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Fotos: Jeep/Bolsinger
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Unser Autor: Jürgen Wolff

Hintergrund  Hintergrund: Design by Jeep

Ostereier



Ein Deutscher trimmt Chrysler auf Premiumqualität: Klaus Busse ist nach der Scheidung von Daimler und Chrysler in den USA geblieben und dort nun für die Innenraumgestaltung verantwortlich.

 
 Design by Jeep
  
 Design by Jeep  - Foto: Jeep/Bolsinger  Design by Jeep - Foto: Jeep/Bolsinger  Design by Jeep - Foto: Jeep/Bolsinger  Design by Jeep - Foto: Jeep/Bolsinger  Design by Jeep - Foto: Jeep/Bolsinger  Design by Jeep - Foto: Jeep/Bolsinger

Ostereier gibt es nicht nur zu Ostern: Programmierer verstecken in ihrer Software oft kleine Gimmicks, die nur auf geheime Tastenkombinationen hin sichtbar werden - sogenannte "Eastereggs". Die kleinen Filmchen, Grafiken oder Comics haben mit der Funktionalität des Programmes absolut nichts zu tun - sie sind reine Spaß, sympathische Signaturen derer, die an der Software mitgearbeitet haben. Wer in die Befehlszeile von Firefox zum Beispiel "about:robots" eintippt, der bekommt aus den Tiefen des Programmcodes einen kleinen Roboter auf den Bildschirm gezaubert und die Begrüßung "Welcome Humans!" samt dem Satz "Gort! Klaatu barada nikto!" aus dem Science Fiction Kult-Klassiker "Der Tag, an dem die Erde stillstand". Sinnfrei - aber ein Zeichen, dass hinter den Digits Menschen stecken, denen Spaß macht, was sie tun.

Auch viele der aktuellen Jeep-Modelle haben kleine Ostereier versteckt, sagt Klaus Busse, Director Interior Design bei der Chrysler Group, der auch die Marke Jeep gehört. Dabei grinst Busse breit übers ganze Gesicht und zeigt unten rechts auf die Windschutzscheibe des Jeep Wrangler Unlimited. Wer genau hinschaut, der erkennt dort einen kleinen schwarzen Jeep, der bergaufwärts kraxelt. Auch der neue Jeep Grand Cherokee hat eine kleine, versteckte Spielerei: In ein Birnchen der Frontscheinwerfer ist der typische Jeep-Kühlergrill mit seinen sieben Lufteinlässen geritzt. Nur wer genau hinschaut, kann ihn entdecken.

Für den Deutschen Klaus Busse, der über Mercedes-Benz zu Chrysler kam, sind die Eastereggs der Jeeps ein Zeichen für die neue Lust am Design bei Chrysler. Am Beispiel der Offroader will er zeigen, wie die Idee von einem "ehrlichen" Design bei einer durch und durch amerikanischen Marke aussehen kann. "Wir schicken unsere Leute viel auf Reisen - so können sie Farben, Oberflächen, Materialien und Handwerk in sich aufnehmen." Vor allem aber sollen sie sich "auf dem eigenen Hinterhof" umsehen - im traditionellen nordamerikanischen Möbeldesign, in der vielfältigen Architektur zwischen Boston und San Francisco. "Und wir lassen uns von der Atmosphäre der Orte inspirieren, wo eben nur ein Jeep hinkommt."

"Craftsmanship" ist denn auch eines von Busses Lieblingsworten - was sich in diesem Fall am ehesten wohl mit "Handwerkskunst" übersetzen lässt. Möbeltischler kommen einem da in den Sinn, die in Jeans und karierten Hemden mit hochgekrempelten Ärmeln hingebungsvoll die Rundungen an einem Shaker-Schaukelstuhl griffschmeichelnd schmirgeln. Keine verquasten Konstruktionen: "Amerikanisches Handwerk funktioniert eher mit dem Hobel als mit feinmechanischem Präzisionswerkzeug", sagt Busse. Ehrlich eben. Und da passt das lieblose Hartplastik der früheren Jahre nicht mehr rein. Holz, gebürstetes, echtes Aluminium, Leder und wertige Kunststoffe dagegen schon.

