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Für deutsche Premiumhersteller wie Audi, BMW und Mercedes ist Sicherheit ein wichtiges Geschäft - nicht nur, wenn es um Airbags und Knautschzonen geht. Mittlerweile geht es bei den gepanzerten Autos nicht nur um imageträchtige Regierungsaufträge - auch immer mehr Privatpersonen wollen sich gegen mögliche Angriffe von außen schützen.
In Deutschland werden die meisten gepanzerten Fahrzeuge nach wie vor von BKA, Personenschutz und Polizei gefahren. Doch in Regionen wie Südeuropa, Russland und Südamerika hat sich die Gewaltbereitschaft in den vergangenen Jahren so entwickelt, dass der Selbstschutz eine andere, traurige Qualität entwickelt hat. Angriffe im Straßenverkehr sind dort in bestimmten Gegenden an der Tagesordnung. Hier sorgen bereits die Fahrzeuge mit einer leichten Panzerung (B4-Klasse) für Sicherheit. Die leichten Panzer halten auch Carjacker und Kidnapper ab. Daher entscheiden sich rund um den Globus zunehmend auch immer mehr Juweliere oder Rechtsanwälte für ein Plus an Sicherheit.
Nichts wie weg
 Erst jüngst präsentierten Audi mit dem A6 und BMW mit dem neuen 5er "Alltags"-Limousinen im gepanzertem Blechkleid. Die leichte Panzerung wiegt beim BMW 550i beispielsweise gerade einmal 250 kg. Knapp die Hälfte des Gewichts macht das zentimeterdicke Sicherheitsglas mit Polycarbonatschicht aus. Von außen kann man kaum erkennen, dass der Wagen gepanzert ist. Das Fahrzeug ist komplett mit Matten aus Aramid und Polyethylen verkleidet.
Besonders schwer ist es für die Hersteller, die Spalten gegen Beschuss durch Pistolen und Gewehre zu sichern. Wer einen Wagen mit einer B4-Panzerung angreift, wird jedoch überrascht sein: Fahrzeug und Glas halten einem Beschuss etwa mit einer 44er Magnum problemlos stand. Der große Vorteil der vergleichsweise leichten Fahrzeuge besteht in der Wendigkeit. "Diese Fahrzeuge werden oft auch als Begleitfahrzeuge eingesetzt", sagt Michael Gallmann, bei BMW zuständig für Panzerfahrzeuge, "das wichtigste ist jedoch, dass das Fahrzeug schnell aus der Gefahrensituation heraus kommt. Irgendwann versagt schließlich die beste Panzerung."
Personen-Check
 Viele bekannte Persönlichkeiten setzen seit Jahren auf Sicherheitslimousinen. Politiker wie Gerhard Schröder, Angela Merkel oder Horst Köhler werden durch Personenschützer und Schutzfahrzeuge ebenso abgesichert wie die Chefs von Großkonzernen oder gefährdete Promis. Nicht jeder bekommt übrigens eine gepanzerte Limousine. Die Hersteller lassen Kaufinteressenten vorher gründlich durchchecken.
Wenn Personen besonders geschützt werden müssen, hilft nur eine Panzerung B6/B7. In solchen Fahrzeugen sind zum Beispiel Präsidenten, Könige und Minister unterwegs: Ein Personenkreis, der ständig um Leib oder Leben fürchten muss. Die Armierung hält sogar Gewehrprojektile aus dem militärischen Bereich auf. Zudem bieten die Modelle mit B6/B7 Schutz gegen Splitter von Handgranaten und anderen Sprengsätzen.
Harter Alltag
 Zusätzliche Sicherheits-Features sind beispielsweise Reifen mit Notlaufeigenschaften, ein selbst dichtender Tank oder ein Gefährdeten-Alarm-System. Gerade diese Fahrzeuge haben in den vergangenen 30 Jahren technisch gesehen Quantensprünge hinter sich gebracht.
