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Ferrari 599 GTB Fiorano  Fahrbericht: Ferrari 599 GTB Fiorano

Zart-Bitter zum Geburtstag



Er ist rot, schnell und teuer. Er ist unglaublich nah an der Formel 1. Wer Imola und Nürburgring im Alltag haben möchte, der schaut beim Ferrari-Händler vorbei und belohnt sich mit einem 599 GTB Fiorano. Dickes Konto vorausgesetzt.

 
Ferrari 599 GTB Fiorano
  
Ferrari 599 GTB Fiorano - Foto: Grundhoff Ferrari 599 GTB Fiorano- Foto: Grundhoff Ferrari 599 GTB Fiorano- Foto: Grundhoff Ferrari 599 GTB Fiorano- Foto: Grundhoff Ferrari 599 GTB Fiorano- Foto: Grundhoff Ferrari 599 GTB Fiorano- Foto: Grundhoff
Ferrari 599 GTB Fiorano
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Ferrari 599 GTB Fiorano
[+] Phantastische Fahrleistungen, exzellentes Fahrwerk, gute Sportsitze, fabelhafte Bremsen, grandioser Sound
[-] Hoher Preis, geringe Sitzhöhe, teure Extras, hoher Verbrauch

So einen Geburtstag hätte sich Bob nicht träumen lassen. Am späten Vormittag sitzt er Probe auf dem Beifahrersitz eines knallroten 599 - und kann sein Glück kaum fassen. Der Mittdreißiger hat gerade sein schönstes Geschenk bekommen: Sitzen im Ferrari.

Noch ein paar Minuten vorher ist der US-Amerikaner wie ein kleines Kind um unseren Test-Fiorano herum gehüpft und hat unverständliche Entzückenslaute ausgestoßen. Der Anblick eines tankenden Ferrari hat nun mal unkalkulierbare Nebenwirkungen. Auf dem Weg zum Job war Bob unser 599 GTB an der Tankstelle aufgefallen. Allemal Grund genug für ihn, kehrt zu machen und Dienst erst mal Dienst sein zu lassen. Der neueste Modena-Renner ist eben ein grandioser Hingucker. Er ist elegant und sportlich, schnell und gefährlich - aber auch lammfromm und idiotensicher. Ein Coupé für den Weg zur Arbeit. Aber auch einer, der auf den Rennstrecken dieser Welt keinen Vergleich scheuen muß.

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Klappen auf
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Dabei könnte das Überholimage durchaus größer sein. Im Rückspiegel erahnt kaum einer den Ferrari. Und die 620 PS unter der Haube schon gar nicht. Die Front ist breit, flach und elegant. Keine Spur von einem wilden Stier wie dem Lamborghini Murcielago oder einem hochtechnischen Mercedes SLR, die beide in ähnlichen Kategorien fahren. Sein betont graziles Design macht ihn derzeit wohl zu einem der schönsten Coupés weltweit. Bei den sanften Schwüngen, zarten Linien und mächtigen Radsätzen können nur Konkurrenten wie der Aston Martin Vanguish, das in die Jahre gekommene Maserati Coupé oder der große Bruder Ferrari 612 Scaglietti mithalten. Allen ist diese aufreizend lange Motorhaube gemein. Doch so dezent wie in dem 4,66 Meter langen 599 GTB sind zwölf Zylinder und 620 PS wohl selten verkleidet worden.

Den Zwölfzylinder mit seinem sechs Liter großen Hubraum kennt man leicht modifiziert bereits aus dem Ferrari Enzo. Im 599 GTB leistet er 456 kW/620 PS und 608 Nm bei 5.600 U/Min. Eine Pferdestärke hat es somit gerade mal mit 2,6 Kilogramm Lebengewicht zu tun. Kein Wunder, dass der Renner in 3,7 Sekunden von 0 auf 100 km/h beschleunigt und scheinbar überhaupt keine Probleme damit zu haben scheint, seine Potenz auf die Straße zu bringen. Nur am Rande sei erwähnt, dass die Höchstgeschwindigkeit bei über 330 km/h liegen soll.

Kein wildes Dröhnen, Wummern oder Brüllen. Ein Druck auf der Starterknopf und das Feuer ist entfacht – präsent, aber nicht nervig. Motor und Sound zeigen sich unter 3000 Touren höchst unwillig – erst ab 3500 geht es los und bei 4000 öffnen endlich die Klappen in den Endrohen und blasen zum Angriff. Dann hängt er bissig am Gas, will immer mehr und belohnt den Piloten mit grenzenlosem Vorwärtsdrang.