Eine kleine Führung durch das Interieur des neuen Jeep Grand Cherokee eröffnet denn auch einen ganz neuen Blick für Details. Der Griff zum Beispiel, mit dem sich die Mittelkonsole zwischen den Vordersitzen öffnen lässt: Kein billiges, flaches Plastik mehr, sondern sanft gerundet und ohne Spritzguss-Grat. "Ein glattgeschmirgelter Flußkiesel war unser Vorbild", erklärt Busse, "so einer, den viele Leute als Handschmeichler in der Tasche haben."

Oder die Türablagen: "Auch ohne Grat und angenehm anzufassen." Die runden Lüftungsöffnungen der Klimaanlage: Die senkrechten Plastikführungen, mit denen die senkrechten Lamellen gehalten werden, sind so weit nach links und rechts gerückt, dass sie nicht mehr sichtbar sind. "Das wirkt deutlich edler und robuster", sagt Busse. Der Haltegriff über dem Handschuhfach macht nun den robusten Eindruck, den er machen soll und verweist mit seiner Aufschrift selbstbewusst auf die Tradition der Marke: "Jeep - since 1941". Die Getränkehalter neben dem Automatikhebel auf der Mittelkonsole haben jetzt massive Klemmen für unterschiedlich große Dosen und Flaschen. Massiv soll das wirken, vertrauenerweckend, durchdacht bis ins Detail und robust.

Dazu kommen Zitate in der Linienführung. Der Falz zum Beispiel, der das Armaturenbrett oben strukturiert, ist so geschwungen wie die traditionelle Linie der Radkästen beim Jeep.

Bis in den Kofferraum zieht sich das neue Denken. Beispiel: Wer den Ladeboden hochhebt, findet darunter nicht nur ein voll funktionsfähiges Reserverad, sondern drum herum perfekt eingepasste und herausnehmbare Kästen für den Krimskrams, der sonst nur im Kofferraum herum fliegt. Stolz fährt Busse mit dem Finger den Falz zwischen Boden und Seitenwänden eines der Behälter entlang: "Hier", sagt er, "kein scharfer Winkel, in dem man den Dreck mit dem Lappen nie wieder herausbekommt, sondern ein leicht gebogener Winkel, der einfach sauber zu halten ist." Große Philosophien lassen sich manchmal an kleinen Dingen erklären. "Ein Jeep", sagt Busse, "soll das gleiche Gefühl erwecken wie ein Rucksack: clever und funktional."

Bei alledem soll jede Modellreihe unter dem Label "Jeep" ihren eigenen Charakter behalten. "Der Wrangler ist das eigentliche Sportgerät, während man mit dem Grand Cherokee zur Lodge fährt." Dabei sollen die Jeep immer auch ökologisch korrekt rüber kommen: "Mit einem Hummer walzt Du Dir deinen Weg in den Urwald und eroberst die Wildnis", beschreibt Busse das: "Mit einem Jeep dagegen wirst Du Teil der Wildnis."

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Ohne Stechuhr
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Das Innenraum-Finish war immer der Schwachpunkt der Jeep- und Chrysler-Modelle. Busse soll und will das Schritt für Schritt ändern - nicht nur bei Jeep, sondern auch bei den Fahrzeugen der anderen Konzernmarken Chrysler, RAM und Dodge. Eine Qualität, die sich auch mit deutschen Premium-Modellen messen kann, ist das Ziel. Daran arbeitet sein Team von rund 60 Leuten mit Herzblut und ohne Stechuhr. "Bei uns hat die Arbeitswoche 6,5 Tage", sagt Busse durchaus stolz. "Wenn man spätabends oder am Wochenende in die Büros kommt, findet man mit Sicherheit immer noch ein paar Kollegen, die sich an was festgebissen haben." Und "an heißen Projekten wird auch sieben Tage die Woche gearbeitet".

Was deutschen Gewerkschaftlern die Nackenhaare sträuben würde ist für Busse ein Beleg für die Hingabe, mit der seine Leute bei der Sache sind. Ein Lohn für das Engagement ist das Gefühl, dass Ideen und Konzepte ohne große Umwege durch eine starre Konzernhierarchie in die fertigen Modelle einfließen.

Wer genau hinschaut, der wird wohl auch bei den anderen Chrysler-Marken bald die ersten Ostereier finden.

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