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Hintergrund  Hintergrund: Pratt & Miller

Verleiht Flügel



Als ob eine Corvette nicht schon schnell genug wäre: Pratt & Miller verleiht amerikanischen Sportwagenikonen zusätzlichen Dampf. Auch GM läßt dort seine siegreichen Rennwagen bauen.

 
 Pratt and Miller
  
 Pratt and Miller  - Foto: Hersteller  Pratt and Miller - Foto: Hersteller  Pratt and Miller - Foto: Hersteller  Pratt and Miller - Foto: Hersteller  Pratt and Miller - Foto: Hersteller  Pratt and Miller - Foto: Hersteller

Das 24-Stunden-Rennen von Le Mans Mitte Juni ist erst ein paar Wochen her und schon dreht sich bei Pratt & Miller Engineering in Wixom, rund eine halbe Stunde westlich von Detroit, fast alles um das französische Langstreckenrennen im nächsten Jahr. Dabei ist das hier weit mehr als eine einfache Tuningschmiede. Die Inhaber Gary Pratt und Jim Miller hatten sich Mitte der 80er Jahre bei einem Trans-Am-Rennen in den USA kennengerlernt. Man verstand sich auf Anhieb und teilte die Leidenschaft für den Motorsport. Gary Pratt wurde der Entwicklungskopf der gemeinsamen Firma, Jim Miller hält die geschäftlichen Belange in Händen.

1989 gründeten die beiden Autofans die Firma Pratt & Miller Engineering & Fabrication. Im Laufe der Jahre wurden Rennwagen und Prototypen entwickelt, Messemodelle gezeichnet und sogar leichte Panzer für die US-Armee gebaut. Pratt & Miller wurde zu einem kleinen Automobilhersteller – doch insbesondere in Europa kennt den Namen nahezu niemand. Dabei ist Pratt & Miller Engineering für die beeindruckenden Corvette-Erfolge bei den 24 Stunden von Le Mans verantwortlich. Auch 2011 siegte die gelb-schwarze Corvette C6.R beim wichtigsten Langstreckenrennen der Welt. Akribisch hatte Pratt & Miller zusammen mit den GM-Verantwortlichen das Rennen im Westen Frankreichs vorbereitet.

"Wir haben uns ein Jahr lang auf dieses Rennen in Le Mans vorbereitet", sagt Doug Fehan, bei General Motors seit vielen Jahren für die Rennfahrzeuge des Konzerns zuständig. "Jeder von uns arbeitet konzentriert und mit militärischer Disziplin. Und doch – auch wenn man alles richtig macht, ist das ganze Rennen zur Hälfte reines Glück."

Diese Ahnung von Ende Mai tat sich bewahrheitet - kurz nach neun Uhr am Morgen des 12. Juni. Das 79. 24-Stunden-Rennen von Le Mans war kaum 18 Stunden alt, da traf es nach den schweren Unfällen der Audi R 18 TDI auch das Corvette-Team von Pratt & Miller. Die Corvette von Jan Magnussen verabschiedete sich kurz nach Start und Ziel nach einem Porsche-Fremdkontakt aus dem Rennen - Totalschaden. Das ist Le Mans: Das allermeiste ist planbar – doch vieles bleibt eben schlicht Zufall.

"Wir bringen hier jedes Jahr 25 Tonnen Material an die Rennstrecke", erklärt Fehan. "Wir haben uns vor Jahren sogar einen eigenen großen Speziallastwagen nur für das Rennen angeschafft. Unsere US-Trucks sind in Frankreich einfach zu groß. Doch der Aufwand muss sein."

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Gigantischer Aufwand
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90 Tage braucht das Team von Pratt & Miller jedes Jahr, um die beiden Corvette-Rennwagen für Le Mans vorzubereiten und fertigzustellen. Der Aufwand, der bei dem 24-Stunden-Klassiker betrieben wird, ist gigantisch. Kein Wunder, denn der Le-Mans-Titel zählt für viele genauso viel, wie der in Formel-1 oder Nascar. Letztlich lohnte der Einsatz auch in diesem Jahr wieder und selbst Berufsskeptiker Doug Lehan konnte strahlen: Die zweite der beiden gelb-schwarzen Corvette mit der Besetzung Olivier Beretta/Tommy Millner/Antonio Garcia konnte den führenden Ferrari 458 Italia mit der Nummer 51 in der GTE-Pro-Klasse letztlich noch auf Platz zwei verweisen. Der siebte Sieg für Pratt & Miller in elf Jahren; erstmals in der GTE Pro Klasse. Letztlich siegte die Corvette C6.R nach 314 Runden mit einem dünnen Vorsprung von zweieinhalb Minuten.

Kaum ist das Le-Mans-Rennen beendet, gehen die ersten Planungen für den Event im nächsten Jahr los. Parallel laufen die Corvettes bei den Rennveranstaltungen in der American Le Man Series.

Auch immer mehr Privatiers kommen zu Pratt & Miller. Einige lassen ihrer Corvette nachträglich Flügel verleihen. Andere bringen ihre Oldtimer zur Restaurierung. Und ein Sammler ließ sogar einmal ein Motorrad-Einzelstück aus Kohlefaser fertigen.

Doch er gibt noch ungewöhnlichere Kunden. So arbeitet Pratt & Miller seit Jahren unter anderem für die amerikanische Regierung. Hier entwickelt die Sportwagenschmiede Fahrzeuge, bei denen es nicht um Schnelligkeit und Siege auf der Start- und Zielgeraden geht: leichte Panzer. Auch das visionäre Elektroauto vom Typ Aptera 2e des kalifornischen Herstellers Aptera Motors, wurde zu großen Teilen bei Pratt & Miller entwickelt.

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Fotos: Hersteller
Ort: Wixom

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