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Hintergrund  Faszination: Große Taten der Big Three

100 Jahre Volldampf



General Motors abgewickelt, Chrysler an Fiat verscherbelt, Ford laviert noch. Alles ideenlose Dinos, heißt es hierzulande verächtlich. Zu Unrecht: Denn wichtige Autotrends kommen seit Jahrzehnten aus den USA.

 
 US Autoindustrie
  
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Ob Katalysator, elektrische Fensterheber oder Klimaanlage: Ohne den amerikanischen Ideenreichtum sähen auch unsere Autos ganz anders aus. Und sie wären vielleicht immer noch ein Luxusspielzeug für die oberen Zehntausend.

Als man sich in Deutschland noch über den VW Käfer als automobilen Inbegriff des Wirtschaftsaufschwunges freute, blubberten zwischen Chicago und Las Vegas bereits mächtige US-Schlitten über die Highways. Die waren schon immer etwas geräumiger als anderswo auf der Welt. Gigantische Limousinen, sportliche Edelcoupés oder grandiose Cabriolets boten einen Luxus, den man in Europa allenfalls aus Kinofilmen kannte.

In denen saßen die Film-Sternchen auf weichen Ledersitzen mit elektrischer Verstellung, genossen die Annehmlichkeiten von elektrischen Fensterheber oder Schiebedächern - während sich Papa in seinem alten Rekord eine Sehnenscheidenentzündung holte. In unseren Breiten wurden die Fenster bei der Fahrt in den Sommerurlaub mit Handtüchern verhängt um den Innenraum zu kühlen. In den USA fuhren die Autos bereits in den 60er und 70er Jahren mit sanft kühlenden Klimaanlagen und ließen sich von einem Tempomaten das Gaspedal halten. Der heute längst etablierte Tempogehilfe feierte bei Chrysler vor über 50 Jahren seine Serienpremiere.

Doch die USA brachten der Autoindustrie mehr als nur kleine Annehmlichkeiten für die Fahrt in den Urlaub. Der Ford Tin Lissy war Anfang des vergangenen Jahrhunderts das erste Auto, das kostengünstig am Fließband gebaut wurde und für die breite Masse der Bevölkerung gemacht war. Als man 1914 vom Manufakturbetrieb auf die Fließbandproduktion umstieg, sank der Preis von knapp 900 US-Dollar auf weniger als die Hälfte.

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"Was bitte ist das?"
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Die ersten Luxuslimousinen kamen ebenso aus den USA wie die Vans. Der Chrysler Voyager ist auf dem Vanmarkt das Urgestein. Der erste Minivan von Chrysler prägte ein neues Fahrzeugsegment und behauptet sich bis heute mit Erfolg.

Seine Geschichte ist eine typisch amerikjanische: Im Jahre 1983 sah eine Amerikanerin auf einem Restaurant-Parkplatz in Houston ein völlig neuartiges Auto, das sie sofort begeisterte. Eckig-modern gestylt, größer als ein Kombi, aber nicht zu sperrig, mit viel Platz und allerlei Komfort: Das optimale Familienfahrzeug zu sein. "Was bitte ist das, und wo kann ich es kaufen?" wollte die Frau von den Passagieren wissen. Die Chrysler-Manager, die mit dem frisch ausgelieferten Minivan zum Mittagessen unterwegs waren, grinsten – und ahnten, was für einen Riesenerfolg der Wagen haben würde. Chryslers Minivan traf den Nerv der Baby Boomer-Generation, die gerade fleißig dabei war, selbst Familien zu gründen.

Auch die Geländewagen haben ihren eigentlichen Ursprung in den USA. Der Willys Jeep galt im Zweiten Weltkrieg als unverwüstlich. Der Willys MB war noch lange nach dem Zweiten Weltkrieg so typisch für amerikanische GIs wie Kaugummi und Rock-and-Roll-Musik.