Doch der Alltag von gepanzerten Luxuslimousinen wie 7er BMW, Audi A8 oder Mercedes S-Klasse ist auch ohne Kugelhagel hart. Die Fahrzeuge werden trotz ihres Gewichts von zum Teil deutlich über drei Tonnen Tag für Tag im Grenzbereich bewegt. Die Personenschutzkolonnen jagen die Fahrzeuge nicht selten mit Tempo 220 über die Autobahn. Schusssichere Reifen, Fahrwerke und Bremsen brauchen die gleichen Höchstleistungen wie die besonders geschulten Fahrer.
Immer mehr SUVs
 Haben die gepanzerten Limousinen in Deutschland schon eine jahrzehntelange Tradition, so steigt die Nachfrage nun vor allem nach gepanzerten Geländewagen und SUVs. BMW bietet zum Beispiel den X5 mit B4-Panzerung an. Auch er wiegt mit 2,5 Tonnen nur rund 400 kg mehr als sein Serienbruder von der Stange. Neue Modelle wie die Mercedes M-Klasse oder der Audi Q7 werden mit Schutzausstattungen folgen.
Die Produktion erfolgt zumeist eigenständig und abseits der normalen Prozesse. So wird zum Beispiel der neue BMW 530i in Dingolfing vorproduziert. Von dort geht es in ein Spezialwerk nach Toluca/Mexiko, wo der gepanzerte 5er endmontiert wird.
Nicht ganz billig
 Schon bei der Entwicklung eines Modells wird festgelegt, ob es ihn als auch Panzermodell geben wird. "Der Entwicklungsaufwand ist enorm", sagt Friedbert Holz von BMW: "Das Verhältnis liegt bei 50:50. Schließlich müssen Fahrwerk, Regelsysteme und alles weitere angepasst werden.“
Der Druck ist auch bei neuen Modellen groß. Mercedes präsentierte die gepanzerte S-Klasse nur wenige Wochen nach dem Serienmodell.
Ganz billig ist das Plus an Sicherheit jedoch nicht. Ein B4-gepanzerter BMW 530i kostet ab 105.000 Euro. Für einen BMW 760iL mit B6/B7-Panzerung sind je nach Ausstattung mehr als 300.000 Euro fällig. Die immensen Kosten sind ein Grund dafür, weshalb viele Fahrzeuge üppigste Laufleistungen auf dem Tacho haben. Doch die 500.000 oder mehr Kilometer sind kein Problem, weil diese Fahrzeuge erstklassig gewartet werden. Gibt es Schäden, lohnt es sich auch schon mal, für 20.000 Euro einen Motor auszutauschen. An der Panzerung selbst gibt es schließlich keinen Vergang.
Gebraucht gepanzert
 Der Gebrauchtmarkt für gepanzerte Fahrzeuge ist in Europa sehr überschaubar. Am liebsten nehmen Hersteller die Fahrzeuge nach ein paar Jahren selbst wieder zurück. "Dann wissen wir, in welche Hände diese speziellen Modelle kommen", erklärt Michael Gallmann, "einige Kunden sind zudem lieber mit einem unscheinbaren Gebrauchtwagen unterwegs - um weniger aufzufallen."
Das gilt übrigens auch für Familien. Wenn der Vater mit einem gepanzerten Audi A8 ins Büro fährt, fahren Frau und Kinder mit einem gepanzerten 530i zum Einkaufen oder in die Schule.
Auch in Deutschland wird das Sicherheitsbedürfnis immer höher. Da jedes der Fahrzeuge eine Einzelanfertigung ist, ist mit Fließbandarbeit nichts zu machen. Wer sich für einen BMW 7er in Schwerpanzerung interessiert, muss deshalb nicht nur durch die Sicherheitskontrolle des Herstellers passieren sondern auch bis Sommer 2006 warten. Bei Mercedes oder Audi sieht es kaum anders aus.
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