitte auch kein Schlüsseldreh. Sonst wird das ganze zu pseudo-sportlichen Farce.

Oben der LCD-Tacho, dann schlecht abzulesen und meilenweit entfernt die digitalen Anzeigen für Motortemperatur und Tankvolumen. Bedienung und Anzeige der Klimatisierung lassen ebenfalls viel Verbesserungspotenzial für die nächste Modellpflege. Dass Honda als einziger Hersteller in Segment der kompakten Sportler für stattliche 579 Euro Aufpreis nur eine Nachrüstnavigation mit Schwanenhals anbietet, komplettiert den schlechten Eindruck vom Innenraum.

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Großer Kofferraum
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Dabei hat der Honda Civic Type R auch unter dem knackig geschnittenen Blechkleid seine Qualitäten. Das Platzangebot kann sich vorn wie auch hinten sehen lassen. Der Kofferraum ist nicht nur leicht zu beladen, sondern mit grandiosen 456 Litern auch geräumiger als bei den meisten anderen. Die Zuladung ist mit 362 Kilogramm jedoch dürftiger. Leider ist es mit der Rundumsicht nicht weit her. Der mittig in der Heckscheibe positionierte Heckspoiler nimmt jede Sicht nach hinten.

Das Motorenkonzept mit einem drehfreudigen Vierzylinder, der sich in ungeahnte Höhen schraubt, ist nach wie vor einzigartig. Ein Blick auf die größtenteils innovativere Konkurrenz zeigt jedoch, dass der Type R davon kaum einen realen Nutzen hat. Zwei Liter Hubraum mit einem Output von 148 kW/201 PS sind heutzutage wenig beeindruckend. Das maximale Drehmoment von gerade mal 193 Nm liegt bei 5.600 Touren an.

Unten herum geht beim Honda Civic Type R daher nur wenig. Die zweite Luft bringt erst ab 4.500 U/min Sturm in die hinein. Den Spurt von 0 auf 100 km/h schafft die 4,27 Meter lange Sportskanone in 6,6 Sekunden. Die Höchstgeschwindigkeit von 235 km/h ist ordentlich.

Wirklich erleben möchte man Geschwindigkeiten von über 160 km/h jedoch nicht. Spätestens dann wird es im Type R ohrenbetäubend laut. An ein Gespräch mit dem Sitznachbarn oder am Telefon ist nicht zu denken. Alles andere als zurückhaltend zeigt sich auch der Verbrauch. Durchschnittlich schluckte der Sport-Honda im Praxistest stattliche 10,3 Liter Super pro 100 Kilometer.

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Ab auf die Piste
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Die große Stunde des Type R schlägt im mittelschnellen Tempo auf der Landstraße. Außerhalb der überfüllten Städte genießt man das straffe Fahrwerk, das einen Minuten zuvor noch zur Verzweiflung brachte. Die Seitenneigung des 1,4 Tonnen schweren Fronttrieblers ist selbst in extrem schnellen Kurven minimal - und so lassen sich prächtige Radien in den Asphalt zaubern. Bei der Gangwahl gibt es mit einem manuellen Sechsgang-Getriebe solide Hausmannskost.

Unter dem Strich gibt es bessere Kompaktsportler als den Honda Civic Type R. Der bietet bisweilen zwar einen richtigen Fahrspaß, hat im Alltagsbetrieb jedoch zahlreiche Makel.

Eines davon ist der stattliche Preis. Mit einem Basispreis von 27.590 Euro ist man nicht gerade günstig unterwegs. Ein vergleichbarer Ford Focus ST oder ein Mazda3 MPS sind deutlich alltagstauglicher und kosten bei ähnlichen Fahrleistungen knapp 4.000 Euro weniger. Selbst ein deutlich breiter aufgestellter Golf GTI kostet nur 26.650 Euro. Über den Mehrpreis täuscht auch die sehr ordentliche Serienausstattung mit Sportsitzen, Xenonlicht, Tempomat und Klimaautomatik nicht hinweg. Sitzheizung, Lederstühle oder ein integriertes Navigationssystem gibt es nicht mal gegen Aufpreis.

Honda Civic 2.0 Type R
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Fotos: Grundhoff

Wie entsteht ein Praxistest? Das erfahren Sie Honda Civic 2.0 Type R hier

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