Dabei hatte das Militärfahrzeug nichts anzubieten, was auch nur im Entferntesten dem Komfort seiner Insassen diente. Die Sitze erinnerten an Campingstühle, Türen oder Fenster gab es gar nicht. Vor Regen schützte nur ein notdürftiges Klappverdeck. Die Soldaten liebten den Willys Jeep trotz seiner harten Schale heiß und innig. Mit seinem zuschaltbaren Allradantrieb kam das 3,3 Meter kurze und 63 PS starke Wägelchen schließlich überall durch und überwand Steigungen von 60 Prozent.

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Stadt und Land
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Nicht weniger imposant war der Erfolg der Sport-Utility-Vehicle, kurz SUV. Geländewagen stammen aus Armee- und Nutzfahrzeugzeiten und wurden in den 60er Jahren eine Mischung aus komfortabler Reiselimousine, Kombi und Geländewagen. Den Anfang machte in den frühen 60ern zunächst der Jeep Wagoneer und kurz danach der Chevrolet Blazer.

Doch der echte SUV-Trend wurde in den 80ern und frühen 90er Jahren weltweit vom Jeep Grand Wagoneer und seinem Nachfolger Grand Cherokee begründet. Er war der erste Edel-Offorader mit großen Fähigkeiten im Gelände, Leistung satt und allem erdenklichen Komfort. Angetrieben wurden die Allradler von V6- und V8-Triebwerken mit 3,7 bis 6,7 Litern Hubraum.

Wenn es um sportliche Coupés geht, führt um den Ford Mustang kein Weg herum. 1964 vorgestellt war der der Inbegriff eines bezahlbaren Sportcoupés mit grandiosen Fahrleistungen. In den USA war der Mustang das erste Pony Car, dem später europäische Coupés wie der Opel Manta oder der Ford Capri hinterher eilten. Doch Ford brachte nicht nur dem Mustang das traben bei, sondern hatte die Automobilwelt bereits in den 50er Jahren mit dem sportlich-eleganten Thunderbird in Verzückung versetzt. Bis in die 70er Jahre galt der T-Bird weltweit als das schönste Cabriolet überhaupt.

Was den Deutschen ihr Porsche 911 oder den Italienern ein Ferrari, ist den Amerikanern die Corvette. Erstmals Mitte der 50er Jahre vorgestellt, ist die Corvette seit mehr als einem halben Jahrhundert eine der größten Sportwagenikonen der Welt. Ungemein sportlich, ungemein schnell und im Vergleich zu europäischen Konkurrenz stets bezahlbar. Ging es im Jahre 1953 bei gerade einmal 150 PS los, so leistet das aktuelle Topmodell Corvette ZR-1 620 PS und schafft mehr als 330 km/h Spitze.

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Sportliche Filmgeschichte
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Kaum weniger sportlich ist die Geschichte des Dodge Charger, der bei uns durch eine Fernsehserie "Ein Duke kommt selten allein" Ruhm und Ehren erlangte. Hier gab es täglich das gleiche Spiel. Die beiden Dukes geben mit ihrem orangefarbenen Dodge Charger mächtig Gas und Boss J.D. Hogg schaut zusammen mit seinen Sheriffs wieder einmal dumm aus der Wäsche. Die US-Serie war weltweit ein Publikumsrenner. Hauptdarsteller war General Lee, ein 350 PS starker Dodge Charger.

Der US-Markt ist reich an Autolegenden. Von dem immerschwarzen Ford T-Modell über unendlich lange Cadillacs, die sensationellen Thunderbirds bis zu Renncoupes wie der Corvette. Dodge gilt als eine der Marken mit dem größten Einfluss auf den US-Markt. Doch auch wenn ein Challenger durch die sensationelle Verfolgungsjagd mit einem Ford Mustang in dem Streifen "Bullit" Filmgeschichte geschrieben hat: Eines der schärfsten US-Autos aller Zeiten ist der Dodge Charger.

Und die Historie der amerikanischen Fahrzeugtrends setzt sich fort. Demnächst bringt Chevrolet mit dem Volt das erste in Serie produzierte Elektroauto auf den Markt. Und auch wenn Hybridfahrzeuge zunächst von asiatischen Herstellern verkauft wurden: Der Trend wurde ebenfalls in den USA geboren. In keinem Land der Welt werden mehr Hybriden angeboten und verkauft. Tendenz steigend.

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