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Platz im Tank
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Über den Verbrauch kann man nur spekulieren. Ferrari spricht im Drittelmix von 21,3 Litern Super auf 100 Kilometern. Fest steht, dass das üppige Tankvolumen von 105 Litern die Kundschaft deutlich mehr interessieren dürfte als die Trinkgelüste.

Wenn schon ein Ferrari 599 GTB, dann auch einer mit der - leider nicht obligatorischen - F1-Schaltung. Das 6800 Euro teure Extra erledigt die Gangwechsel dank aufwändiger Technik in gerade mal 100 Millisekunden. Nicht mehr als eine Zahl. Die Boliden in der Formel-1 setzen auf die gleiche Technik und schaffen es kaum spürbare 50 Prozent schneller. Ein geübter Handschalter benötigt für einen Gangwechsel übrigens zwischen 300 und 500 Millisekunden.

Wenn Bob auch noch das Fahrwerk des 599 hätte testen können - er wäre sicher nie wieder ausgestiegen. Denn wer einen bockelharten Renner erwartet, sieht sich schnell eines besseren belehrt. Klar, der Jungspund aus Maranello ist auf den Hüften straff gefedert. Aber angesichts des dünnen Gummischutzmantels um die vier Felgen und der üppige Kräfteverhältnisse ist man überraschend komfortabel unterwegs. Dabei macht der Zweisitzer gar nicht erst den ohnehin untauglichen Versuch, ein Cruiser sein zu wollen. Er ist ein Sportwagen. Ohne jegliche Seitenneigung. Ohne Einnicken oder einen endlos übersteuernden Vorderwagen.

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Williges Heck
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Der Fahrer hat die Sache jederzeit fest im Griff – vorgesetzt er weiß, wie man das 1,7 Tonnen schwere Gefährt standesgemäß bewegt. Die Lenkung ist grandios präzise und dürfte nach Meinung von weniger rennsporterfahrenen Piloten gerne etwas leichtgängiger sein. Kenner der Szene – und wohl nur solche sind im Nachfolger des 575M Maranello unterwegs – freuen sich über das exzellente Einlenkverhalten und die Spurtreue bei extrem hohen Geschwindigkeiten.

Über einen Drehknopf am Lenkrad lassen sich Motorkennung, Fahrwerkabstimmung und Stabilitätsprogramm vielfältig beeinflussen. In den Modi "Sport" und "Race" kommt das Heck willig etwas nach außen und lässt Spielraum für verwegene Formel-1-Träume. Die Gewichtsverteilung ist vorbildlich. Der weit hinter der Vorderachse positionierte Motor sorgt dafür, dass 53 Prozent des Gewichts auf dem Hinterteil liegen – ideal.

Solch grandiose Rennsporttechnik hat ihren Preis – genauer gesagt: mindestens 212.000 Euro. Trotz des stattliches Basispreises kann man seinen 599 GTB Fiorano noch mit einer Reihe von netten Details ausstaffieren. Renngurte, lackierte Bremssättel oder ein Lederkofferset sind oft mehr Versuchung als Zwang. Dass in dieser Klasse Annehmlichkeiten wie eine Keramik-Bremsanlage (15.315 Euro) sowie Sportsitze aus dem Hause Recaro inklusiv Sitzheizung, Lordosenverstellung und Speicherfunktion nochmals 3.075 Euro kosten, mag man kaum glauben – ist aber Realität.

Serienmäßig ist der perfekt verarbeitete Innenraum. Hier geht es elegant, jedoch durchaus sportlich zu. Karbonelemente und mächtige Lüftungsdüsen könnten auch aus einem Tourenwagen stammen. Die serienmäßigen Sportsitze sind die besten, die Ferrari je in einem Serienfahrzeug verbaut hat. Groß gewachsene Fahrer sitzen jedoch nach wie vor nicht ideal und stoßen mit dem Kopf am bezogenen Dachhimmel an. Schön, wenn die Norditaliener endlich einmal einsehen würden, dass auch Menschen über 1,82 Meter solche Traumvehikel erstehen wollen. Andere Sportwagenmarken zeigen längst, dass sich niedrige Dachlinie und perfekte Sitzpositionen vereinbaren lassen. Bob war knapp 1,80 Meter groß - die ideale Ferrari-Größe. Übrigens - nochmals herzlichen Glückwunsch nachträglich.

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Fotos: Grundhoff

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